Carmen-Premiere bei VW

Carmen-Premiere bei VW Carmen-Premiere bei VW

Carmen-Premiere bei VW

— 28.10.2002

"Eine sehr dichte Sache"

Umjubelte Premiere vor ausverkauftem Haus: "Carmen – eine Version" begeisterte das Publikum in der Gläsernen Manufaktur Dresden.

470 begeisterte Zuschauer

Im Moment des Triumphes werden wahre Künstler still. "Es war eine sehr dichte Sache, eine gelungene Inszenierung." Viel mehr sagte Harry Kupfer nicht, als er sich nach dem minutenlangen Schlussapplaus in die Bar der Gläsernen Manufaktur trollte, um in Ruhe eine Pfeife zu rauchen. Und um den Statisten zu gratulieren, die an den Nebentischen die ersten Radeberger zischten. "Das habt ihr toll gemacht."

Mit fünfminütiger Verspätung hatte sie begonnen, die Premiere von "Carmen – eine Version". Zwei Stunden verwandelten mehr als 100 Künstler die Gläserne Manufaktur, VWs Phaeton-Produktionsstätte in Dresden, in eine Opernbühne. Die räumliche Möglichkeiten bietet, von denen "echte" Opernhäuser meist nur träumen können: Treppen, Brücken und Foyer mit eingerechnet, standen Opernregisseur Harry Kupfer mehr als zehn Ebenen zur Verfügung, um Georges Bizets Liebes-Klassiker in völlig neuer Umgebung zu inszenieren.

"Eine Version", die mehr als geglückt ist. Die Akustik war angesichts der verwinkelten, modernen Architektur famos, Tenor Douglas Nasrawi ("Don José") und vor allem Hauptdarstellerin Ulrike Helzel ("Carmen") beeindruckten. Schlappe fünf Wochen hatten die insgesamt rund 250 Beteiligten Zeit, um mit dem ersten großen Auftritt nach der Flutkatastrophe den Dresdner Kulturbeflissenen und nicht zuletzt sich selbst Gutes zu tun. Als Flutopfer vorübergehend zur künstlerischen Untätigkeit verurteilt, statt wie gewohnt vor ausverkauften Rängen zu begeistern, hungerten sie nach Anerkennung und Beifall.

Zwei Welten unter einem Dach

Dementsprechend motiviert spielten sie in der vorübergehenden Ersatzlocation auf: Schon die Eröffnungsszene ließ jeden Zweifel an dem Experiment verfliegen. Das rund 50-köpfige Orchester, rechts von der Bühne platziert, wirbelte unter der Leitung von Massimo Zanetti los, als gälte es, auch die umliegenden Plattenbauten mit Musik zu versorgen. Binnen Sekunden fluteten die Akteure aus allen möglichen Räumen, Gängen und Treppen die Szenerie, das Forum der Manufaktur.

Auch VW-Produkte wirken mit: Ein Phaeton bringt Torero Escamillo im ersten Akt zur "Arena", in einem VW-Bulli wird im zweiten Akt das Diebesgut der Räuber verstaut – Ersatzteile von VW, Reifen, sogar Phaeton-Stoßfänger. Ab und zu verwirrte Blicke der Zuschauer nach hinten, dann hat der Lastenaufzug gerade wieder einen Motorblock zur Fertigungslinie gebracht. "Es ist überaus spannend, in der Gläsernen Manufaktur zwei so unterschiedliche Welten wie die der Oper und der Automobilproduktion zusammen zu führen. Aber die heutige Vorstellung hat gezeigt, dass beide Welten hervorragend zueinander passen", sagte VW-Boss Bernd Pischetsrieder, der mit seiner Frau zur Premiere gekommen war.

Initiiert wurde das zweistündige Spektakel von Prof. Jürgen Hubbert, Mister Mercedes-Benz und Pkw-Vorstand von DaimlerChrysler, dem Hauptsponsor der Semperoper. "Ein fantastisches Ereignis an einem fantastischen Ort", sagte er bei seiner Rede nach der Aufführung. "Ich hätte mir zwar gewünscht, dass Escamillo in der Anfangsszene in einer S-Klasse vorgefahren wird…" Aber soweit ging die Liebe dann doch nicht. Der automobile Part blieb dem Phaeton vorbehalten.

Die weiteren Termine • 28.10. • 30.10. • 1.11. • 4.11. • 6.11. • 8.11. • 10.11. • 12.11. • 15.11. • 20.11. • 22.11. • Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Adresse: Gläserne Manufaktur, Lennéstraße 1, 01069 Dresden.

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