Chrysler Crossfire und Mercedes-Benz SLK

Chrysler Crossfire und Mercedes-Benz SLK Chrysler Crossfire und Mercedes-Benz SLK

Chrysler Crossfire und Mercedes-Benz SLK

— 11.04.2003

Ein Chrysler – und sein Original

Voller Freude begrüßen wir den Crossfire. Und stellen fest: Chrysler hat sich munter im Mercedes-Benz-Regal bedient. Ist der bullige US-Sportler somit nur ein Abklatsch des SLK?

Chrysler-Schick mit dicken SLK-Farbtupfern

Schwarz und Weiß. Bei der Fusion im Jahr 1998 zogen die Verantwortlichen noch eine scharfe Grenze zwischen Daimler-Benz und Chrysler. "Kein Komponentenaustausch zwischen den Marken", versicherte Mercedes-Benz-Chef Jürgen Hubbert.

Alles Schnee von gestern. Rund fünf Jahre später bekommen wir – nach dem schwäbischen Diesel-Doping für die Chrysler-Modelle PT Cruiser und Grand Cherokee – nun ein echtes Gemeinschaftsprodukt zu sehen: den Crossfire. Das Konzept brauchte nur 24 Monate vom Showcar zur Seriereife. Und soll dem US-Hersteller auch anspruchsvollere Kunden sichern.

Auf den ersten Blick ein neues Auto – ein richtiger Sportwagen. Doch der Eindruck täuscht. Unter dem weißen Lack klingt Chryslers Hoffnungsträger eher vertraut schwäbisch. Denn zur kräftigen Kostensenkung wurden ihm in wesentlichen Belangen dicke SLK-Farbtupfer verabreicht. Motor, Getriebe, Fahrwerk und sicherheitsrelevante Teile der Karosseriestruktur stammen vom schwarz lackierten deutschen Bruder.

Der Innenraum "duftet" nach Mercedes-Benz

Frisch, frech und sehr selbstsicher steht unser blütenweißer Testwagen in der kalifornischen Sonne. Sensationell, was Chrysler – respektive Karmann (wie die Basis des Mercedes-Benz SLK wird der Crossfire in Osnabrück gebaut) – da auf die Räder gestellt hat. Ein Sportcoupé im Stil amerikanischer Hotrods: lange Haube, flaches Dach, kecker Knackarsch.

Einsteigen und tief durchatmen. Man riecht die Zusammenarbeit sogar. Der Innenraum "duftet" nach Mercedes-Benz. Und sieht – bis auf das Chrysler-Lenkrad – auch ähnlich aus. Formen und Funktionen wie im Benz. Nur sind Regler und Knöpfe nicht schwarz. "Wir sind der erste Hersteller mit silbernen Schaltern", gibt Entwicklungschef Arthur Anderson stolz bekannt.

Der einzig augenscheinliche Unterschied zum SLK-Ambiente: das Armaturenbrett. Die Crossfire-Kunststoffe wirken billiger als das Material von Mercedes-Benz. Dominant: die glänzende Mittelkonsole. Wie der Alu-Schaltknauf nimmt sie silberne Design-Elemente der Hülle auf und führt sie innen fort.

Im Handling hat der SLK das Nachsehen

Eine Drehung am Zündschlüssel erweckt das wohlklingende Aggregat. Heiser wie die schwarze Jazz-Legende Billie Holiday haucht es seinem Publikum samtigen Sechszylinder-Soul entgegen. Präsent, aber dezent. Stimmlich ebenso unaufdringlich und kultiviert wie der Baby-Benz. Mit dem teilt sich der Chrysler das Organ: 3,2-Liter-V6-Zylinder aus dem Hause Mercedes-Benz.

Souverän der Antritt: Mit 218 PS und dem bärigen Drehmoment von 310 Newtonmetern beschleunigt der 1388 Kilo schwere Crossfire – passend zu seiner muskelbepackten Optik – wie ein weißer Ben Johnson. Nach 6,7 Sekunden überquert er die Tempo-100-Marke, dem hakeligen Sechsgangschaltgetriebe aus Stuttgart zum Trotz (erstmals bei Chrysler eingesetzt, ebenso wie die Fünfstufenautomatik des SLK). Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 240 km/h.

