Diese Schäden können beim Chiptuning entstehen

Chiptuning

— 25.11.2015

Mehr Dampf mit Risiko

Mehr Power durch Eingriffe am Steuergerät – das nennt sich Chiptuning. Zu haben ab 199 Euro. Doch was so verlockend klingt, bringt oft große Probleme.

Hört sich interessant an: 30, 40, 50 PS und noch viele Newtonmeter mehr – zu Preisen ab 200 Euro. Wer wird da nicht schwach? Antwort: Alle, die Ahnung von Motoren haben. Denn die Mehrleistung ist mit Risiko verbunden, und wer sie ausnutzt, muss mit Schäden rechnen. An dieser Stelle kommen die Experten und Bescheidwisser aus den Internetforen dann immer mit demselben Einwand: Ja, aber den XYZ-­Motor gibt es auch mit 130 statt 100 PS, also kann man den schwächeren gefahrlos tunen. Leider stimmt das zu 99 Prozent nicht. Beispiel VW 1.9 TDI, bis heute eines der beliebtesten Diesel-­Tuning-­Opfer: Ab Werk zu finden mit 90, 100, 110, 115, 130 und 150 PS. Also müsste der 90-­PS-­Motor doch auch 150 PS abkönnen? Kann er aber nicht, denn mit jeder Leistungsstufe hat VW Turbolader, Einspritzdüsen und Ladeluftkühlung verändert. Sogar das Material der Kurbelwellen sowie des Gusseisens für den Motorblock sind nicht identisch, ab 115 PS wird es immer hochwertiger. Die Blöcke sehen zwar gleich aus, sind es aber nicht.
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Chiptuning: Problem Kfz-Steuer
Ein klarer Fall von Steuerbetrug: Ab dem 1. Juli 2009 zugelassene Autos werden auch nach ihrem CO2-Ausstoß besteuert, nicht wie zuvor allein nach ihrem Hubraum. Der CO2-Ausstoß erhöht sich jedoch beim Chiptuning üblicherweise, also müsste nach der Eintragung auch ein neuer Steuerbescheid erstellt werden. Das Problem: Die meisten Chiptuner nehmen überhaupt keine aufwendigen und teuren CO2-Messungen vor. Also ist auch keine Eintragung möglich, was offenbar den einen Autohaltern nicht klar ist und andere wohl wissentlich in Kauf nehmen – und damit Steuerhinterziehung begehen.
Überblick: Alles zum Thema Reparatur und Technik

Mehr Luft und Sprit sorgen für das Plus an Leistung

Die verlängerte Kraftstoffeinspritzung von Chiptuning-Motoren belastet unter anderem den Katalysator.

Doch wodurch entsteht überhaupt die Mehrleistung beim Chiptuning? Antwort: Durch mehr Luft und mehr Sprit. Die Luft muss der Turbolader herbeischaffen. Mehr Luft gibt es aber nur über mehr Druck, also mehr Drehzahl. Das Problem: Schon im Serien­-TDI dreht der Lader für 1,05 Bar Ladedruck 205.000 mal pro Minute. Soll er für mehr Leistung 1,25 Bar erzeugen, muss er 280.000 Umdrehungen in der Minute packen. Das halten die Schaufelräder nicht lange aus. Das nächste Problem: Die Zusatzmenge Sprit muss durch die serienmäßigen Einspritzdüsen gedrückt werden. Das geht nur durch Verlängerung der Einspritzdauer. Meistens wird dann noch auf den bereits abwärts sausenden Kolben gespritzt. Der überhitzt dabei, außerdem läuft unverbrannter Sprit in den Rußfilter. Das nimmt der übel, spätestens beim Freibrennen. Dann kann der mit Ruß und Kraftstoff gesättigte Filter bei Temperaturen jenseits 1000 Grad schlicht schmelzen. Ähnlich sieht es auch bei Benzinmotoren aus, deren Katalysator wirft bei zu hohen Temperaturen ebenfalls sofort das Handtuch.
Rechtliche Pflichten nach dem Chiptuning
Der Eintrag in die Papiere ist zwingend: Chiptuning stellt in jedem Fall eine Bauartveränderung des Fahrzeugs dar. Also muss der Fahrer entweder Teilegutachten und Einbaubestätigung der Werkstatt mitführen oder die Leistungssteigerung direkt in die Papiere eintragen lassen. Unterbleibt dies, erlischt die Betriebserlaubnis und damit die Zulassung des Fahrzeugs. Wer damit erwischt wird, zahlt 50 Euro Bußgeld und erhält drei Punkte. Im Wiederholungsfall droht ein Fahrverbot. Und im Schadenfall können Kfz-Versicherungen Leistungen kürzen oder Regress fordern.
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Auch Kupplung und Getriebe leiden unter höheren Leistungen

Damit nicht genug: Auch die Kraftübertragung leidet. Zuerst das Zweimassenschwungrad, das exakt auf das normale Drehmoment abgestimmt ist. Mehr Zugkraft quetscht die Dämpfungsfedern darin bis zum Anschlag zusammen, im Extremfall platzt das Schwungrad. Aber auch Kupplung und Getriebe sind mit höheren Leistungen schnell überfordert. Doch es gibt auch Leute, die keine Probleme mit ihrem gechipten Auto haben. Wie kann das sein? Ganz einfach: Sie nutzen die Mehrleistung tatsächlich nicht – und hätten sich das Tuning deshalb auch sparen können.
Überblick: Alles zum Thema Tuning

Diese schäden können beim Chiptuning entstehen

Hendrik Dieckmann

Hendrik Dieckmann

Fazit

Wer auf Leistung steht, sollte lieber gleich das stärkere Auto nehmen, statt am schwächeren Modell herumzuchippen. Denn erstens treten so keine rechtlichen Probleme auf. Und zweitens gibt es keinen Stress wegen geplatzter Motoren. Und preiswerter ist diese Lösung unterm Strich meist auch.

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