ChampCar-Meister Paul Tracy

ChampCar-Meister Paul Tracy ChampCar-Meister Paul Tracy

ChampCar-Meister Paul Tracy

— 12.11.2003

"Formel-1-Fahrer nicht besser als ich"

Paul Tracy (34) über seinen ersten Titelgewinn, sein Privatleben, seine Finanzen und die Fahrerkollegen in der Formel 1.

"Mir blieb förmlich die Luft weg"

AUTO BILD motorsport: Die ChampCar-Saison 2003 hat ein ungewöhnliches Ende genommen. Das Finale in Fontana musste wegen der Brände in Kalifornien abgesagt werden. Hat Ihnen das ein wenig die Freude über Ihren ersten ChampCar-Titel genommen? Paul Tracy: Nein, denn der Titel war ja schon vor dem Saisonfinale in trockenen Tüchern. Aber die Tatsache, dass die Häuser vieler Menschen niedergebrannt sind, macht mich schon betroffen.

War es nicht ein wenig ungewöhnlich, dass Sie in Australien den Titel gewonnen haben, ohne selbst zu punkten? Durch seinen Crash hat Ihnen Bruno Junqueira die Meisterschaft quasi geschenkt ... Schon, aber ich habe mir das ganze Jahr über ein Punktepolster aufgebaut. Er wusste, dass er gewinnen muss, um noch eine Chance zu haben. Und als er nach hinten durchgereicht wurde, war er wohl so frustriert, dass er das Auto in die Mauer geworfen hat.

Beschreiben Sie Ihre Gefühle, als Sie wussten, dass Sie Meister sind. Ich war mitten in meinem Rennen, versuchte in die Punkte nach vorn zu fahren. Als der Funkspruch kam, dass Bruno raus war und ich Champion, war ich für eine Minute überwältigt. Mir blieb förmlich die Luft weg.

Für den Titel haben Sie eine Million Dollar bekommen? Ja.

Auch bei den Preisgeldern haben Sie dieses Jahr die Eine-Million-Dollar-Grenze geknackt? Ja.

Welche neuen Spielzeuge werden Sie sich davon kaufen? Ich habe schon alle, die ich brauche (Autos, Motorräder, Boote; Red.). Ich habe bereits mit dem Training für nächstes Jahr begonnen. Ich will meinen Titelgewinn 2004 wiederholen.

Sie haben 13 Jahre auf diesen Erfolg hingearbeitet. Wie schwierig war es, sportliche Ziele und Familie unter einen Hut zu bringen? Das ist ganz einfach Teil des Geschäfts, dass man viel unterwegs ist. Aber ein Basketball- oder Baseballspieler hat noch viel weniger Zeit. Zwischen den Rennen schaffe ich es oft, nach Hause zu kommen.

"Bin zu alt, um in die F1 zu wechseln"

Gibt es im Moment eine Frau in Ihrem Leben? Ich habe eine Freundin, Patty. Das läuft schon seit ein paar Monaten – aber nichts besonders Ernstes.

1995 haben Sie bei Benetton getestet, hatten die Möglichkeit, in die Formel 1 zu kommen. Wäre das nicht finanziell lukrativer gewesen? Ich bin in der ChampCar in einer Spitzenposition in Sachen Gehalt. Ich glaube nicht, dass ich in der Formel 1 mehr verdienen würde. Heute bin ich eh zu alt, um noch zu wechseln. Wenn ich noch Mitte zwanzig wäre, dann würde ich mir darüber Gedanken machen.

Warum kriegen US-Fahrer keine faire Chance in der Formel 1? Ich weiß es nicht, aber ich denke, meine Kollegen und ich sind nicht schlechter als die Fahrer in der Formel 1. Einige Fahrer aus der Formel 1 sind schon in die USA gegangen. Und dominiert hat hier noch keiner von ihnen. Ich weiß nicht, warum einige Europäer die Einstellung haben, dass man nach einigen Jahren US-Rennsport nicht mehr für die Formel 1 geeignet ist.

Wie haben Sie die Saison Ihres Ex-Kollegen Montoya gesehen? Er hatte ein tolles Jahr, und hoffentlich wird er nächstes Jahr wieder um den Titel fahren. Aber vielleicht bekommt er bei Williams dann nicht mehr das Top-Material, weil er zu McLaren gehen wird.

Klingt, als ob Sie noch regelmäßig Kontakt zu ihm haben ... Ja – ich habe dieses Jahr einige Male mit ihm gesprochen.

Glauben Sie, dass die Formel 1 arrogant und exklusiv ist? Das ist das Image, das sie erzeugen wollen. Die Fahrer selbst sind nicht so. Aber so wird es eben vermarktet. Die Fans haben nirgendwo Zutritt, die Tickets sind sehr teuer. Die Formel 1 hat damit Erfolg, aber das heißt nicht, dass das auch in der ChampCar funktionieren würde.

Paul Tracy im Kurzporträt

Kurzporträt Geboren 17. Dezember 1968 • Geburtsort Scarborough (Kanada) • Wohnort Las Vegas (USA) • Nationalität Kanadier • Familienstand ledig, 1 Tochter (Alyssa), 1 Sohn (Conrad) • Erlernter Beruf Rennfahrer • Hobbys Fahrradfahren, Kartfahren, Rockmusik, Videospiele

Der Pisten-Rambo Seinen ersten internationalen Erfolg feierte Paul Tracy im Alter von 15 Jahren mit Platz sechs bei der Kart-WM 1984. Gleich in seiner ersten Saison im Formelauto wurde er im Folgejahr mit 16 Jahren der jüngste kanadische Formel-Ford-Champion aller Zeiten. In seiner dritten Saison gewann er 1990 auch den Titel in der Indy Lights und debütierte 1991 in der CART-Serie (heute ChampCar).

1993 feierte er in Long Beach seinen ersten CART-Sieg mit Team Penske. Die Saison beendete er nach fünf Siegen als Dritter. 1995 wechselte er zu Newman/Haas, kehrte 1996 aber zu Penske zurück. 1998 wurde der Frauenheld in Diensten von Team KOOL Green zum Pisten-Rambo und mehrfach für seine rüde Fahrweise bestraft. Als erster und einziger Fahrer überhaupt war er 1999 vom Auftaktrennen ausgeschlossen.

2000 führte er die Meisterschaft bis zum siebten Lauf an, wurde dann aber doch nur Fünfter in der Endabrechnung. Neben ChampCar fuhr er 2002 auch das Indy 500 der IndyCar-Serie. Sein Sieg dort wurde ihm jedoch nachträglich aberkannt. 2003: mit Team Players/Forsythe sein erster ChampCar-Titel, sieben Saisonsiege.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.