Chevrolet Camaro: Fahrbericht

Chevrolet Camaro Chevrolet Camaro

Chevrolet Camaro: Fahrbericht

— 14.10.2011

Ein Ami durch und durch

Ab sofort verkauft Chevrolet den Camaro auch in Deutschland. Was der Muskel-Ami kann und ob er mit den hiesigen Straßen klarkommt? Wir haben es getestet.

Er treibt einem schon das Grinsen ins Gesicht, wenn er sich noch gar nicht bewegt. Was für eine Erscheinung! Von außen sieht der Chevrolet Camaro aus wie ein Schwergewichtsboxer mit schlechter Laune. Der Blick ist grimmig und die angespannten Muskelberge scheinen nur darauf zu warten, dem Nächstbesten eine üble Niederlage beizubringen. Dieser Eindruck setzt sich im Auto fort. Sitzt man hinterm Steuer und hat sich an die schmalen Fensterschlitze gewöhnt, fühlt sich der Camaro fast so an wie ein Panzerwagen. Doch fahren wir los. Kurzes Drehen am Schlüssel und der 6,2-Liter-Motor blubbert, dass es einem heiß und kalt den Rücken runter läuft. Urwüchsige, amerikanische V8-Power. Kein Turbo, kein Kompressor, nichts. Einfach nur genug Hubraum! Fuß aufs Gas und aus dem Blubbern wird ein wütendes Brüllen. 432 PS (Schaltversion) reißen jetzt an der Hinterachse, 5,2 Sekunden dauert der Sprint von 0 auf 100, erst bei 250 km/h ist Schluss.

Auf einen Blick: Alles zum Chevrolet Camaro

Kein Rumpeln, kein Tänzeln, kein Nachsetzen: Der Camaro fährt sehr solide. Geradeaus genauso wie ums Eck rum!

Für den Piloten bedeutet das: Konzentration! Denn die Endorphin-Ausschüttung bei wilder Hatz auf der Autobahn oder in schnellen Kurven ist hoch, sehr hoch. Da kann man beim Sprint-Duell gegen einen zufällig auf der rechten Spur reisenden BMW M3 schon mal in einen Rausch geraten. Spaßpotenzierer: Lenkung und Getriebe. Das Steuer will richtig angefasst werden, liefert dafür aber eine angenehm deutliche Rückmeldung von der Straße. Die Schaltung braucht eine kraftvolle Hand. So, wie das eben ist, wenn man noch selber Auto fährt. Das Fahrwerk ist den Ingenieuren gut gelungen. Eine Domstrebe, eine Verstärkung unterhalb des Getriebes, V-Streben am Unterboden und eine überarbeitete Hinterachse machen den Europa-Camaro nicht zu einer nach Kurven gierenden Waffe. Sie lassen ihn aber sehr solide ums Eck gehen. Ganz ohne Tänzeln, Nachsetzen oder Spurrillen nachlaufen. Ähnlich gut steckt er Unebenheiten weg. Und selbst wenn der Fahrer das "Krawall"-Potential voll ausnutzt, bleibt der Camaro beherrschbar.

Überblick: Alle Tests bei autobild.de

Der Arbeitsplatz des Piloten: Die Auswahl der Materialien ist in Ordnung, die Verarbeitung auch. Platz zum Sitzen gibt es genug.

Nicht schlecht für ein knapp 1,8 Tonnen schweres Muscle-Car! Ja, Muscle-Car. Denn genau das ist der Chevy. Kein Rennauto und auch kein europäischer Sportwagen. Dafür hat er andere Qualitäten. Entspannt mit 120 die Autobahn entlang cruisen zum Beispiel. Das kann man genauso gut wie Gummi verbrennen. Die Sitze sind bequem und bieten auch Großgewachsenen genügend Platz. Die Bewegungsfreiheit im Cockpit ist in Ordnung. Materialauswahl und Verarbeitung innen wie außen sind es ebenfalls. Die Versorgung mit Ersatzteilen sollte kein Problem darstellen. Der nächste Chevy-Händler hilft weiter. Und, der Camaro ist ein echter Chevrolet, keine Korea-Kiste mit neuem Namensschild. Das merkt man gleich beim ersten Anfassen. Was so viel Spaß kostet? 38.990 Euro. Das will Chevrolet für das Schalter-Coupé ohne Streifen und Schiebedach haben. Fürs Cabrio sind mindestens 43.990 Euro fällig. Das ist zwar nicht wenig Geld, aber für 405 (Automatik) bzw. 432 PS (Schalter) ein faires Angebot. Ob es gar keinen Haken gibt? Leider ja. Den Besuch an der Tankstelle. Denn 14 Liter Super braucht der Camaro auf 100 km mindestens.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Lars Hänsch-Petersen

Fazit

Der Camaro macht Spaß! Der Sound und die schier unendliche Power des V8, dazu die Optik. All das sorgt für vollen Ausschlag auf der Gänsehautskala und ein nicht endenden wollendes Grinsen im Gesicht von Fahrer und Beifahrer. Das Auto mag alles andere als zeitgemäß sein. Aber ehrlich gesagt: Wen interessiert's?

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