Diesel-Cabrios: Pro und Kontra

Cabrios mit Diesel: Pro und Kontra

— 22.06.2011

Diesel im Cabrio – geht das?

Ein Dieselmotor im offenen Auto? Das ist mehr als eine Frage des Geruchs – oder Geschmacks. Hier geht es um ganz elementare Dinge: ein Dieselmotor ist eben einfach unerotisch. Oder nicht?

"Selbstzünder im Cabrio? Ein offenes Auto ist doch kein Taxi",
meint Stefan Voswinkel.

Es gibt Dinge, die passen einfach nicht zusammen. Darum baut Rolls-Royce keine Vans, Porsche keine Kleinwagen und Dacia keine Staatslimousine. Andere Hersteller sind nicht so konsequent und bieten offene Autos mit Dieselmotor an. Die ich nie im Leben kaufen würde. Und auch nicht fahren möchte. Im Cabrio will ich das Leben mit allen Sinnen genießen.

Schon beim Start zeigt sich die fehlende Harmonie. Takatak statt Wrooom oder Wwwwt. Wie öde. Moderne Selbstzünder sind zwar dank Common-Rail-Einspritzung nicht mehr so rumpelig wie noch vor ein paar Jahren. Trotzdem klingen all die TDI und CDI noch immer nach Taxi und Vertreter-Kombi. Nach Vernunft. Nicht schlecht, aber in einem sinnlichen Auto unpassend. Unerotisch. Ein Dieselmotor wird eben so konstruiert, dass er besonders sparsam ist. Aber nicht um einen berauschenden Sound zu entwickeln – oder kennen Sie auch nur einen Selbstzünder, der dafür berühmt ist? Eben. Der niedrige Verbrauch eines Dieselmotors mag vielleicht für einen Familien-Passat ein Vorteil sein. Aber nicht für ein Auto, mit dem ich im Sommer nur wenige Tausend Kilometer fahre. Geschenkt. Dafür stinkt es mir an der Tankstelle gewaltig. Benzin riecht nach Rennsport und großer weiter Welt. Diesel müffelt nach Schiffsbau und Industriegebiet. Wer will das schon in einem Spaßauto? Nein – manche Dinge passen einfach nicht zusammen.

"Der Diesel passt zum Cabrio wie die Welle zum Surfbrett",
sagt Joachim Staat.

Cabrio und Diesel – passt das? Als Audi vor 15 Jahren den ersten offenen A4 TDI rausbrachte, fragten wir eine echte Duft-Instanz: Die Parfüm-Expertin einer Frauen-Zeitschrift rümpfte zwar die Nase, aber nicht über vermeintlichen Geruch, sondern über die blöde Frage. "Wieso, passt doch wunderbar!" Diesel-Cabrios machen keinen Gestank, sondern höchstens ein Geschmäckle. Und das verweht mit der Zeit. Heute wundert uns nur noch der hohe Diesel-Anteil beim offenen 3er oder dem E-Klasse Cabrio: 30, teilweise 40 Prozent! Cabrios sind längst nicht mehr die windigen Saisonbegleiter wie früher, sondern immer öfter Vollwert-Auto fürs ganze Jahr. Müssen sie auch, bei den Preisen für Hightech-Dächer, dreilagige Stoffverdecke und allem Pipapo. Ein Heidengeld stecken die Leute in ein paar Stunden offenen Fahrspaß, warum sollten sie da nicht den sparsamsten Motor wählen?

Davon abgesehen, der Diesel passt zum Offenfahren wie die Welle zum Surfbrett: Man gleitet auf seiner dicken Drehmoment-Woge, mit Schub ohne Ende genau dort, wo die Drehzahlnadel meist herumstreicht: unten. Wer will denn im Cabrio (ich rede nicht vom Roadster oder Spyder) sportlich angasen? Dafür zittert der Offene zu sehr, da nehm' ich ein Coupé. Nein, wenn der Fahrtwind den Stress aus dem Kopf bläst, kriegt auch der Gasfuß Ruhe. Die Zeiten ändern sich halt. Heute trinken wir Rotwein zum Fisch, tragen Blau zu Braun, hören Mozart in der Boutique. Und fahren Diesel im Cabrio.

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