Chevrolet Camaro SS 1968 und 2009 — 23.11.2009
Camaro SS aus zwei Generationen
Der Chevrolet Camaro ist einer der schillerndsten Vertreter der Pony-Car-Ära. Heute ist der Camaro in seiner fünften Generation erhältlich – Grund genug, ein Treffen zu arrangieren.
Überblick: News und Tests zu Chevrolet
Was anno 2009 so stimmgewaltig alles nichtmenschliche Leben im Umkreis von 100 Metern verjagt, nahm seinen Anfang bereits Mitte der 60er. Chevrolet betrat mit dem Camaro 1966 erstmals die Pony-Car-Bühne. Er war von Grund auf strategisch entworfen, lockte mit schier grenzenlosen Individualisierungsmöglichkeiten. Und er gab das Startzeichen für ein bis heute unerreichtes PS-Wettrüsten. Zwar gehörte der Ami von Beginn an zu den begabten Querdynamikern – zahlreiche Renneinsätze widerlegen das gängige Klischee, Pony-Cars seien reine Längsdynamiker gewesen –, doch in Zeiten wachsender Dragstrip-Euphorie ruhte auch bei den kompakteren Muscle-Car-Ablegern das Hauptaugenmerk auf Power. Bereits die ersten Topmodelle 350 SS und 396 SS (Super Sport) glänzten mit Leistungswerten jenseits der 300 PS (alle Angaben nach amerikanischen SAE-Standards; DIN-PS-Angaben fallen rund 20 Prozent niedriger aus). Dass die offiziellen Leistungswerte keineswegs Utopie waren, bewies besonders der "Option-Code" Z-28. Wer ihn orderte, bekam einen echten Rundkurs-Sportler mit offiziellen 290 PS. Prüfstandsläufe ergaben allerdings regelmäßig 350 PS und mehr.
Alte Tradition: untenliegende Nockenwelle und zwei Ventile pro Zylinder
Die Kunden rangen den technisch simplen Motoren dennoch mit Holley- und Edelbrock-Teilen immer mehr Leistung ab. Rennfahrer Don Yenko entwarf 1967 sogar einen eigenen Camaro mit dem legendären Corvette-L-72-Triebwerk. Dieser 7,0-Liter-V8 war mit seinen 425 PS ein gefürchteter Viertelmeilen-Hüne. Als Hauptkonkurrent Ford einen hochgezüchteten V8 mit 390 Pferdestärken im Mustang unterbrachte, zündete auch Chevrolet den Nachbrenner. Unter die Haube des nur 69 Mal gebauten Camaro ZL-1 pferchten die Entwickler ein wahres Monster von Motor. 7,0 Liter Hubraum und eine Verdichtung von 12,0:1 weckten insgesamt 430 SAE-PS. Inoffiziell sollen solche Triebwerke – mit Flugzeugtreibstoff befeuert – mehr als 500 Pferdestärken entwickelt haben. Bei solchen Leistungswerten muss selbst die nunmehr fünfte Generation des Camaro passen. Das derzeitige Topmodell Camaro SS bringt es mit Schaltgetriebe auf 432 PS. Nach alter Tradition glänzt das "neue" Triebwerk dabei mit sympathischer Urwüchsigkeit. Eine untenliegende Nockenwelle und zwei Ventile pro Zylinder sind weiterhin Stand der Technik.Lässiger Cruiser-Typ
Optisch geht der Camaro hingegen eigene Wege. Anders als Dodge (Challenger) und Ford (Mustang) interpretiert Chevrolet den Begriff Retrodesign frei. Keine neumodische Kopie einer alten Ikone, sondern zielsichere Weiterentwicklung stand im Vordergrund. Ähnlichkeiten findet man folglich im Detail. Etwa bei den rechteckigen Rückleuchten, der mittigen Motorhaubenauswölbung als Anspielung auf die mächtige "Cowl Induction Hood" oder den mittig platzierten Zusatzinstrumenten in Anlehnung an den legendären Camaro Z-28. Davon abgesehen wirkt die Neuauflage innen allerdings so sportlich wie Ottfried Fischer. Wer nun daraus folgert, der aktuelle Camaro SS (zur Verfügung gestellt von Geiger Cars) würde sich wenig erquickend fahren, irrt erheblich. Hat man sich erst einmal an das massige Umfeld gewöhnt, zaubert der Übersee-Sportler mit sauber definiertem Handling und seinem herrlich bollernden V8 allzeit ein Lächeln ins Gesicht. Das Oktett drückt ab 3000 Touren kraftvoll voran und treibt sein Vehikel auf Kommando spielerisch in quertreibende Gleitreibung. Darüber hinaus besitzt der massive Antrieb aber auch ganz andere Talente. Mit kaum einem anderen Coupé lässt es sich nämlich so lässig cruisen. Selbst unter 1000 Umdrehungen nimmt der Achttöpfer sauber Gas an und wuchtet die 1,8-Tonnen-Fuhre höchst lässig vom Fleck.
