Chrysler-Krise

Chrysler-Krise

— 15.02.2007

Schwankender Gigant

Einen Tag nach Ankündigung des harten Sanierungsprogramms herrscht Rätselraten um die Zukunft der Marke Chrysler.

/dpa Der sichtlich mitgenommene Vorstandschef Dieter Zetsche hatte am 14. Februar angekündigt, neben dem harten Sanierungsprogramm "weitere strategische Optionen" für Chrysler zu prüfen und ausdrücklich betont, keine Option ausschließen zu wollen. Unter Analysten werden nun vor allem drei Szenarien durchgespielt: Ein Verkauf von Chrysler, eine Abspaltung als erneut eigenständiges Unternehmen und strategische Allianzen mit anderen Autobauern. In US-Medien geisterte am Donnerstag (15. Februar) aber auch noch eine vierte, eine unausgesprochene Alternative umher: das Aus für Chrysler.

Sowohl eine Abspaltung als auch das Ende sind im Augenblick eher theoretische Optionen. Chrysler wieder in ein eigenständiges Unternehmen zurückzuverwandeln, dürfte ausgeschlossen sein, da die meisten Experten das Unternehmen alleine nicht mehr für lebensfähig halten. Chrysler braucht einen starken Partner im Hintergrund, der einspringt, wenn es Ärger gibt. Als wahrscheinlicher gelten schon ein Verkauf oder Kooperationen mit anderen Autobauern, beispielsweise bei einzelnen Komponenten wie Motoren oder Getriebe bis hin zu kompletten Plattformen.

Presseberichten zufolge verhandelt Zetsche bereits mit dem Chef von General Motors (GM), Rick Wagoner, über einen Verkauf. Zetsche selbst wollte sich dazu nicht äußern, Branchenexperten halten dies aber für unwahrscheinlich. "Der Fokus wird darauf liegen, Chrysler erst einmal profitabel zu machen", sagt Analyst Marc-Rene Tonn von M.M. Warburg. Bis dahin dürfte es ohnehin schwierig sein, einen Käufer zu finden.

Keine besonders verlockenden Optionen für einen möglichen Käufer also. Dennoch betonen einige Experten auch den Charme eines Einstiegs bei Chrysler. "Wir wären nicht überrascht, wenn es lebhaftes Interesse an Chrysler gäbe", schreibt die Bank of America in einer Studie. Schließlich hätte der Käufer mit einem Schlag einen Fuß auf dem hart umkämpften, aber lukrativen amerikanischen Automarkt. Hinzu komme die Marke Jeep, die nach wie vor einen guten Klang habe. Neben möglichen Investoren aus Fernost wird hier vor allem die Karte Renault/Nissan gespielt, wenngleich es nach Einschätzung von Branchenkennern hier eher auf eine Kooperation hinauslaufen dürfte denn auf eine Übernahme.

Autor: Jan Kretzmann

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