Chevrolet Camaro SS Cabrio: Fahrbericht
— 12.12.2012
Rauchende Reifen im Tal des Todes
Mit dem Chevrolet Camaro SS Cabrio durch das Tal des Todes! Redakteur Boris Pieritz' Ausfahrt mit der berauschenden Musclecar-Ikone war alles andere als ein Grund zur Trauer.
Still ist es im Tal des Todes, 80 Meter unter dem Meeresspiegel in der kalifornischen Wüste. Sehr still. Doch urplötzlich lässt ein donnerndes Grollen die dürren Äste der vertrockneten Sträucher am Straßenrand erzittern. Verantwortlich dafür ist der 6,2-Liter-V8 eines schneeweißen
Chevrolet Camaro SS Cabrio, mit dem ich auf dem Highway 190 und auf staubigen Nebenstraßen das Death Valley von West nach Ost durchschneide. Keine Kreuzungen, keine Ampeln, keine Zebrastreifen. Dafür eine mehrere Kilometer lange schnurgerade Piste, gefolgt von Hunderten Sepertinen hinauf zum Pyramid Peak. Bestes Terrain, um dem Musclecar auf den Zahn zu fühlen.
4,9 Sekunden gibt Chevrolet füt den Prestige-Sprint von 0 auf 100 km/h an. Das schaffte der Camaro im Tal des Todes nicht ganz.
Erste grundlegende Feststellung nach wenigen Kilometern: Der Chevrolet Camaro kann seinen deutschen Sportwagen-Gegnern wie
Porsche 911,
Mercedes SL und
BMW 6er in puncto Straffheit des Fahrwerks und Agilität nicht ganz das Wasser reichen. Aber das ist und war auch nicht der Anspruch dieser Fahrzeuggattung. Hier sind vor allem Emotion und Tradition gefragt – und davon hat der Retro-Chevy reichlich zu bieten. Den ersten emotionalen Moment beschert einem der Sound des großvolumigen Achtzylinders. Beim Beschleunigen röhrt der Camaro mit seinem wundervollen Bariton – diesen elektrisierenden Ton beherrschen nur die
US-Musclecars. Doch der
Mustang-Gegner kann auch ganz sanft werden. Bei gleichmäßiger Fahrt ist das Cabriolet angenehm leise, hier würde ein andauerndes Bollern auch nur nerven. Bei allzu hoher gleichmäßiger Geschwindigkeit dringen jedoch Windgeräusche ins Fahrzeuginnere.
Beach Boy: Mit offenem Dach unter der Sonne Kaliforniens macht das Muscle Car am meisten Spaß.
Die 4,9 Sekunden, die
Chevrolet für den Sprint von 0 auf 100 km/h verspricht, konnten wir trotz hohem Gummi-Verschleiß nicht erreichen. Das Cabrio ist auf den ersten Metern zu behäbig. Voll zur Geltung kommt der 6,2-Liter-V8 jedoch bei Zwischensprints: Von 80 bis 120 km/h oder auch 150 bis 200 km/h explodiert der Chevrolet förmlich – die 556 Newtonmeter zerren gnadenlos an der Hinterachse, der Fahrer wird in den Sitz gepresst. Apropos Sitz: Fahrer- und Beifahrersitz sind sehr bequem (1000 gefahrene Kilometer in elf Stunden waren bestens machbar) und bieten einen guten Seitenhalt. Auch hinten muss man sich nicht verbiegen, die zwei Rücksitze verkraften Personen bis 1,85 Meter locker. Kleiner Minuspunkt: Das Dreispeichen-Lederlenkrad fasst sich zwar sehr gut an, der Fahrer muss trotz elektrischer Servolenkung auf kurvenreichen Passagen jedoch ordentlich arbeiten – die Lenkung hat zu viel Spiel, dürfte gern präziser sein.
