Chevrolet Camaro V8 EU-Version: Fahrbericht

Chevrolet Camaro V8 EU-Version (2016): Fahrbericht

— 24.06.2016

Ist das noch ein echter Ami?

Der Chevrolet Camaro der sechsten Generation ist kürzer, schmaler und leichter als der Vorgänger. Kommt da noch Ami-Feeling auf? Fahrbericht!

Es ist ein wenig paradox: Die Amerikaner sind bekannt für den Spruch "Bigger is better" – mehr ist besser. Und dann schrumpft Chevrolet die sechste Auflage des Camaro. Sechs Zentimeter kürzer, zwei Zentimeter schmaler, vier Zentimeter flacher.  Dazu gesellen sich rund 100 Kilo Gewichtsverlust. Und: Chevy bietet ihn ab sofort auch als Vierzylinder-Turbo an. Hat der Camaro an US-Charme verloren? AUTO BILD ist die EU-Version gefahren. Zunächst als traditionellen V8.
Für die Rennstrecke: Chevrolet Camaro ZL1 (2016)

Die Materialien im Innenraum haben einen großen Schritt nach vorne gemacht – auch wenn das Plastik überwiegend hart ist.

Halten wir uns gar nicht lange mit Design auf, gleich rein ins Cockpit. Und was von draußen schon vermutet werden kann, bestätigt sich, sobald man sich auf den bequemen Sitzen platziert hat. Die Fenster sind Schießscharten. Wer hier lässig den Ellbogen raushängen lassen will, läuft Gefahr, sich die Schulter auszukugeln. Da lässt man doch beide Hände noch lieber am kompakt geratenen Lenkrad, mit dem sich der Camaro überraschend zielgenau dirigieren lässt. Über den mittigen Fahrmodi-Schalter kann der Fahrer zwischen vier voreingestellten Programmen wählen (Schnee und Eis, Tour, Sport und Track) – von denen Sport und Track vollkommen ausreichende Federreserven bieten und die Lenkung stramm stellen. Da muss man schon ordentlich zupacken. Im Zusammenspiel ergibt sich ein für US-Fahrzeuge direktes Handling. Nennenswert, da wir nicht vergessen dürfen, dass der Camaro trotz Diät kein Leichtgewicht ist (Leergewicht ohne Fahrer: 1659 kg). Zwischenfazit: Der Innenraum ist mit der reduzierten Formsprache modern amerikanisch, das Fahrverhalten ist dagegen eher europäisch geprägt. Was gefällt. Ach ja, und dann beherrscht der Camaro als Ami natürlich auch das Entertainment. Mit zwei acht Zoll-Displays, Apple CarPlay und einer Lichtshow, die den Innenraum in 24 möglichen Farben akzentuiert.

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US-Motorenbau in seiner schönsten Form

Uramerikanisch ist der Motor des Camaro – zumindest in der gefahrenen V8-Variante. Warum? Weil er auf das klassische Rezept "Hubraum" setzt. Sechs Komma zwei Liter misst das Volumen des V8 (Typ LT1). Eindrucksvoll bemerkbar an jeder roten Ampel, denn dann schüttelt das Bullenherz von Motor den Camaro sanft durch. Da wünscht man sich eigentlich nur noch einen Drive-in, um das US-Feeling perfekt zu machen. Wenn das V8-Tier von der Kette gelassen wird, schiebt es mächtig aus dem Drehzahlkeller und untermalt den Vortrieb mit bedrohlichem V8-Gewitter. Sind die Klappen der Abgasanlage geöffnet, bellt er ab 4000 markerschütternd. Soundwertung? Volle Punktzahl. Der Antritt ist bullig, vor allem mit der Sechsgang-Handschaltung, mit der der Motor lebendiger und einen Tick spritziger wirkt als mit der optionalen – und etwas trägen – Achtstufenautomatik (2000 Euro Aufpreis). Schaltfaul cruisen ist selbstverständlich drin. Bei 90 km/h im Sechsten blubbert der Camaro bei 1200 Touren herum. Geht man in diesen Drehzahlregionen ans Gas, grummelt es tief unten im V8-Gedärm und der Zweiventil-V8 drückt das Coupé anstandslos nach vorn. US-Motorenbau in seiner schönsten Form.

Gebrauchter Chevrolet Camaro im Test

Chevrolet Camaro Chevrolet Camaro Chevrolet Camaro

Der Camaro fühlt sich handlich an

Das Chassis des neuen Camaro macht einen steifen Eindruck.

Wie die Karosserie. Denn obwohl Camaro Nummer sechs kleiner ist als sein Vorgänger, kommt er stämmig rüber, wie es sich für ein Ponycar gehört. Grimmig schauen die Tagfahrlichter aus dem durchlaufenden Kühlergrill. Der traditionelle Hüftschwung sitzt wie eine Eins und die eingangs erwähnten niedrigen Fenster tun ihr Übriges für das angriffslustige Erscheinungsbild. Dennoch: Dank der großen Außenspiegel und der kantigen Formen fühlt sich der Camaro recht handlich an und ist auch auf engen Straßen entspannt zu fahren.

Chevrolet Camaro V8 EU-Version: Fahrbericht

Camaro fahren für unter 40.000 Euro

Die Preise für den Camaro beginnen bei 39.900 Euro für das Vierzylinder-Coupé, der bärige V8 kostet 6000 Euro mehr (ab 45.900 Euro). Womit der Camaro auch preislich US-typisch bleibt, denn sein schärfster Gegner, der Ford Mustang, startet mit dem 5,0-Liter-V8 (421 PS) bei 43.000 Euro.

Technische Daten Chevrolet Camaro V8: Motor: V8-Benziner • Hubraum: 6162 ccm • Leistung: 453 PS bei 6000 U/min • Drehmoment: 617 Nm bei 4400 U/min • CO2: 292 g/km • Verbrauch: 12,8 l /100km • Vmax: 290 km/h • 0-100 km/h: 4,6 s • Preis ab 45.900 Euro.
Peter R. Fischer

Peter R. Fischer

Fazit

An US-Charme hat der sechste Camaro wirklich nichts eingebüßt. Im Gegenteil: Chevrolet paart den kultigen V8 mit zeitgemäßem Handling, gelungenem Innenraum und würzt mit einer Ausstattung, die kaum noch Platz für Kreuze in der Optionenliste lässt.

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