Cadillac CTS: Die E-Klasse aus Amerika

Cadillac CTS 3.2 V6 Cadillac CTS 3.2 V6

Cadillac CTS: Die E-Klasse aus Amerika

— 11.04.2003

Gut genug für Germany?

Der CTS ist besser als Mercedes-Benz und BMW – frohlockt Entwicklungschef Bob Lutz. AUTO BILD hat den Caddy gefahren – und einige Zweifel daran.

Weg vom Möchtegern-Image

"Wir werden nicht eher aufhören, bis Cadillac wieder der Maßstab der Auto-Welt ist." Eine mutige Ansage von Bob Lutz, dem Entwicklungs-Chef des weltgrößten Automobilkonzerns General Motors (GM). Er weiß: Tradition verpflichtet. Schließlich steht der Name Cadillac seit Generationen für Amerikas Automarke Nummer eins.

Doch davon ist der Nobelhersteller heute weit entfernt. Die Qualität hinkt dem Möchtegern-Image hinterher, das Durchschnittsalter der Käufer liegt jenseits der 60. Wer in den USA etwas auf sich hält und genügend Geld hat, kauft Mercedes-Benz, Audi oder BMW.

Mit dem CTS soll nun alles anders werden. Die Marke will jugendlicher, dynamischer, sportlicher auftreten. Cadillac selbst nennt den CTS "Sportlimousine". Tatsächlich ist der CTS mit 4,83 Meter Länge für amerikanische Maßstäbe erstaunlich kompakt. Und das kommt an. Zumindest in den USA. 2002 verkaufte Cadillac über 38.000 Exemplare. In ganz Europa sollen es dieses Jahr rund 10.000 werden.

Design sticht aus der Masse heraus

Die Rechnung könnte aufgehen, zumal es nie günstiger war, einen Caddy zu fahren. Die 181-PS-Variante mit 2,6-Liter-V6 kostet ab 35.800 Euro, das Topmodell mit 3,2-Liter-V6 und 218 PS gibt es ab 37.300 Euro.

Direkte Gegner haben die Amerikaner offiziell nicht im Visier. Auch wenn der CTS von der Größe her auf die E-Klasse, den Fünfer-BMW oder auf den Audi A6 trifft, weiß Cadillac sehr wohl, dass sie gegen die deutsche Oberklasse keine Chance haben. So sehen sie den CTS denn auch mehr als Auto für Individualisten, ähnlich wie Lancia mit seinem Thesis.

Ähnlich provokativ ist auch das Design: kantig, hohe Schultern, große, senkrechte Scheinwerfer und Rückleuchten. Der CTS sticht aus der Masse heraus, wirkt muskulös, ja, auch durchaus dynamisch.

Innen fehlt die Liebe zum Detail

Im Cockpit verließ die Designer dann der Mut. Zwar sorgen die Analog-Anzeigen im Chronographen-Look für sportliche Atmosphäre, insgesamt jedoch wirkt das Armaturenbrett trist. Es fehlen – ganz gegen alte Cadillac-Tradition – ein wenig Chrom und Liebe zum Detail. Auch bei der Auswahl der Materialien hätten wir uns mehr Feingefühl gewünscht. Die Kunststoffoberflächen sind bisweilen zu hart (unterer Armaturenträger, Türverkleidungen) und eines Cadillac nicht würdig. Trotz E-Klassen-Größe außen wirkt der CTS innen wesentlich enger. Was nicht schlecht sein muss, der sportliche Charakter bleibt dadurch gewahrt.

Noch besser wäre es allerdings, wenn auch Motor und Antrieb diesem Anspruch gerecht werden würden. Zwar liefert der 3,2-Liter-V6 mit seinen 218 PS und 300 Newtonmeter Drehmoment auf dem Papier gute Werte, doch sportliches Feeling will nicht so recht aufkommen, zumindest nicht, wenn ein Automatikgetriebe an Bord ist. Wenn man spontan Leistung fordert, wirkt der Sechszylinder angestrengt und klingt teilweise hart.

Erstmals seit über 20 Jahren kann in einem Cadillac auch wieder von Hand geschaltet werden. Das Fünfganggetriebe stammt vom deutschen Hersteller Getrag. So gerüstet, lässt sich der CTS wesentlich agiler bewegen. Besonders für die kleine Motorisierung empfiehlt sich die manuelle Schaltbox.

Fahrwerk und Ausstattung

Entwicklungshilfe leistete auch der Nürburgring. Tausende von Test-Kilometern spulten die GM-Ingenieure mit dem CTS auf der Nordschleife ab. Danach tönte Bob Lutz: "Der CTS schlägt in Sachen Straßenlage und Fahrdynamik jede andere Sportlimousine, alle BMW der 3er und 5er-Serie sowie die Mercedes-Benz C-Klasse."

So weit die graue Theorie. Die Praxis zeigt: Zwar ließ sich ein Cadillac nie sportlicher bewegen, doch an die Fahrwerkqualitäten eines 3er-BMW reicht der Amerikaner nicht heran. Auch die Lenkung ist noch zu indirekt. So verleitet der CTS einmal mehr zum "American Way of Drive", zum komfortbetonten Cruisen, so europäisch er sich auch gibt.

Typisch amerikanisch hingegen ist die üppige Ausstattung. Sechs Airbags, Klimatisierungsautomatik, elektrische Sitze und Fensterheber, Sitzheizung, geteilt umlegbare Rücksitzlehnen, Tempomat, Zentralverriegelung und eine Bose-Hi-Fi-CD-Anlage sind serienmäßig. Gegen Aufpreis können Schiebedach (1230 Euro), Automatikgetriebe (1200 Euro) und ein DVD-Navigationssystem (2990 Euro) geordert werden. Eine DVD deckt dabei ganz Europa ab, und das Gerät erlaubt zusätzlich das Abspielen von DVD-Filmen. Wer das Luxus-Sport-Paket für 3100 Euro wählt, erhält neben ESP (heißt bei Cadillac StabiliTrak) auch Leder, Holzdekor, Xenon-Scheinwerfer und 17-Zoll-Aluräder mit 225er-Reifen.

Technische Daten im Überblick

All dies wird das künftige CTS-Topmodell, das vermutlich im nächsten Jahr zu uns kommt, serienmäßig an Bord haben. Unter der Haube blubbert dann wieder vertraute amerikanische Technik, der "Smallblock-V8" aus der Corvette, 5,7 Liter groß und 350 PS stark. So gerüstet, steht dann zwar der Bezeichnung Sportlimousine nichts mehr im Wege; dass Cadillac damit allerdings schon den Maßstab der automobilen Welt definiert, ist doch eher unwahrscheinlich.

Technische Daten Sechszylinder-V-Motor • vier Ventile pro Zylinder • DOHC • Bohrung x Hub 87,5 x 88 mm • Hubraum 3175 cm3 • Leistung 160 kW (218 PS) bei 6000/min • maximales Drehmoment 300 Nm bei 3400/min • Heckantrieb • Fünfgangautomatik • Doppelquerlenker-Achse vorn • Multilink-Einzelradaufhängung hinten • innenbelüftete Scheibenbremsen, Reifen 255/55 R 16 • Leichtmetallfelgen 7x16 • Kofferraum 420 Liter • Tankinhalt 68 Liter • Länge 4828 mm, Breite 1795 mm, Höhe 1441 mm • Leergewicht 1728 kg • Zuladung 397 kg • Beschleunigung 0–100 km/h 7,7 s • Höchstgeschwindigkeit 230 km/h • Verbrauch-Mix 11,7 Liter Super • Schadstoffklasse Euro 3 • Preis 38.500 Euro

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