Opels Cabriolet-Dachtechnik

Opel Astra Cabriolet Opel Astra Cabriolet

Cabriolet-Dachtechnik

— 23.04.2002

Der Stoff für alle Wetter

Opel macht das elektrische Stoffdach des Astra Cabriolets fit für jede Jahreszeit. Wegen der ausgeklügelten Technik kann das Stoffverdeck durchaus mit einem Metalldach konkurrieren

Coupéartige Dachform gegen Balloneffekt

Cabriolet-Fahrer sind Optimisten. Sie genießen jeden Sonnenstrahl und hoffen darauf, dass der Sommer nicht zu verregnet und der Winter schnell vorüber ist. Lange galt: Im Frühjahr wird das Cabrio an-, im Herbst abgemeldet.

Erst als die Roadster mit Klappdach kamen, schien der Weg vom Saison- zum Ganzjahresauto endgültig geebnet. Doch nicht nur aus Kostengründen bleibt das klassische Stoffverdeck aktuell. Für viele Frischluft-Liebhaber gehören Stoffdach und Cabrio untrennbar zusammen. Unter modernen Stoffverdecken sitzt man auch bei Dauerregen weder in einer Tropfsteinhöhle, noch muss man bei Minusgraden wirklich frieren.

Das Rad haben die Ingenieure des Internationalen Technischen Entwicklungszentrums (ITEZ) in Rüsselsheim also nicht neu erfunden. Doch sie haben die Defizite der traditionellen Stoffverdecke sehr genau unter die Lupe genommen.

So ähneln viele Cabriolets bei Autobahnfahrten rasenden Ballons. Der "Balloneffekt" tritt ein, wenn die in den Innenraum strömende Luft, unterstützt vom Unterdruck erzeugenden Fahrtwind, das Stoffdach aufbläst. Einen Teil dieses Problems löste Opel, indem man den Höhenunterschied zwischen Frontscheibenrahmen und Verdeckkasten durch die coupéartig fließende Dachform nivellierte.

Hengersberger Spezialitäten

Die entscheidenden Verbesserungen birgt jedoch das Verdeck selbst. Die Firma Edscha des renommierten Dachspezialisten Eduard Scharwächter in Hengersberg im Bayerischen Wald zeichnet für Entwicklung und Produktion des Verdecks verantwortlich. Hergestellt werden die Verdeckbezüge in Velky Meder in der Slowakei. Edscha, Topzulieferer der internationalen Automobilindustrie (u. a. Cabrio-Verdecksysteme für den Audi TT, Volvo C70 und Ferrari F355), bedient sich eines speziellen Klebeverfahrens.

Die Laminierung bewirkt, dass sich die drei Schichten im abgelegten Zustand nicht gegeneinander verschieben. Außerdem verklebt man eine innere Dämmschicht des mehrlagigen Bezugstoffs sowohl mit dem Verdeckgestänge als auch mit dem äußeren Bezug. Dabei wird die Filzmatte nicht wie üblich einfach dazwischengelegt, sondern seitlich heruntergezogen. Das dient weniger der Wärmedämmung als dem besseren Geräuschkomfort. Die so erreichte straffe Spannung verbessert zudem den cw-Wert, erhöht die Dichtheit des Daches und sieht schöner aus.

Im Windkanal richteten Opel-Ingenieure einen Laserstrahl von oben auf das geschlossene Verdeck und verfolgten, wie weit sich der Messpunkt bei einer Fahrtsimulation nach oben verschiebt. Bei einer Windgeschwindigkeit von 120 km/h ermittelten die Tests eine Bewegung des Daches um optisch kaum wahrnehmbare 9,5 Millimeter nach oben.

Metallene Spiegel als Faraday-Käfig

Ein weiterer Schwachpunkt war bislang der erhebliche Wärmeverlust. Um eine gegenüber festen Stahlverdecken gleichwertige Wärmedämmung zu erzielen, entwickelte Edscha ein mehrlagiges Verdeck. Der Fahrzeughimmel an der Innenseite besteht aus einer Verbindung von beschichtetem Textilgewebe und zwei Millimeter Schaumstoff. Eine zehn Millimeter dicke Filzlage bildet die mittlere Isolationsschicht, die mit dem Bezug verschweißt und vernäht ist. Sie hält die Wärme im Innenraum und schirmt ihn von Windgeräuschen ab. Außen schützt ein besonders strapazierfähiges Gewebe aus Baumwolle und Kunststoff, mit einer Gummierung als Zwischenlage, vor Witterungseinflüssen.

Das Thermogramm verdeutlicht die hervorragenden Isolationswerte des Opel-Cabrioverdecks. Wärmebildkameras hielten die Abstrahlung fest, nachdem Cabrio und Coupé eine längere Strecke bei winterlichen Temperaturen zurückgelegt hatten. Die dunkle Einfärbung des Dachbereichs in der Aufnahme ist ein Zeichen der optimalen Wärmeisolierung, denn beim thermographischen Verfahren veranschaulicht die Farbe die jeweiligen Temperaturverhältnisse. Weiß steht für die direkte Abgabe der Wärme an die Umgebung.

Astra-Cabrio-Fahrer sind durch den Aufbau des Verdecks auch wirksam vor Gewittern geschützt. Die metallenen Spiegel des Stoffdaches wirken als Faraday-Käfig und sind so dem Stahldach in puncto Sicherheit ebenbürtig.

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