Chevrolet Blazer S (1994-2001)

Gebrauchtwagen Chevrolet Blazer S Gebrauchtwagen Chevrolet Blazer S

Chevrolet Blazer S (1994-2001)

— 30.09.2004

Ein Geheimtip für deutsche Cowboys

Die Nachbarn werden Sie endgültig für übergeschnappt halten, wenn Sie sich einen Chevrolet Blazer S kaufen. Dabei birgt der Ami so gut wie kein Risiko.

Kosten und Qualität

Gut, reden wir zuallererst über das derzeitige Thema Nummer eins, den Benzinverbrauch. Der Blazer S ist ein reinrassiger Amerikaner. Deshalb gibt es ihn naturgemäß nicht mit Dieselmotor. Und mit einem hubraumkleinen Spar-Benziner wollen Amerikaner auch nicht herumfahren.

Also müssen wir an teuren deutschen Tankstellen einen 4,3 Liter großen Sechszylinder mit Flüssigkeit versorgen. Wer jetzt an 20 Liter pro 100 km denkt, liegt komplett daneben. Bleibt man unter 130 km/h, reichen 13 Liter/100 km völlig aus. Zudem darf es billiges Normalbenzin sein. Und wer es darauf anlegt, kann auch mit 10 Liter/100 km auskommen, wenn er sich an das US-Tempolimit von 55 Meilen (= 88 km/h) hält.

Kfz-Steuer? 316 Euro ab Baujahr 1997. Kaum mehr als ein schlichter Golf TDI aus dem gleichen Baujahr. Versicherung? Haftpflichtklasse 23. Günstiger als ein Toyota RAV4 D-4D, also nicht so schlimm. Dazu kommt: Nicht ein einziger unserer Leser hatte einen Motorschaden, nicht ein einziger einen Getriebeschaden. Auch die nicht, die 300.000 Kilometer und mehr auf dem Kilometerzähler haben. Davon kann ein aktueller Turbodiesel mit seinem Extremdruck nur träumen.

Motor und Wartung

Dem simpel aufgebauten Sechszylinder reichen beim Ölwechsel 4,3 Liter von der billigsten Sorte. Dann und wann noch nach Menge und Zustand des Automatiköls sehen – das war’s mit der Wartung. Und durch den drastischen Wertverlust der ersten Jahre kann man günstigst einsteigen. Wer pro Jahr nicht mehr als 100.00 Kilometer fährt und sowieso nicht gern mit dem Auto zum Urlaubsort reist, kann auf diese Weise mit niedrigen Kosten ein individuelles und angenehm zu fahrendes Auto genießen.

Denn abgerechnet wird zum Schluß. Selbst wenn wie üblich alle 80.000 bis 100.000 Kilometer die Lichtmaschine ihren Geist aufgibt, muß die Familie nicht hungern. Sie kostet 259 Euro, bei einem Mercedes ML 270 CDI zum Vergleich dagegen 854 Euro. Ein echter Nachteil des Chevrolet: Das Werkstattnetz der GM-Händler ist in Deutschland hauchdünn, die Preise mit einem Inspektionsdurchschnitt von 520 Euro oft gesalzen.

Hat man einen der in Deutschland seltenen Blazer S entdeckt, sollte man vor dem Kauf die Herkunft prüfen. Es spricht zwar nichts gegen ein ursprünglich frei aus den USA oder Kanada importiertes Exemplar. Aber es sollte das in den USA aufpreispflichtige große Kühlerpaket haben. Nur dann bleiben Anhängerbetrieb oder flotte Autobahnfahrt für Motor und Automatikgetriebe ohne Folgen durch thermische Überlastung. Die offiziell über deutsche GM-Händler ausgelieferten Modelle hatten das Kühlerpaket stets.

Ein frei importiertes US-Auto erkennt man an einem Eintrag im Kfz-Brief auf der letzten Seite. Hier trägt die Zulassungsstelle den Vermerk ein, daß der Kfz-Brief auf Antrag des Erstbesitzers für das aus den USA eingeführte Fahrzeug ausgegeben wurde. Bei den offiziell importierten Autos ist an dieser Stelle die Nummer der für Deutschland gültigen Allgemeinen Betriebserlaubnis vermerkt.

Blazer S im Leserurteil

Die Schwachstellen des Blazer S sind schnell aufgezählt und durchaus typisch für amerikanische Autos: Klimaanlage, nachgerüstete Wegfahrsperre, Lichtmaschine und Wasserkühler. Teure Aggregate wie Motor und Getriebe machen nur bei Bleifuß-Piloten Ärger. Solche haben an diesem Chevrolet aber sowieso keine Freude. Dazu ist das schlichte Fahrwerk zu trampelig, die Sitze zu kommod.

