Cadillac CT6 3.6 AWD (2016): Fahrbericht

Cadillac CT6 3.6 AWD (2016): Fahrbericht

— 02.06.2016

S-Klasse-Gegner aus Detroit

In der Luxusklasse führt weltweit an Mercedes S-Klasse und 7er BMW kein Weg vorbei. Cadillac will mit dem CT6 gegen sie antreten. Fahrbericht!

Video: Cadillac CT6 auf der NYIAS 2015

Neue Oberklasse-Limousine

Auf dem europäischen Markt spielen die Cadillac-Modelle klassenübergreifend eine kaum wahrnehmbare Nebenrolle. In den USA sieht das ganz anders aus: Für viele Amerikaner ist der edelste aller General-Motors-Ableger die Krone hiesiger Automobilkunst. Neben dem charismatischen Über-SUV Cadillac Escalade ist die Luxuslimousine CT6 als neues Topmodell der Marke ein ernsthafter Konkurrent für die europäischen und asiatischen Luxuslimousinen. Ob sich die deutschen Konkurrenten wie BMW 7er, Mercedes S-Klasse und der kommende Audi A8 jedoch Gedanken über abtrünnige Kunden machen werden, wenn der Cadillac CT6 2017 auch nach Europa kommt, muss bezweifelt werden – es fehlt schlicht an Image und das ist in der ersten Liga Kaufgrund Nummer eins.
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Markant: Das Heck des CT6 sticht hervor und wirkt typisch amerikanisch.

Dabei hat der CT6 allemal europäische Qualitäten und dürfte insbesondere den Luxusmodellen in der zweiten und dritten Reihe wie Jaguar XJ, Lexus LS oder Maserati Quattroporte Kopfschmerzen bereiten. Denn gerade im Vergleich zum wenig überzeugenden Vorgänger Cadillac XTS haben die Nordamerikaner ihre Hausaufgaben beim CT6 gemacht. Technisch ist der CT6 bei weitem nicht so massig, wie er auf den ersten Blick anmutet. 62 Prozent der Karosserie bestehen aus Aluminium; das spart wertvolle Zentner. Mit einem Gewicht von nicht einmal 1,7 Tonnen ist das Basismodell Cadillac CT6 2.0 T rund 500 Kilogramm leichter als die leichteste Mercedes S-Klasse – trotz einer hochsteifen Karosserie. Das geringe Gewicht merkt man dem Cadillac-Topmodell im Fahrbetrieb sofort an. Auch wenn er als Allradversion mit dem schwersten Triebwerk, einem 3,6 Liter großen V6-Saugmotor, rund zwei Zentner mehr auf die Waage bringt, macht sich die Gewichtsreduktion gerade bei flott gefahrenen Passagen mit Kurven, aber auch beim Beschleunigen und Bremsen bemerkbar. Kein Vergleich zum Vorgänger XTS, der als Fronttriebler mit optionalem Allradantrieb im Grenzbereich mächtig über die Vorderachse schob und mit spürbaren Wankbewegungen nervte, wenn es engagierter wurde.

Cadillac CT6 (NYIAS 2015): Sitzprobe

Cadillac CT6 Cadillac CT6 Cadillac CT6

Der 3,6-Liter-Sechszylinder läuft ruhig

Stolzer Auftritt: Der V6-Sauger sprintet in gut sechs Sekunden von Tempo 0 auf 100.

Zur guten Fahrdynamik tragen nicht zuletzt der empfehlenswerte Allradantrieb und die optional mitlenkende Hinterachse bei, die den 5,18 Meter langen Cadillac eine Klasse kleiner erscheinen lassen. Nicht ganz überzeugen kann hingegen die Lenkung. Die ist zwar nicht derart indirekt wie zu vergangenen Zeiten, könnte jedoch deutlich mehr Rückmeldung von der Fahrbahnoberfläche vermitteln. Über einen Schalter lassen sich verschiedene Fahrmodi ansteuern, die nicht nur Motorelektronik, Lenkung, Dämpfer und die Abstimmung der achtstufigen Getriebeautomatik beeinflussen, sondern auch die Kraftverteilung verändern. Liegt diese im Normalbetrieb (Tour) bei 40:60 zugunsten der Hinterachse, werden im Sportmodus 80 Prozent der Leistung nach hinten gebracht. Im Schnee- und Eismodus ist die Kraftverteilung für maximalen Vortrieb dagegen ausgeglichen 50:50. Der 3,6 Liter große Sechszylinder mit seinen 250 kW/335 PS ist gewohnt laufruhig und dabei nicht zuletzt 385 Nm bei 5300 U/min eher souverän als sportlich. 0 auf Tempo 100 schafft der Allradler in rund sechs Sekunden und von den möglichen 250 km/h Höchstgeschwindigkeit können die Amerikaner auf den eigenen Highways nur träumen. Immerhin sichern die Überlandstraßen einen Realverbrauch von knapp elf Litern.
Vorstellung: Das ist der Cadillac CT6

Das Design imponiert

Leder, Holz, Carbon und ein 10,2 Zoll großer Touchscreen dominieren den Innenraum.

