Caterham Seven 275 S (2016): Fahrbericht

Caterham Seven 275 S (2016): Fahrbericht

— 13.05.2016

Hallo Fahrspaß!

Kein ESP, kein ABS, keine Servo. Dafür 136 PS bei 540 Kilogramm. Das sind die Fakten zum Caterham Seven 275 S. Aber kann die Flunder auch Alltag?

Fangfrage: Woran erkennt man einen Caterham-Neuling? Richtig, am fehlenden Cap! Trotz starrer Frontscheibe ist der Sonnenbrand für die Insassen beim Caterham Seven 275 S genauso weit entfernt, wie die Piloten vom Asphalt. Und was bedeutet die 275 beim Caterham Seven? Die Zahl in der Modellbezeichnung steht beim britischen Kleinserienhersteller stets für die Leistung in PS pro Tonne. Also kurz mit dem klassischen Dreisatz nachgerechnet: 136 PS bei 540 Kilo Leergewicht. Macht rund 252 PS pro Tonne. Gut, leicht gemogelt. Aber Caterham Seven 252 S klingt natürlich auch nicht so gut und an Leistung mangelt es definitiv nicht.
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Beim Einsteigen die erste Überraschung: Hier ist ja richtig Platz! Das liegt am SV-Chassis und den "lowered floors" unseres Testwagens von Westsidecars. Bedeutet: Die Fahrgastzelle ist länger und breiter und die Sitzposition wurde noch weiter nach unten verlegt. Das kommt nicht nur der Kopffreiheit, sondern auch dem Fahrzeugschwerpunkt zugute. Wer also über 1,80 Meter groß ist, sollte die gut 3500 Euro Aufpreis für die Komfort-Optionen einplanen. So passen auch Fahrer über 1,90 noch bequem in den Seven. Nervig: Die Stecktüren stoßen beim Öffnen gegen die Außenspiegel und erschweren so das Einsteigen. Einfachste Lösung: Türen raus! Die meisten Caterham-Besitzer tauschen zudem das Rückspiegel-Gerüst schnell gegen kleinere Motorrad-Pendants aus.

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Je schneller, desto besser

Caterham steht drauf, Ford steckt drinnen. Der 1,6-Liter-Vierzylinder ist ein klassischer Sauger mit 136 PS. Das reicht bei 540 Kilo!

Zum Starten einfach Zündung an, mit dem kleinen Transponder am Schlüssel die Wegfahrsperre aufheben und den roten Startknopf rechts vom Lenkrad drücken. Nach ein paar Umdrehungen ist der 1,6-Liter-Vierzylinder voll da. Die Kupplung des manuellen Fünfgang-Getriebes hat einen festen Druckpunkt und ist gut zu dosieren. Anfahren? Kein Problem! Bei niedrigen Geschwindigkeiten erfordern Bremse (ohne ABS) und Lenkung (keine Servo) etwas Eingewöhnung, nach wenigen Kilometern passt aber alles. Der Caterham Seven 275 S funktioniert eben besser, je schneller man fährt.

Der Caterham marschiert vorwärts

Den Seven 275 gibt es in drei Ausführungen: Standard, "S" und "R".

Das "S" in der Bezeichnung steht übrigens für das Ausstattungspaket (3749 Euro extra), das 15-Zoll-Felgen, eine verbreiterte Vorderradaufhängung und Teppiche beinhaltet. "S" könnte aber auch einfach schnell heißen. Nicht von den 136 PS irritieren lassen. Der kleine Seven marschiert vorwärts wie ein ganz Großer! 0 auf 100? Fünf Sekunden! Fühlt sich aber eher wie drei an. Den Schaltknauf mit eingraviertem "S" braucht man gefühlt nur anzuschauen und schon ist der nächste Gang eingelegt. Das ist die Definition von ultrakurzen und knackigen Schaltwegen. Wer schnell schaltet, erntet einen ordentlichen Nackenschlag. Das erinnert an das E-Gear-Getriebe früher Lamborghini Gallardo oder an das SMG3-Getriebe aus dem BMW M5/M6. Die Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h habe ich nicht getestet. Bei 170 km/h habe ich es aus Rücksicht auf mein Trommelfell gut sein lassen. Ohne Türen, wohlgemerkt.

