Chrysler-Krise

Chrysler-Krise

— 10.04.2007

Kerkorian startet Charme-Offensive

US-Multimilliardär Kirk Kerkorian verstärkt seine Bemühungen um eine Chrysler-Übernahme. Das Angebot für den angeschlagenen Konzern beträgt 4,5 Milliarden Dollar.

Der amerikanische Multimilliardär Kirk Kerkorian und weitere Interessenten werben bei der mächtigen US-Autogewerkschaft UAW jeweils für ihre Übernahmeangebote für die Chrysler Group. Er wolle im Falle der Übernahme der schwer angeschlagenen US-Tochter von DaimlerChrysler eine "wahre Partnerschaft" der Investoren mit den Beschäftigten und dem Management, hieß es in einer Erklärung von Kerkorians Investmentfirma Tracinda. Dies gelte für gewerkschaftlich organisierte wie für nicht zu Gewerkschaften gehörende Mitarbeiter.

Das Unternehmen hatte zuvor völlig überraschend 4,5 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) für die unter Milliardenverlusten leidende US-Autosparte des DaimlerChrysler-Konzerns geboten. Dabei hatte Tracinda der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft UAW (United Auto Workers) und damit den Chrysler-Beschäftigten sowie dem Management eine Beteiligung am Unternehmen in Aussicht gestellt. Offensichtlich wollen sich neben Tracinda aber auch andere Chrysler-Interessenten die Unterstützung der Gewerkschaft sichern, indem sie den Chrysler-Arbeitern eine Beteiligung anbieten.

UAW-Präsident Ron Gettelfinger habe entsprechende Offerten in einem Rundfunk-Interview bestätigt, berichtete die Onlineausgabe der "Detroit News". "Wir haben dies von anderen interessierten Parteien gehört, mit denen wir Gespräche geführt hatten", sagte der mächtige Gewerkschaftsboss. Er habe aber bislang mit Niemandem von Tracinda gesprochen. Gettelfinger wollte sich nicht dazu äußern, ob die Gewerkschaft Aktienbesitz von Mitarbeitern an Chrysler befürwortet oder ablehnt. Er hatte jedoch in der Vergangenheit Investmentfirmen wegen der Ausschlachtung und dem anschließenden Weiterverkauf von Vermögenswerten angeschlagener Unternehmen scharf kritisiert. Für Chrysler sollen auch Offerten der Investmentfirma Cerberus Capital Management, einer Partnerschaft der Privatinvestoren Blackstone Group und Centerbridge Partners sowie des kanadischen Zulieferers und Autoherstellers Magna International vorliegen.

Der Vorstandschef des DaimlerChrysler-Konzerns, Dieter Zetsche, hatte Gespräche mit Interessenten bestätigt, aber keine Namen genannt. Bis auf Tracinda haben sich die potentiellen Kaufinteressenten bisher noch nicht selbst öffentlich geäußert. Der Wettbewerb in der Automobil-Branche sei brutal, vor allem im Chrysler-Hauptmarkt Nordamerika, erklärte Tracinda in der neuen Mitteilung. "Der einzige realistische Chrysler-Plan ist einer, an dem alle Parteien gleichermaßen teilhaben, ohne dass eine Gruppe, einschließlich Tracinda selbst versucht, unfaire Vorteile gegenüber den anderen zu gewinnen", hieß es weiter. Ein solches Vorgehen könne keiner Gruppe aufgezwungen werden. Es sei nur erreichbar, falls alle beteiligten Parteien das Gefühl hätten, sie würden einen "fairen Deal" hinbekommen.

Dies zeigt nach Ansicht amerikanischer Autoexperten, dass eine erfolgreiche Übernahme von Chrysler und die angestrebte Sanierung wahrscheinlich nur mit Zustimmung der Gewerkschaften und der Mitarbeiter möglich sind. Sie sollen zur Sanierung von Chrysler beitragen, indem sie weitere Konzessionen an der Tariffront und bei der Bewältigung der riesigen Krankenversicherungs- und Betriebsrentenkosten sowie dem notwendigen Kapazitätsabbau machen. Nach Darstellung der Zeitung "Detroit News" wird das Chrysler- Verkaufsverfahren in dieser Woche beschleunigt. DaimlerChrysler-Manager wollten demnach gemeinsam mit der Investmentbank J.P. Morgan Chase einen einzelnen Bieter für exklusive Verkaufsgespräche auswählen. Dies solle möglicherweise gegen Ende April geschehen.

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