Die Sechsgang-Automatik könnte knackiger, kürzer übersetzt sein (warum nicht an einen Sieben- oder gar Achtgang-Automaten denken, liebe Chevrolet-Ingenieure). Will man richtig forsch vorankommen, empfiehlt sich das Schalten über die Paddles am Lenkrad. Für die negative Beschleuning sorgen Brembo-Bremssättel, die in riesigen 20-Zoll-Rädern verbaut sind. Fürs Handgepäck zweier Reisender ist in dem 289 Liter fassenden Kofferraum (geschlossenes Dach) genug Platz – das war's dann aber auch schon. Serienmäßig mit an Bord sind unter anderem ein USB-Port, Satelliten-Radio, Tempomat, zwei Getränkehalter vorn, Klima-Automatik und der mit Leder überzogene Schalhebel.
Technische Daten: V8-Motor • Hubraum: 6162 ccm • Leistung: 405 PS • maximales Drehmoment: 556 bei 4300 U/min • Getriebe: Sechsgang-Automatik • L/B/H: 4836/1918/1376 mm • 0-100 km/h: 4,9s • Spitze: 250 km/h (abgeregelt) • Durchschnittsverbrauch (Herstellerangabe): 11,5l/100km • Testverbrauch laut Bordcomputer: 12,4l/100km • Preis: ab 30.660 Dollar (USA) / ab 46.990 Euro (Deutschland).
Boris Pieritz
Fazit
Ein ultimativer Rivale der Rennbahn wird der Chevrolet Camaro nie werden. Doch darum darf es auch nicht gehen, wenn man sich für ein Musclecar entscheidet. Hier machen die klassische Form, der unvergleichbare Sound und die packende Historie dieser Fahrzeuggattung an. Für einen stilechten Urlaub in Nordamerika ist das Chevrolet Camaro SS Cabrio die perfekte Wahl.
Kommentare zum Artikel (6)
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@Bild Redakteur...
fahren lernen... Chevrolet verspricht 4.9s 0-60mph (96km/h) für das Camaro V8 Cabriolet... Motortrend in den USA haben den Wagen mit 4.7s und 4.9s 0-60mph getestet...deutet wohl auf mangeldes Fahrgefühl eures Testers hin.. 1/4meile 13.2s bei 110mph. Übrigens gibt es eine launch controll sowohl für den Schalter als auch den Automatic... damit dürften selbst ungeübte in die nähe der Werksangabe kommen.
@baldrick
a) US Preise sind immer ohne MWST dh. zieh zum vergleich bei Deutschen Preis die MWST ab.
b) Das Camaro Cabrio started in den US ab $31,560 (als 1LT mit V6 Motor)
c) in Europa werden nur V8 verkauft und keine V6 also V8 Preis mit V8 Preis vergleichen
d) so wie er in Europa verkauft wird kostet der Wagen in den USA $44,200 (OHNE MWST!!!) Zum Vergleichen nimmt man in US Camaro Cabrio mit den optionen 2SS + RS pack, so werden hier in Europa alle Camaro Serienmässig verkauft!
e) ohne MWST kostet das Camaro Cabrio 39,500Euro bei aktuellen Wechselkurs sind das $51,600 ... dh. Chevrolet verkauft den Camaro hier genauso teuer wie in den USA... die differenz zwischen 44,100 und 51,600 sind a) der Transport b) der Zoll 10% Zollgebühr c) und ein Puffer für Wechselkursschwankungen
41 Fotos und kein einziges von Armaturenbrett und Instrumenten ??
Aber sonst war der Urlaub schön, gell.
P.S.
Ab 30.000 $ / 47.000 Eur ? Die sind ja noch abgewichster als Apple.
Wer kommt denn schon auf die beschnapste Idee, mit einem Cabrio ins Death Valley zu fahren?
Soso, der Fahrer musste arbeiten...wer nichts anderes als weichgespülte Sportlimousinen testet, der kann schon mal schnell in's Schwitzen kommen.