Chrysler Crossfire

Fahrbericht Chrysler Crossfire Fahrbericht Chrysler Crossfire

Chrysler Crossfire

— 27.03.2003

Voll cross, dieser Karmann-Chrysler

Ein Amerikaner made in Germany. Karmann macht’s möglich: In Osnabrück rollt der Crossfire mit den Erbanlagen des SLK vom Band.

Chrysler mit Mercedes-Benz-Technologie

Letzte Abnahmefahrt für den Chrysler Crossfire. Mit von der Partie: Firmenchef Wolfgang Bernhard, der Projektleiter Art Anderson und sechs Autos. Aus Osnabrück hat Karmann zwei nagelneue Crossfire überstellt, ein Modell mit Schaltgetriebe und eines mit Automatik. Die Staffage bilden vier Vergleichsfahrzeuge: der Nissan 350Z, ein Porsche Boxster, Alfa GTV und ein Audi TT quattro. Kein SLK? Nein, kein SLK. Denn wenn der Crossfire das in die Jahre gekommene Cabrio-Coupé ins Kreuzfeuer genommen hätte, wäre die Strahlkraft des Sterns wohl ernsthaft in Gefahr gewesen.

Der Crossfire kam Januar 2001 als Showcar. Schon ein Jahr später debütierte in Detroit das Serienmodell, das seit November 2002 bei Karmann vom Band läuft. Die extrem kurze Entwicklungszeit verdanken die notorisch klammen Berufsoptimisten aus Auburn Hills dem Wohlwollen des Automotive Council, der obersten Produktinstanz von DaimlerChrysler.

Dieses Gremium spendierte dem Coupé die Karosseriestruktur, das Fahrwerk und den Antriebsstrang des aktuellen SLK, der Anfang 2004 abgelöst wird. Das Resultat: Mercedes-Teilenummern ziehen sich wie ein roter Faden durch fast 40 Prozent der Crossfire-Wertschöpfungskette.

Die schönste Heckklappe der Welt

Die Nähe zum SLK bemerkt man schon beim Einstieg. Der Radstand ist 2,40 Meter kurz, die unverändert übernommenen Schottwände begrenzen die Beinfreiheit, und das Dach mit dem markanten Mittelscheitel zwingt Sitzriesen zur leicht geduckten Demutshaltung.

Vor uns macht sich die imposante Kulisse des reichhaltig bestückten Armaturenbretts breit, hinter uns versteckt sich der 260 Liter kleine Kofferraum, über den sich die derzeit schönste Heckklappe der Welt wölbt. Der Crossfire ist nicht nur der kompakteste und sportlichste Chrysler, den es je gab, sondern auch der mit Abstand am besten verarbeitete: Materialauswahl und Fertigungsqualität haben echtes Mercedes-Niveau.

Die Ausstattung lässt ebenfalls kaum Wünsche offen. Elektrisch verstellbare Ledersitze sind ebenso serienmäßig wie eine klangstarke Musikanlage, vier Airbags und sechs Gänge. Kritik? Für ein Schiebedach fehlt der Platz im Dach, für Xenonlicht fehlt in Amerika die Nachfrage, und für Schaltwippen im Lenkrad fehlte die Entwicklungszeit. Dafür ist das auf Wunsch lieferbare Autostick-Getriebe keine biedere Chrysler-Vierstufenbox, sondern eine echte Mercedes-Automatik mit fünf Gängen und Tipshift-Funktion.

Vollgasröhren und Teillastbrabbeln

Der 3,2-Liter-V6 – auch von Mercedes-Benz – klingt im Crossfire wie eine Mischung aus Wagner und Hip-Hop. Auf das kehlige Ansauggurgeln folgt ein kerniges Vollgasröhren, das beim Gaswegnehmen einem sonoren Teillastbrabbeln weicht.

Der Dreiventiler ist zwar deutlich schwächer auf der Brust als das allerneueste 3,7-Liter-Aggregat von Mercedes-Benz, doch er beschleunigt den Zweisitzer mit dem Acht-Augen-Gesicht in strammen 6,7 Sekunden von null auf 100 km/h und sorgt für eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h. Der Verbrauch pendelt je nach Fahrweise zwischen elf und 13 Litern – ein durchaus akzeptabler Wert.