Der typische Blazer-S-Fahrer fuhr auch zuvor schon einen Geländewagen (58 Prozent), hat einen Zweitwagen in der Garage stehen (57 Prozent) und zieht dann und wann einen Anhänger (61 Prozent), meist ein Boot. Die Kritik am Auto selbst trifft vorrangig die Kosten: Benzinverbrauch (69 Prozent), Versicherung (35 Prozent) und Steuerlast (32 Prozent).

Bei der Wahl des nächsten Autos bleiben doch recht viele Blazer- Besitzer den amerikanischen Marken treu. Zwar würden sich nur neun Prozent wieder einen Blazer S kaufen. Doch bleiben weitere 33 Prozent der Marke Chevrolet erhalten, denn die größeren Geländewagen TrailBlazer und Tahoe finden die Blazer-Fahrer offenbar gleichermaßen interessant.

Der große Rest (58 Prozent), der Chevrolet verlorengeht, will sich mehrheitlich nach einem Jeep Grand Cherokee umsehen. Oder nach einem VW Touareg. Oder ist unentschlossen. Eines scheint bei fast allen klar zu sein: Der Treibstoffverbrauch wird beim nächsten Autokauf eine größere Rolle spielen.

Historie, Schwachstellen, Kosten

Modellgeschichte 1994 Präsentation des Blazer S als Nachfolger des Blazer S-10; vier Türen, LxBxH 4,66x1,74x1,73m; 4,3-Liter-V6-Benziner (193 PS) mit Fünfgang-Schaltgetriebe oder Viergang-Automatik 1995 Einführung des Blazer S auch in Deutschland, stets mit vergrößertem Wasserkühler sowie Automatikölkühler 1997 Facelift mit neuen Doppelscheinwerfern und neuem Kühlergrill 1998 Zweitürer mit kurzem Radstand (Länge mit außenliegendem Ersatzrad: 4,72m) wird nun auch in Deutschland angeboten 2001 Der eigentlich als Nachfolger geplante TrailBlazer erscheint; in den USA wird der Blazer S wegen der großen Nachfrage weitergebaut

Schwachstellen • die schlichte Auspuffanlage hält in der Regel gut fünf Jahre • der Wasserkühler wird häufig nach sechs bis sieben Jahren undicht (sechs Prozent) • unbedingt prüfen: Die Klimaanlage macht gern nach sechs Jahren schlapp (13 Prozent der Leserfahrzeuge). Die Gründe: Verdampfer oder Kompressor • die Lichtmaschine hält oft nur rund 100.000 km. Dafür ist sie schön billig • hat der Blazer Breiträder oder Spurverbreiterungen montiert, quittieren die Radlager zuweilen nach nur 50.000 bis 80000 km den Dienst • die Zuverlässigkeit ist recht gut: Praktisch alle Startversager (12 Prozent) gehen auf das Konto der für Europa nachgerüsteten Wegfahrsperre. Ein originaler US-Blazer hat dieses Problem nicht • bleibt man unterwegs stehen (10 Prozent), liegt es in der Regel an losen Kabelsteckern, an Stromarmut durch eine defekte Lichtmaschine oder an einem durch Kühlwasserverlust überhitzten Motor.

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Blazer S 4.3 Automatik, Baujahr 1999. Blechteile und Scheinwerfer sind unverschämt teuer, Aggregate wie Lichtmaschine und Anlasser dagegen angenehm billig.

Fazit und Technik

Fazit "Ein echter Exot ohne großes Risiko. Bei typisch amerikanischer Fahrweise kann der europäisch kompakte Blazer S steinalt werden. Die wenigen Schwachstellen sind auch für den technischen Laien gut zu prüfen. Und sooo dramatisch fallen die Tankrechnungen auch nicht aus." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

TechnikAllradantrieb: Heckantrieb; Frontantrieb bis 100 km/h zuschaltbar. Oder: permanenter Allradantrieb über zentrale Lamellenkupplung (Kraftverteilung v:h 0:100 bis 50:50; Geländereduktion (2,72:1); Differentialbremse (60 %) hi. • Aufbau: Stahlblech-Karosserie auf Leiterrahmen • Verbrauch: 14 Liter Normalbenzin pro 100 Kilometer (Tankinhalt 68 Liter) • Höchstgeschwindigkeit: 177 km/h (Zweitürer: 157 km/h), elektronisch abgeregelt

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