Insgesamt ist der Deutschamerikaner spritzig und agil. Der wohl leichtfüßigste Chrysler aller Zeiten – danke, Mercedes-Benz. Die Lenkung ist extrem direkt. Enge Kurven sind eine wahre Wonne. Die nimmt der Wagen wendig wie ein Haken schlagender Schneehase. Daran hat das Fahrwerk entscheidenden Anteil. Das Stuttgarter Grundgerüst wurde überarbeitet und etwas straffer und sportlicher abgestimmt. Im Handling hat der Crossfire damit einen klaren Vorteil gegenüber dem eher komfortorientierten SLK. Trotzdem ist das Sportcoupé ausbalanciert. Auch bei abgeschaltetem ESP muss man den Crossfire schon sehr reizen, um ihn zum Heckschwenk zu bewegen.

Crossfire zeigt das neue Chrysler-Gesicht

Optisch ist der weiße Wagen eine Wucht, daneben der betagte SLK richtig bieder. Durch die leichte Neigung der Klarglasaugen und dem breiten Kühlergrill (ähnelt der aktuellen Mercedes-Benz-Generation) wirkt die Front futuristisch. Mit diesem ernsthaften Ausdruck, laut Export- und Marketingchef Thomas Hausch "das neue Gesicht von Chrysler", blicken auch kommende Modelle (etwa der Airflite) in die Zukunft.

Klein, fein, tolles Design – diese eingängige Formel beschreibt den Crossfire-Look sicher am besten. Damit die lange Motorhaube nicht zu steril wirkt, wurde sie mit sechs schicken Sicken versehen. Breite Schweller und riesige Räder verleihen dem Zweisitzer muskulöse Seiten. Eine überhängende Kante prägt die hohe Gürtellinie. Auf Höhe der Außenspiegel "verdreht" sie sich. Diesem Detail verdankt der Wagen übrigens seinen Namen.

Leichtmetall im Sieben-Speichen-Design ziert den Chrysler-Fuß. Vorn steht der Crossfire auf mächtigen 18-Zöllern und 225er-Pneus. Auf der Antriebsachse sind sogar 19 Zoll und 255er Serie. Das sorgt für besseren Grip und eine dynamische Optik. Die Stuttgarter setzen hingegen auf einen schlanken Schuh, schicken ihren Roadster mit 16-Zoll-Rädern rundum (205er vorn, 225er hinten) auf die Straße. Im direkten Vergleich zum Crossfire wirkt der Benz damit brav und eine Nummer kleiner.

Mit breiten Backen auf "Braut-Schau"

Ganz anders der Ami: Mit breiten Backen zieht der US-Sportler die Blicke auf sich. Die begeisterten Passanten rücken während unserer Fotoproduktion an der Hafenpromenade von San Diego immer näher. Das unbekannte Coupé erregt Aufsehen, auf einen Chrysler hätten die wenigsten getippt.

Das zusammenfließende Rundheck ("boat tail") wirkt bullig und gedrungen. Zusammen mit den wohlgeformten Kotflügeln – ausgestellt wie beim Porsche 911 – verschafft es dem Wagen optisch Breite. Neuentwicklung der Chrysler-Truppe: der versteckte Heckflügel. Ab 92 km/h fährt er automatisch aus, verbessert den Abtrieb. Nebenwirkung: Die wegen massiger C-Säule ohnehin schlechte Sicht durch das winzige Heckfenster – es stört vor allem beim Rückwärtseinparken – geht nahe null.

Konsequent: die Konzentration zur Fahrzeugmitte. Wie ein Bootskiel läuft eine Kante von der Motorhaube bis zu den eckigen Endrohren. Wirkt schick und schnittig. Genau wie die Silberakzente: Motorabdeckung, Türgriffe, Felgen, Streben an den Seitenkiemen. Die silberne Einfassung der Windschutzscheibe trennt streng Front- und Heckpartie des Crossfire.

Fazit und Technische Daten

20.000 Fahrzeuge will Chrsyler jährlich bauen, davon 17.000 für die USA. Von den übrigen 3000 bleiben zirka 900 in Deutschland. 2005 kommen wohl Kompressorvariante von PVO (Performance Vehicle Operations) und Cabrio. Nordamerikanisches Design mit schwäbischer Funktionalität – der Crossfire mehr Deutscher als Amerikaner. Und genau das ist seine Chance.

Fazit Kein Yin ohne Yang, kein Schwarz ohne Weiß und kein Crossfire ohne Mercedes-Benz. So haben es die Konzernstrategen von DaimlerChrysler entschieden. Etwa 39 Prozent der Teile für das kernige Chrysler-Coupé stammen vom scheidenden SLK (Nachfolger kommt 2004). Gut für den Crossfire. Der Amerikaner aus Osnabrück wird damit zum vorläufigen Aushängeschild seiner Marke. Fahreigenschaften, Verarbeitungsqualität und Ausstattung sind auf hohem Niveau. Mit 35.000 Euro aber leider auch der Preis.

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