Wir raten zur Automatik, die spontan reagiert, butterweich schaltet und perfekt abgestuft ist. Das Sechsganggetriebe arbeitet dagegen mit langen Wegen, wirkt wenig präzise und ist mit einer viel zu passiven Kupplung gestraft. Spielraum für Verbesserungen bietet auch die Kugelumlauflenkung, die nicht so prompt anspricht wie die besonders aufmerksamen Zahnstangen-Arrangements im Audi, Nissan und Porsche. Außerdem hat der Wendekreis mit 11,5 Metern fast schon Lieferwagen-Format.

19-Zöller mit weichen Flanken serienmäßig

Trotzdem ist das Fahrwerk die Schokoladenseite des Crossfire. Das liegt zu gleichen Teilen an den ausgewogenen SLK-Erbanlagen und an der gelungenen Chrysler- Abstimmung. Die Kombination aus präzisem Einlenken, sicherer Straßenlage und intuitivem Handling macht Lust auf mehr Kurven, mehr Gas, mehr Grinsen und ungläubiges Kopfschütteln.

Sein fast schon telepathisches Ansprechverhalten verdankt der Dynamiker aus Detroit nicht zuletzt der extrem verwindungssteifen Karosserie, die in diesem Kriterium sogar den Porsche 911 zu toppen scheint. Während selbst der 500 PS starke SL 600 mit 18-Zoll-Hinterrädern vorlieb nehmen muss, darf der Crossfire sein Drehmoment über serienmäßige 19-Zöller in Vortrieb umsetzen. Zu viel des Guten? Keineswegs. Weil Michelin spezielle Reifen mit besonders weichen Flanken zusammengemixt hat, rollt der Chrysler sogar noch geschmeidiger ab als die Konkurrenz. Allergische Reaktionen auf Spurrinnen und Acquaplaning sind allerdings nicht auszuschließen.

Absolut zeitgemäß ist das große Sicherheitspaket mit vier Scheibenbremsen (vorn innenbelüftet), Bremsassistent, dynamischer Bremskraftverteilung, ABS, ESP und Reifendruck-Kontrollsystem. Unterm Strich bleibt eine verblüffende Erkenntnis: In puncto Fahrdynamik, Komfort, Verarbeitung und Ausstattung bietet der Crossfire Mercedes-Niveau.

Nur das Design und der Preis, der bei rund 33.000 Euro liegen soll, lassen erkennen, dass dieses Coupé ein Chrysler sein will. Doch selbst in Zeiten wie diesen dürfte die Jahresproduktion mit 20.000 Einheiten – davon 1500 für Deutschland – viel zu knapp bemessen sein. Freuen wir uns also auf den Verkaufsstart im Herbst – und auf 2005. Denn dann folgt das Cabrio ...

Technische Daten

Es ist kein Zufall,dass der Crossfire bei Karmann in Osnabrück gebaut wird. Die Cabrio-Experten sind langjährige Partner von Mercedes-Benz (SLK-Dach, CLK Cabrio) und haben auch den Kompakt-Van Vaneo entwickelt. Um den Crossfire kostengünstig auf die Räder zu stellen, griff DaimlerChrysler ins Regal und spendierte Antriebsstrang und Radaufhängungen vom SLK, der nächstes Jahr abgelöst wird. Es ist übrigens nicht der erste US-Auftrag. In den 70ern baute Karmann 281 Exemplare vom 4,80-Meter-Coupé AMC Javelin.

Technische Daten • Sechszylinder-V-Motor • drei Ventile je Zylinder • Hubraum 3199 cm3 • Leistung 160 kW (218 PS) bei 5700/min • max. Drehmoment 310 Nm bei 3000/min • Heckantrieb • Sechsganggetriebe • Doppelquerlenkerachse vorn, Raumlenkerachse hinten • Kugelumlauflenkung • Scheibenbremsen, ESP • Tankinhalt 60 Liter • Länge/Breite/ Höhe 4058/1766/1305 mm, Radstand 2400 mm • Reifen vo. 225/40 ZR 18, hi. 255/35 ZR 19 • Leergewicht 1360 kg • 0–100 in 6,7 s, Spitze 240 km/h • Preis ca. 33.000 Euro

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