Tachotrickser

"Carpass" gegen Tachotrickser

— 01.12.2011

Kilometerstand im Internet

Der ADAC schätzt, dass jeder dritte Gebrauchte mit gefälschtem Tachostand verkauft wird. Das Unternehmen "CarPass" hat was dagegen: eine Datenbank für Kilometerstände.

In Deutschland geht die erste Datenbank zur Erfassung von Kilometerständen an den Start. Das Bochumer Unternehmen CarPass (www.kmabfrage.de) hat dazu ein Netz von Händlern aufgebaut, bei denen Fahrzeugbesitzer freiwillig den Tachostand ihres Fahrzeugs dokumentieren lassen können. Ziel ist, Manipulationen zu erschweren. Hintergrund sind erschreckende Zahlen des ADAC. Der Autoklub schätzt, dass jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland mit einem gefälschten Tachostand verkauft wird. Der volkswirtschaftliche Schaden liegt bei rund sechs Milliarden Euro jährlich.

Reportage: Tachotrickser heimlich gefilmt

Video: Tachotrickser

So arbeiten Tachotrickser

Wie einfach ein Tacho zu manipulieren ist, zeigt ein Test von AUTO BILD mit versteckter Kamera (siehe Video). Der ADAC begrüßt Datenbanken wie CarPass, gibt allerdings zu bedenken, dass es sich nur um eine Übergangslösung handeln könne. "Das Problem muss in erster Linie von technischer und rechtlicher Seite angegangen werden", sagt Claudia May, Referentin für Verbraucherschutz beim ADAC. Durch eine solche Datenbank-Lösung dürfen die Fahrzeughersteller nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden, so May weiter.

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Tatwerkzeug: "Grundsätzlich ist jede Technologie früher oder später manipulierbar", sagen die Autohersteller.

Die Hersteller jedoch mauern. Auf AUTO BILD-Anfrage räumen sie zwar ein, dass ein manipulationssicherer Tacho für rund zwei Euro mehr möglich sei – trotzdem sei er für die Großserie zu teuer. Ford gibt sogar zu, vor den Kilometertricksern kapituliert zu haben. "Grundsätzlich ist jede Technologie, also auch ein Tacho, früher oder später manipulierbar", heißt es. Auch die Politik hält sich bedeckt. Um wie in anderen europäischen Ländern eine verpflichtende Datenbank aufzubauen, müsste das Datenschutzgesetz geändert werden. Die notwendige Fahrgestellnummer gilt als persönliche Information.

An die entsprechende Änderung traut sich die Bundesregierung offenbar nicht heran. Während sich das Verbraucherschutzministerium für nicht zuständig hält, hat das Bun desverkehrsministerium zumindest den Nutzen eines Auto-Lebenslaufs erkannt. Staatssekretär Andreas Scheuer (CSU) erklärte früher gegenüber AUTO BILD, dass er die Einführung einer allgemeinen Fahrzeughistorie, losgelöst von Halterdaten, in Deutschland begrüßen würde. Passiert ist seit einem Jahr nichts, eine Anfrage über den aktuellen Stand blieb unbeantwortet. In Belgien sind seit der Einführung einer gesetzlich vorgeschriebenen Kilometerhistorie 2005 die Manipulationen um 90 Prozent zurückgegangen.

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