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Grip, Grip und noch mehr Grip

Wie der Caterham Seven 275 S kurvt, ist schlicht phänomenal. Wo andere Autos schon im Grenzbereich sind, geht es mit dem Caterham gerade erst los. Jedes Mal wenn ich wirklich zügig in eine Kurve lenke und denke, mehr geht nicht, belehrt mich das Leichtgewicht eines Besseren. Die Kurvengeschwindigkeiten, die die 15-Zoll-Avon-CR500-Reifen zulassen, sind unglaublich. Und das Beste: Durch die freistehenden Räder kann der Fahrer den Caterham nicht nur punktgenau platzieren, sondern den Rädern beim Lenken zuschauen. Ein irres Gefühl.

Die Lenkung mit zwei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag ist super direkt. Auf der Autobahn reicht die kleinste Lenkbewegung zum Spurwechsel. Im Rückspiegel eines anderen Autos sieht der Caterham beim Fahrbahnwechsel aus, wie eine herumspringende Ameise. Dazu passen dann auch wieder die Rückspiegel, die wie Fühler von der Karosserie abstehen.

Alltag? Kein Problem!

Der Tankeinfüllstutzen ist beim Caterham hinten. So steht man immer an der richtigen Zapfsäule.

Was ist nun mit dem Alltag im Caterham? Vorweg: man sollte sich schon auf das Auto einlassen. Das ist natürlich kein Opel Astra. Nach knapp 800 Kilometern behaupte ich, der Caterham kann Alltag viel besser als die meisten Leute denken. Im Innenraum gibt es ausreichend Platz für zwei Erwachsene, die Ledersitze (Bestandteil des S-Pakets) bieten ordentlich Komfort, das Bilstein-Fahrwerk ist überraschend gut abgestimmt und der Seven hat sogar einen Kofferraum für einen kleinen Einkauf. Der Verbrauch geht in Ordnung. Selbst bei ordentlicher Landstraßen-Ballerei mit viel Vollgas-Anteil begnügt sich der Ford-Vierzylinder mit maximal elf Litern. Im Stadtverkehr sippt der Caterham nur rund acht Liter Super auf 100 Kilometer.

Caterham Seven 275 S (2016): Fahrbericht

Auspuff auf Kopfhöhe

Bedenken vor Autobahnfahrten sind völlig unbegründet. Nach kürzester Zeit gewöhnt man sich dran, dass der Kopf auf Auspuffhöhe der Lkw ist. Rein theoretisch könnte man mit dem Caterham auch einfach unterm Lkw durchfahren. Dazu reicht eine Lenkbewegung am Mousepad großen Lenkrad aus. Der Caterham macht also Spaß und kann bis zu einem gewissen Punkt auch Alltag. Bleibt abschließend nur noch die Frage: Was kostet er? Der nackte Caterham Seven 275 kostet beim Hamburger Händler Westsidecars 35.694 Euro. Der Testwagen inklusive SV-Chassis, Wetterpaket (Windschutzscheibe, Stecktüren und Roadsterverdeck) und Metallic-Lackierung liegt bei 47.446 Euro. Den Sonnenbrand gibt’s gratis.
Autor:

Jan Götze

Fazit

Der Caterham Seven 275 S ist ein atemberaubendes Auto (im wahrsten Sinne des Wortes), das nie negativ auffällt. Die Leute reagieren extrem interessiert und positiv auf das kleine Leichtgewicht. Solange es trocken ist und das Thermometer zweistellige Plusgrade anzeigt, ist der Caterham ein Auto für jeden Tag. Richtig Spaß macht der Seven natürlich bei Sonnenschein.

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