Cadillac CTS-V EU-Version (2015): Fahrbericht

Cadillac CTS-V EU-Version (2015): Fahrbericht

— 26.10.2015

Der V8 kennt keine Grenzen

Die Amis krallen sich jetzt die linke Spur. Mit seinem 649 PS starken V8 zieht der Cadillac CTS-V an der Konkurrenz vorbei.

Sorgt für Abtrieb: Das Aerodynamikpaket (3900 Euro) mit Heckspoiler, Carbon-Frontsplitter und -Heckdiffusor.

Platz da, der Cadillac CTS-V kommt und hat eingebaute Vorfahrt. Mit einem Spitzentempo von 320 km/h setzt er auf der Autobahn hinter BMW M5, Mercedes-AMG E 63 und Audi RS 6 den Blinker. Die Deutschen erlauben ihren Kampf-Limousinen maximal 305 km/h. Da pfeift beim CTS-V noch einmal der Kompressor und schon zieht der V8-Bolide an der Konkurrenz vorbei. Und es soll bloß keiner denken, dass die hohe Geschwindigkeit mit dem Ami einem Himmelfahrtskommando gleicht. Als Fahrer hat man die 1,9 Tonnen schwere Limousine im Griff und schenkt ihr auch bei diesem Tempo noch Vertrauen. Dank eines ausgeklügelten Aerodynamikpakets (3900 Euro) mit Heckspoiler, Carbon-Frontsplitter und -Heckdiffusor, sowie weiteren serienmäßigen Abtriebsmaßnahmen am Unterboden, drückt es den CTS-V vehement auf die Straße. Dadurch wird der Hochgeschwindigkeitsritt zu einer stabilen Angelegenheit. Die direkte ZF-Servolenkung hält das Schiff präzise auf Kurs, während spezielle Michelin-Reifen mit einer weichen Laufflächen-Mitte für den nötigen Grip sorgen.

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Beeindruckend, wie dem 6,2 Liter großer kompressorbeatmeten V8 (aus der Corvette) nach oben raus einfach nicht die Kraft ausgehen will. Darf's bei Tempo 260 noch ein bisschen mehr sein? Gaspedal bis zum Anschlag, Drehzahlnadel auf 6000 Umdrehungen und wieder pfeift der Kompressor den Motor auf den Plan. Der lässt mit seinen 649 PS und 855 Newtonmetern Drehmoment die Hinterachse noch schneller rotieren und schon macht der CTS-V einen Satz nach vorne.
Hintergrund: Cadillac bis 2020
Nach dem Rückzug von Chevrolet in Europa, ist nun Cadillac am Zuge. Als Premium-Marke soll der amerikanische Hersteller oberhalb von Opel/Vauxhall positioniert werden. Dazu müssen die Modelle von Übersee auch hier funktionieren. Damit das gelingt, wurden 12 Milliarden Euro vom Mutterkonzern General Motors (GM) bewilligt. Ein Teil davon fließt in die Entwicklung von modernen Diesel- und Elektroantrieben. Außerdem müssen Händlernetze und acht neue Modelle finanziert werden, die Cadillac bis 2020 auf den Markt bringen will. Und so geht es weiter: Nach CTS und ATS folgen CT6 und das SUV XT5, der Premiere auf der Dubai Motor Show (Mitte November 2015) hat. Außerdem sind je ein Modell unterhalb des ATS sowie des XT5 geplant. Das Image von Cadillac beschreibt auch zugleich die Strategie: klein, aber fein.
So fährt die US-Version des CTS-V

ESP und elektronisches Sperrdifferenzial sorgen dafür, dass keines der Räder aus der Reihe tanzt und die Limousine auf Abwege bringt. Laut Cadillac ist der CTS-V mit seinem Hinterradantrieb in 3,7 Sekunden auf Tempo 100. Einen BMW M5 hätte er da bereits mit 0,6 Sekunden Abstand hinter sich gelassen. Da fragt man sich, was die Bayern den Amis getan haben? Zumindest beim Verbrauch hängt der CTS-V mit mindestens 13 Litern wieder hinterher. 

Fahrbericht Cadillac ATS-V Limousine (2015)

Mindestens 98.500 Euro sind fällig

In 3,7 Sekunden soll die 1,9 Tonnen schwere Limo auf Tempo 100 sein.

Anders als sein kleiner Bruder ATS-V (den wir ebenfalls gefahren sind) hat der CTS-V eine gut wahrnehmbare Spreizung zwischen den vier Fahrmodi. Im Komfort-Modus "Tour" werden die Dämpfer angenehm weich und halten Straßenunebenheiten von den Insassen fern. Sicherlich profitiert der CTS-V hier auch von seinem 2,91 Meter langen Radstand, der Hindernisse besser schluckt als der ATS-V mit 2,78 Metern. Außerdem hat der CTS-V alles serienmäßig an Bord, was es für Reisen in der Businessklasse braucht: Von 20-fach einstellbaren Sportsitzen bis hin zu Apple CarPlay ist alles dabei. An den Warnsensor im Fahrersitz, der bei Gefahr vibriert, mussten wir uns schon beim normalen CTS gewöhnen. Clever ist die Kamera über dem teuren Carbon-Frontsplitter, die beim Einparken anzeigt, wie viel Platz die Lippe noch bis zum Bordstein hat. Anders als bei der Konkurrenz, die mit Optionen schnell bei 150.000 Euro landet, gibt es den CTS-V für 98.500 Euro nahezu mit Komplettausstattung. Trotz Abstrichen bei Materialien und Verarbeitung bietet die Limousine viel Komfort. Und um den zu genießen, muss die Tachonadel auch nicht auf 320 zeigen. Also, die vorne 390 Millimeter und hinten 365 Millimeter großen Brembo-Bremsen zuschnappen lassen, das Tempo drosseln und gemütlich dahincruisen. Das konnten die Amis auch schon vorher richtig gut.

Technische Daten Cadillac CTS-V EU-Version 6,2-Liter-V8-Kompressor, vorn längs ● 8-Gang-Automatik ● Hubraum: 6162ccm ● Leistung: 477 kW (649 PS) bei 5850 U/min ● max. Drehmoment: 855 Nm bei 3500/min ● Antriebsart: Hinterradantrieb ● Vmax: 320 km/h ● 0-100 km/h: 3,7 s ● Verbrauch: 13,0 Liter ● Abmessungen L/B/H: 5021/1863/1447mm ● Leergewicht: 1850 kg ● Kofferraum: 295 l ● Preis ab 98.500 Euro ● Marktstart März 2016.
Robin Hornig

Fazit

Der Preis für den Cadillac CTS-V mag auf den ersten Blick unverschämt hoch wirken. Doch im Verhältnis zur Konkurrenz bietet die Limousine ein sattes Paket ab Grundpreis. Und beim Pfeifen des V8 vergisst man auch, dass das Alcantara am Lenkrad unschöne Falten hat.

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