Carglass in der Kritik

Steinschlagreparatur Stephan Schweda

Carglass in der Kritik

— 22.06.2012

Austausch oft überflüssig?

Mit kostenloser Glasreparatur lockt Carglass seine Kunden. Doch in den meisten Fällen wird die Scheibe kostenpflichtig getauscht. Viel zu oft, meinen Experten. Sie beklagen Panikmache durch den Branchenprimus.

Die TV- und Radiowerbung von Deutschlands größtem Autoglaser ist omnipräsent: "Ein Schlagloch, und Ihre Scheibe kann reißen." Mit Erfolg: Allein 2011 strömten 800.000 Kunden in die 250 Carglass-Filialen, um auch kleinste Steinschläge in der Windschutzscheibe reparieren zu lassen. Schließlich ist die Glasreparatur, bei der Schäden in der Scheibe mit einem durchsichtigen Harz verschlossen werden, für teil- oder vollkaskoversicherte Autos kostenlos. So weit die Theorie. In der Praxis kommt es dazu selten. Bei rund zwei Drittel aller Fälle wechselt Carglass die Frontscheibe komplett aus. Denn: Der Bereich, in dem eine Reparatur technisch möglich und auch erlaubt ist (nicht zu nah am Rand, nicht im Sichtfeld des Fahrers), ist eher klein. Zudem ist der für Carglass deutlich lukrativere Austausch der Scheibe für den Autofahrer nicht kostenlos, er zahlt zumindest seine Selbstbeteiligung, üblicherweise zwischen 150 und 500 Euro.
Anzeige

Werkstattsuche

Finden Sie die passende Werkstatt

  • Preise vergleichen
  • Kundenbewertungen ansehen
  • Termine online buchen

Mehr Infos: So beheben Sie Schäden an Lack und Glas

Für Versicherte kostenlos, für Versicherer allmählich teuer: eine Glasreparatur mit Harz.

Das Vorgehen des Branchenriesen kritisierte kürzlich der Bundesverband der Autoglaser in der "FAZ": "Carglass hat den Leuten eingeredet, dass jeder kleine Steinschlag sofort repariert werden muss. Die Werbung fördert beim Autofahrer die Angst." Und das sehr erfolgreich. Als Carglass 2009 begann, auch im Fernsehen zu werben, sei die Zahl der den Versicherern gemeldeten Glasschäden um 212.000 gestiegen, die Kosten für die Regulierung um 98 Millionen Euro, so Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Nun überlegen viele Kfz-Versicherer, die kostenlose Scheibenreparatur wieder abzuschaffen, um Autofahrer davon abzubringen, wegen kleinster Einschläge zu Carglass und Co zu rennen.

Übersicht: Alles zum Thema Autoreparatur und Versicherung

Bleibt die Frage: Muss überhaupt jeder Steinschlag repariert werden? AUTO BILD-Leser Sven Seifert wartet bereits seit zwei Jahren auf den "Carglass-Riss", nachdem ein Steinchen in seine Frontscheibe einschlug und ihn zunächst in Panik versetzte. Auch Leser Werner Tiedemann erkannte, dass Steinschlagschäden oft nicht so brisant sind, wie es die Carglass-Werbung weismachen will. Als der Autoglaser ihn vehement zum Austausch der Scheibe drängte, fuhr Tiedemann zum TÜV. Kommentar des Prüfers zum Schaden: "Lächerlich!" Entsprechend eindeutig fällt der Rat unabhängiger Experten aus: Solange sich der Steinschlag nicht im Sichtfeld vor der Nase des Fahrers befindet oder solange nicht bereits ein Riss entstanden ist – Ruhe bewahren und die Werbung ignorieren!

Ärger mit dem Auto? Zum Kummerkasten von autobild.de

Autor: Hendrik Dieckmann

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

 
Zur Startseite