Langzeittest Chevrolet Bolt EV

Langzeittest Chevrolet Bolt EV

Chevrolet Bolt EV: Langzeittest

— 01.12.2017

Ampera-e-Bruder im 1000-km-Test

1000 Kilometer im Opel Ampera-e? In Deutschland kaum möglich, in den USA kein Problem: Der Plattform-Bruder Chevrolet Bolt im ersten Stresstest!

"Aufgrund der hohen Nachfrage können wir zurzeit keine weiteren Reservierungen entgegennehmen." Mit diesen Zeilen beginnt die Internet-Bestellseite des neuen Opel Ampera-e, dem Gewinner des Goldenen Lenkrads 2017 von AUTO BILD bei den Klein- und Kompaktwagen. Hatten zum Launch des Fahrzeuges noch einige Journalisten die Möglichkeit, den neuen Stromer aus Rüsselsheim kurz zu testen, kommt man in Deutschland als "Normalo" kaum an den Elektro-Opel ran. Nicht mal für die schnelle Probefahrt um den Block. Gerade mal rund 120 Autos hat Opel bislang in Deutschland ausgeliefert (Chevrolet verkauft vom Bolt aktuell knapp 5000 Fahrzeuge pro Monat). Frustrierend! Für Opel und die Kunden. Denn Interesse und Nachfrage sind riesig.

AUTO BILD will dennoch wissen, wie das Fahrzeug auf längeren Strecken und bei dauerhafter Benutzung abschneidet, und hat sich den Ampera-e-Bruder Chevrolet Bolt EV für eine Woche in Kalifornien ausgeliehen. Knapp 1000 Kilometer haben wir das Elektroauto durch die Wüste, über Berge, entlang von Stränden und durch Hochhaus-Schluchten gejagt. Neben dem Fahrverhalten des Autos ebenfalls auf dem Prüfstand: die aktuelle Infrastruktur für Elektroautos in den USA. Also die Frage, wie leicht oder schwer man Aufladestationen findet.

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Der Bolt (Blitz) macht seinem Namen alle Ehre

Der kleine, auf den ersten Blick recht ungelenk wirkende Bolt (L/B/H: 4166/1765/1596 mm, damit etwas länger als ein Polo, aber kürzer als ein Golf) überzeugt vom ersten Gasstoß an. 210 PS Systemleistung und 360 Newtonmeter Drehmoment in diesem Fahrzeugsegment, das ist eine Ansage. Es macht große Freude, sich auf den riesigen US-Highways an all die monströsen V8-Pick-ups und SUVs still und leise heranzuschleichen und sie dank des sofort anstehenden Drehmoments (übers komplette Drehzahbland!) und deutlich weniger Gewichts mit superschnellen Überholmanövern rechts liegen zu lassen. Auch auf den kurvigen, steilen Straßen durch den Joshua Tree National Park, wo alle anderen Autos unter der Last keuchen, brummen und fauchen, mäandert der Bolt flüsterleise dahin. Das ist schon eine tolle Art, zu reisen.

Blinde Flecken ohne Ladestationen

Das Netz an Ladestationen ist außerhalb von Großstädten noch ziemlich löchrig.

Weniger schön sind die Möglichkeiten des Aufladens. In Großstädten wie Los Angeles, unserem Ausgangspunkt, ist das alles kein Problem. Hier gibt es genügend "Charging Stations". An Tankstellen, Restaurants, öffentlichen Parkplätzen und in jedem größeren Hotel. 1,5 Stunden Pause – und schon geht's flüsterleise weiter. Sobald man sich aber aus der Stadt entfernt, wird es eng. Hier bedarf es einer genauen Recherche, wo eine Ladestation steht. "Blinde Flecke" von über 200 Kilometern Durchmesser sind keine Seltenheit. Und da es außerdem (noch) keine einheitlichen Ladestationen und Stecker gibt, muss der Bolt-Fahrer vorab ganz genau überprüfen, ob er an der auserwählten Säule überhaupt tanken darf bzw. ob der Stecker technisch passt. Denn wenn irgendwann der Strom alle ist und Bolt und Fahrer sich mitten in der kalifornischen Küste befinden, sollte viel Wasser an Bord sein. Bis der Abschleppwagen kommt, kann es sehr lange dauern. Chevrolet verspricht für den Bolt 383 Kilometer Reichweite. Und das ist gar nicht übertrieben. 350 Kilometer sind bei unserer Testfahrt jeweils locker drin. Und wir fahren nicht extra sparsam, schonen den kleinen Bolt nicht. Auf den großen Highways mit Tempomat verbraucht der E-Chevy übrigens deutlich mehr Strom als in den Städten, wo der Wagen mehr rekuperieren kann. Ist die Schnellladestation gefunden, ist die Batterie in rund 90 Minuten voll aufgeladen. Ein zweiter Selbsttest an einer 110-Volt-Haushaltssteckdose brachte übrigens rund zwölf Kilometer Reichweite pro Stunde Ladezeit ein. Davon ist also abzuraten, wenn man nicht knapp 30 Stunden laden möchte.

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Gute Raumausnutzung im amerikanischen Stromer

Im Innenraum des Stromers geht es luftig zu.

Zurück zum Bolt: Das Auto ist aufgrund seiner kurzen Überhänge sehr übersichtlich, die Fenster sind schön groß. Der Innenraum ist sehr geräumig, da die Batterie im Unterboden verbaut ist. In den Kofferraum passen zwei große Hartschalen-Koffer sowie zwei kleinere Sporttaschen. Der Sitzkomfort ist auch prima, selbst nach knapp 1000 Kilometern schmerzt der Rücken nicht. Das Display in Tablet-Größe ist mit seinen großen Symbolen für die Info- und Entertainmentsysteme intuitiv bedienbar, Apple Car Play und Android Auto sind an Bord. Das Soundsystem inklusive Satellitenradio überzeugt. Und wie gewohnt hilft bei allen Fragen rund um Auto, Navigation und sonstigen Bedürfnissen das OnStar-System.

Der kleine Chevrolet Bolt hat unseren Langzeittest mit Bravour bestanden. Das Auto wirkt ausgereift und zuverlässig. Besonders Spaß macht der Bolt in der Stadt, aber auch längere Fahrten sind für das Auto kein Problem. Jedoch muss in den USA mittelfristig, genau wie in Deutschland, infrastrukturell noch einiges passieren. Ziel sollte es sein, dass an jeder Tankstelle, an der man fröhlich sein Diesel oder Benzin tanken kann, auch diverse Ladestationen für Elektroautos zur Verfügung stehen. Solange dies nicht der Fall ist, wird eine längere Reise zum Wagnis.

Langzeittest Chevrolet Bolt EV

Boris Pieritz

Fazit

Liebe Opel-Fans und Elektromobilität-Enthusiasten. Sollte der Ampera-e es tatsächlich noch schaffen, eines Tages en masse in die Showrooms der deutschen Händler zu rollen, dann könnt ihr euch auf einen sparsamen, sportlichen, agilen und modernen Kompaktwagen freuen, der auch in Sachen Info- und Entertainment bestens gerüstet ist. Und das auch auf der Langstrecke, nicht nur bei der kurzen Fahrt um den Block. Also bitte, liebe Opelaner: Macht den Ampera-e in Deutschland ganz schnell massentauglich. Der kleine, geräumige Elektro-Zwerg macht viel Spaß!

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