Die Faszination Muscle-Car lebt
Der von "BAT Chevrolet" (bat-chevrolet.de) zur Verfügung gestellte 1968er-Camaro offenbart hingegen einen komplett anderen Charakter. Er wurde als Rennwagen konzipiert und fordert einen ganzen Kerl als Fahrer. Seine servolose Lenkung malträtiert ebenso wie die extrem straffe Kupplung dessen körpereigenes Muskelgewebe. Für Entspannung sorgen höchstens die allzeit präsenten Vibrationen der Karosserie. Bereits im Standgas schüttelt sich die blecherne Konstruktion im Takt des mächtigen Saugers. Dieser ist das zentrale Element, um den sich beim 350 SS alles dreht. Bei Teillast schnorchelt er noch recht sanft vor sich hin und vermittelt einen rundum friedfertigen Eindruck. Doch der täuscht. Bereits beim nächsten Tritt aufs Gas schnappt das Triebwerk gierig zu und fällt vollkommen ansatzlos mit roher Gewalt über die Hinterachse her. Zornig brüllend schraubt sich der V8 immer mehr auf Touren und versetzt seinen Fahrer mit schier endloser Hubraumpower fast in einen Trance-Zustand. Die Faszination Muscle-Car, sie ist auch 40 Jahre nach ihrer Blütezeit lebendig wie eh und je.
Kommentar verfassen







































Kommentare zum Artikel (32)
Erstellt
Inhalt
Funktion
Sicher kann man über das Auto streiten und die Geschmäcker sind ja sehr unterschiedlich,aber ich find das Auto super.
Auch der Nissan GT-R ist absolut top,aber es ist halt nur für 2 Personen,der Camaro aber ein vollwertiges Alltagsauto.Und wem 13 Liter Verbrauch zu viel ist,der soll sich eben ein Polo kaufen.
Ich vermiete das auto seit Oktober 09 als Camaro 2 SS mit 430Ps Schalter in Gelb und wir haben jetzt 12000km runter keine probleme sprit verbrauch im schnitt 13 Liter .und ausnahmme los alle kunden waren überrascht wie angenehm er sich fährt leistung und sound satt .man sollte ihn einfach mal für ein tag fahren dann wird man feststellen das der wagen eine echte alternative ist und absolut alltags tauglich einfach mal bei yellowhumer nachfragen
Nissan GT-R? Andere Preis- und Leistungsklasse. Hat doch mit dem Camaro rein garnichts gemeinsam. Passender Gegner währe wohl eher ein Porsche Turbo.
Der Camaro ist ein etwas zu groß geratenes Sportcoupe, aber ganz sicher kein Supersportwagen.
VW teile werden weiter einzug halten bei porsche. im panamera sind bereits teile verbaut. z.b. schiebedach/sonnenblende und unzaehlige kleinteile.
der nissan GTR ist beeindruckend und stand der technik. leider wird bei diesem fahrzeug auch ueberwachungstechnik eingesetzt. so kann nachgewiesen werden, wann der fahrer wo gewesen ist und wie das auto beansprucht wurde. dies kann bis zur garantieverweigerung fuehren. www.nagtroc.org/forums/index.php?showtopic=26418
@Luttinger
Natürlich, so soll es auch sein. Mir wäre das Aufgeld für den Camaro-Spaßwagen jedoch nicht wert.
Mal nebenbei - m.E. ist derzeit der Nissan GTR (R35) das einzig vernünftige, bezahlbare und gleichenfalls wertige Sportauto auf unserem Markt. Eine Probefahrt kann ich nur empfehlen - ein Gedicht auf 4 Rädern. Macht Spaß, macht süchtig, gefällt.