Chevrolet Corvette Stingray im Test

Chevrolet Corvette: Test

— 12.11.2013

Die neue Corvette im ersten Test

Die siebte Generation der Chevrolet Corvette verkörpert die USA wie sonst niemand: sehr selbstbewusst, sehr stark und garantiert unüberhörbar.

Amerika plant schon wieder einen Lauschangriff. Und dieses Mal geht es nicht allein um das Handy von Kanzlerin Merkel, nein, jetzt sind die Autoliebhaber dran. Doch keine Panik. Denn der Auftraggeber heißt hier nicht NSA, sondern Chevrolet. Und als völlig legales Lauschgift setzt der US-Autobauer die Corvette C7 Stingray ein. Sie gibt uns feinsten V8-Sound auf die Ohren. Was die C7 außer fetter Akustik noch alles auf der scharfen Kunststoff-Carbon-Haut über dem Alurahmen hat, klärt unser Test.

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Video: Corvette C7 Fahrbericht

Die Stimme Amerikas

Lange Haube mit wildem Berg-und-Tal-Profil, kleine Pilotenkanzel, scharfes Heck mit eckigen Leuchten im Camaro-Stil. Das ergibt zwar nicht gerade ein Raumwunder, und ab zwei Metern fühlen Fahrer sich im ordentlich eingerichteten Cockpit auch ziemlich eingeklemmt. Doch erstens lässt sich das leichte Targadach aus Carbon rausnehmen und im Kofferraum passgenau parken. Und zweitens entschädigt das Fahrerlebnis für jeden blauen Fleck mit einem Vielfachen an Glückshormonen. Also rein (leider immer noch über elektrische Türöffner), Startknopf drücken und den Unterarmhärchen beim Zucken im Takt der furiosen V8-Symphonie zugucken. Wer genug hat von der geräuschinduzierten Gänsehaut, legt den ersten von sieben (!) manuell verwalteten Gängen ein und zischt los. Stramme 466 PS und 630 Nm Drehmoment aus einem 6,2-Liter-V8 schieben den 1575 Kilo schweren Ami unnachgiebig vorwärts.

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Big Block: Aus 6,2 Litern Hubraum schöpft der V8 im Corvette-Bug 466 PS und satte 630 Nm Drehmoment.

In den ersten vier Gängen, also bis ungefähr Tempo 250, folgt der Stingray dabei dem stampfenden US-Musclecar-Beat, den nur die elektronische Straßenwacht namens ESP und ein leicht schlingerndes Heck stören. Danach macht sich das hakelige und zunehmend lang übersetzte Getriebe leider immer stärker negativ bemerkbar. Gar nicht so leicht, die richtige Gasse zu finden. So dauern Gangwechsel schon mal etwas länger, und die Höchstgeschwindigkeit lässt sich auf vollen deutschen Autobahnen nicht erreichen. Das gleiche Problem hat anscheinend aber auch Chevrolet. Im Pressetext stehen zu dem Thema durchaus glaubhafte 300+ km/h, im Fahrzeugschein allerdings eher untertriebene 290 km/h. Wir harren einer zuverlässigen Angabe und genießen derweil den für einen Sportwagen ordentlichen Komfort. Zwar bleibt den straffen Quer-Blattfedern kaum eine Querfuge verborgen, die C7 prügelt aber zumindest nicht gnadenlos hart auf ihre Besatzung ein

Die hat genug vom flackernden ESP-Lämpchen und biegt zum Handlingparcours ab. Fahrmodus auf "Track" (meint Rennstrecke, alternativ gibt es "Weather", "Eco", "Touring", "Sport"), ESP aus und Yeeaaaha. Quer ist alles andere als schwer, dafür sorgt die schiere Leistung an den hinteren 20-Zoll-Walzen. Dank Alu-Doppelquerlenkern rundum und einer manierlichen Lenkung lassen sich die Powackler aber locker parieren und in einen wilden Quertreiber-Fahrstil umwandeln.

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Gut für die Rundstrecke: Auf dem Contidrom landet die C7 zwischen Porsche 911 Turbo und Audi R8.

Wer lieber Rundenzeiten jagen will, kommt mit der Corvette ebenfalls auf seine Kosten. Auf dem Contidrom bei Hannover schafft der Stingray eine Runde in 1:31,62 Minuten – und befindet sich damit in bester Gesellschaft zwischen dem Porsche 911 Turbo (997) und dem Audi R8 V10. Erst die kräftig zupackende Bremsanlage, die aus Tempo 100 bei Betriebstemperatur nur rund 33 Meter bis zum Stillstand braucht, oder aber die Tankreserve-Warnleuchte reißen den Fahrer aus dem Geschwindigkeitsrausch. Trotz Vierzylinder-Cruisingmodus fordert die C7 schon im Testverbrauch 13,5 Liter pro 100 Kilometer. Zurückhaltend fällt dafür die Preisforderung der Amerikaner aus. Mit 69.990 Euro bleibt der US-Sportler vergleichsweise günstig. Von dreisten Abhörattacken mal abgesehen schwappt eben auch viel Gutes übern Großen Teich.
Fahrzeugdaten Corvette C7 Stingray
Motor V8, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 6162 cm³
kW (PS) bei 1/min 343 (466) 6000
Nm bei 1/min 630/4600
Vmax 290 km/h
Getriebe Siebengang manuell
Antrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung v. 245/35 ZR19 / h. 285/30 ZR20
Reifentyp Michelin Pilot Super Sport
Radgröße v. 8,5 x 19''/ h. 10 x 20''
Abgas CO2 290 g/km
Verbrauch* 13,8/8,1/12,2 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 70 l / Super
Vorbeifahrgeräusch 75 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine
Kofferraumvolumen 425 l
Länge/Breite/Höhe 4493/1877/1239 mm
Grundpreis 69.990 Euro
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Messwerte Corvette C7 Stingray
Beschleunigung
0–50 km/h 2,3 s
0–100 km/h 4,8 s
0–200 km/h 14,5 s
Elastizität
60–100 km/h 4,6/7,6 s (4./5. Gang)
80–120 km/h 7,9/11,0 s (5./6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1575/275 kg
Gewichtsverteilung v./h. 49/51 %
Wendekreis links/rechts 12,3/12,3 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 34,7 m
aus 100 km/h warm 33,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 65 dB (A)
bei 100 km/h 73 dB (A)
bei 130 km/h 78 dB (A)
Testverbrauch – CO2 13,5 l S – 321 g/km
Reichweite 510 km
Gerald Czajka

Gerald Czajka

Fazit

Die C7 ist die beste Corvette, seit es diesen uramerikanischen Sportwagen gibt. Der feiste V8 spendiert jede Menge Kraft und einen wunderbaren Sound, das Fahrwerk beschert dem Stingray ein großartiges Handling, und der Preis lässt nicht nur Fans aufhorchen.

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