Chrysler auf der NAIAS

— 15.01.2008

Studien als Schrittmacher

Nach der Trennung von Daimler und einer tiefroten Jahresbilanz 2007 setzt Chrysler in Detroit auf futuristische Studien. Schöne Fingerübungen oder künftige Moneymaker?



Als der Renegade Concept, ein sympathisch-kleiner grüner Strand-Buggy, auf die Bühne rollt, da brandet spontaner Beifall von den voll besetzten Tribünen. Jeep lebt und darf sich auf der NAIAS 2008 ungeteilter Sympathien sicher sein. Chryslers Design-Chef Trevor Creed, der in Detroit seine Babys vorstellt, ist die Genugtuung schon auf 50 Meter Entfernung anzusehen. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht, wenn böse Gerüchte über das Schicksal der Marke nicht verstummen wollen. Chrysler könnte in der Zukunft so strahlend dastehen. Könnte, doch der dritte US-Hersteller musste für 2007 einen Verlust von 1,3 Milliarden Dollar melden. Im Jahr eins nach der Scheidung von Daimler steht Chrysler am Scheideweg. Da war wenig hilfreich, dass der neue Boss Bob Nardelli verkündet hat, seine Firma sei operativ bankrott. Wird der neue Besitzer, die Finanzgruppe Cerberus, die 80,1 Prozent der Anteile hält, die Geduld bewahren? "Cerberus steht voll hinter uns", versichert Nardelli auf der Messe.

Dodge in Deutschland erfolgreich

Das ist er, der kleine Staubfrosch Renegade. Ob die Studie so oder ähnlich irgendwann kommt und zum Kassenschlager wird, bleibt abzuwarten.

In der Cobo Hall rollt das zweite Designerstück ins Rampenlicht. Der Dodge ZEO, ein kompaktes Kombi-Coupé, scheint vor lauter Kraft aus dem Blech zu platzen. Dass seine 272 PS allein durch Strom aus dem dicken Batteriepack unterm Fahrzeugboden gewonnen werden, mag man bei diesem Design kaum glauben. Der ZEO (die Abkürzung steht für abgasfreies Fahren) wirkt so rassig wie ein Benziner – das war Creeds Botschaft. Ein Dodge durch und durch. Die Marke hat auch in Deutschland einen erfolgreichen Start hingelegt und verkaufte 2007 mehr als 4000 Fahrzeuge – ein wichtiger Beitrag zu Chryslers gutem Gesamtergebnis (rund 18.000 Fahrzeuge). "Wir haben als eine der wenigen Marken in einem schwierigen Markt sogar um drei Prozent zugelegt", betont Deutschland-Chef Radek Jelinek. Doch schwarze Zahlen aus Germany sind für die Zentrale in Auburn Hills nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Pick-ups wie der Bestseller Dodge Ram, der in den USA das Geld einfährt, leiden unter steigenden Benzinpreisen.

Galgenhumor ist angesagt

Auch beim Eco Voyager ließen die Designer ihrer Fantasie freien Lauf. Die Van-Studie könnte jedoch schon vor der Serienreife ein Fall für die Tonne werden.

Die Marke Chrysler zeigt außer dem erfolgreichen 300C wenig Profil. Daran kann auch Trevor Creeds dritte Studie wenig ändern: Der Eco Voyager zeigt, wie ein Van von morgen aussehen kann, aber wollen die Kunden morgen Vans überhaupt noch kaufen? Bis der viersitzige Raum-Kreuzer serienreif wird, könnte er dem Rotstift zum Opfer fallen. Schöne Fingerübung, aber kein Moneymaker – unter diesem Dilemma litt Chrysler in fast schon zyklischen Krisen, wenn die Erlöse mal wieder tief in den roten Bereich rutschten. Auch in der Ära als Daimlers US-Ehepartner – von 1998 bis 2006 – sah die Lage bedrohlich aus. Es ging trotzdem immer weiter, auch dank der aufregenden Studien, die immer wieder eine rosige, leuchtende Zukunft versprachen. Das hat sich also geändert nach der Scheidung von Daimler? Der damalige Chef und heutige Vize-Präsident Tom La Sorda nimmt es mit Galgenhumor: "Heute muss ich zum Rapport nicht mehr so weit nach Stuttgart fliegen. New York liegt viel näher."

Mehr dazu ab 17. Januar im Magazin von autobild.tv!

Autor: Joachim Staat



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