Wenig überraschend präsentiert sich das Design im bekannten Cadillac-Look. Ein Blick und es steht fest: Zurückhaltung ist die Sache des gebürtigen Detroiters nicht. Die gewaltige Front mit dem spektakulären Kühlergrill und den messerscharf geschnittenen LED-Lichteinheiten macht nicht nur im Rückspiegel Angst, sondern imponiert zusammen mit Seiten- und Heckansicht auch auf dem Parkplatz. Selbst an der amerikanischen Westküste, bekannt für ihre Öko- und Luxusgeneigtheit, werden Handykameras gezückt und sich die Nase an der geräuschdämmenden Doppelverglasung plattgedrückt. Der Innenraum präsentiert sich nicht nur aufgrund des langen Radstandes von 3,11 Metern ebenso amerikanisch wie das Außendesign. Die weichen Ledersitze sind vorne wie hinten bequemer denn je.

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Ein Bildschirm als Innenspiegel – das ist neu

Für die Klasse üblich sind die digitalen Instrumente im CT6.

Die Instrumente sind klassenüblich komplett animiert und mit etwas Eingewöhnungszeit hat man seine Wunscheinstellung für die Anzeige wichtiger Inhalte gefunden. Schwieriger sieht es mit dem Multimediabildschirm in der Cockpitmitte aus, über den sich Soundsystem, Navigation, Webzugang und zahlreiche andere Funktionen darstellen lassen. Die Bedienung per Touchfunktion ist alles andere als selbsterklärend und bisweilen umständlich. Als erstes Fahrzeug überhaupt verfügt der Cadillac CT6 über einen Innenspiegel in Form eines Bildschirmes. Das Sichtfeld hinter der Luxuslimousine vergrößert sich so auf stattliche 300 Prozent im Vergleich zu einem normalen Spiegel. Rundum gibt es weitere Kameras für besten Überblick. Für angenehmen Sound im Innern sorgen insgesamt 34 Lautsprecher. Zwei von ihnen sind dezent inszeniert in den vorderen Kopfstützen untergebracht und wirken so tiefgründig auf Fahrer und Beifahrer ein. Keine Ablenkung, sondern schlichter Hörgenuss im dritten Jahrtausend.
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Assistenzsysteme auf dem Niveau der Konkurrenz

Bei den Fahrerassistenzsystemen liegt der Cadillac CT6 auf dem Niveau der Konkurrenz. Von Totwinkelerkennung über Spurhalteassistent, Abstandstempomat oder Notbremsassistent ist alles an Bord. Die Komfortausstattung lässt je nach Ausstattungsgrad (Luxury, Premium Luxury und Platinum) sowieso keinerlei Wünsche offen. Beim Gepäck muss man sich mit dem 433 Liter großen Laderaum jedoch etwas zurückhalten.

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Der CT6 ist ab rund 50.000 Euro zu haben

Extrem bequem ist das Gestühl, sowohl vorne als auch im Fond.

In den USA ist der Cadillac in drei Motorvarianten zu bekommen. Volumenmodell ist der CT6 3.6 AWD, über dem ein 294 kW/400 PS starker Dreiliter-Turbo-V6 – ebenfalls mit Allradantrieb – rangiert, der insbesondere für Europa interessant sein dürfte. Das Basismodell mit dem zwei Liter großen Vierzylinder mit 198 kW/265 PS dürfte wohl eher etwas für die diesbezüglich wenig anspruchsvollen Märkte in Asien etwas sein. Preislich geht es in den USA mit dem Cadillac CT6 2.0 T zu einem Kampfpreis von 54.500 Dollar (48.900 Euro) los. Der 3,6 Liter große CT6 Allrad bietet mit 56.500 Dollar jedoch deutlich mehr Auto fürs Geld und das bessere Paket. Die Topvariante des 400 PS starken Cadillac CT6 3.0 T AWD startet – besser ausgestattet – bei 65.400 Dollar (56.700 Euro).
Technische Daten Cadillac CT6 3.6 AWD, Stand 2.6.2016
Hubraum: 3649 ccm; Motor: V6-Saugmotor; Leistung: 250 kW / 335 PS; Max. Drehmoment: 385 bei 5300 U/min; Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h;
Gewicht: 1789 kg; Laderaum: 433 Liter; Getriebe: Achtstufenautomatik / Allradantrieb

Autor: Stefan Grundhoff

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