Chrysler-Verkauf

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Chrysler-Verkauf

— 15.05.2007

Das Ende einer Auto-Ehe

Chrysler ist verkauft, Daimler-Chef Dieter Zetsche verabschiedet sich von der Vision eines weltumspannenden Autokonzerns. Wie geht es weiter?

"Die Synergien waren ausgeschöpft"

Der Chef der künftigen Daimler AG, Dieter Zetsche, hat sich nach der verkündeten Trennung vom US-Autobauer Chrysler und dem Ende von DaimlerChrysler erleichtert gezeigt. Chrysler hatte dem Stuttgarter Autokonzern Milliarden-Verluste in 2006 beschert. "Es war also klar, dass wir eine Lösung finden mussten. Und wir haben die richtige Entscheidung getroffen", sagte Zetsche. Zugleich betonte der Vorstandschef, dass ihm die Entscheidung zum Verkauf an den US-Finanzinvestor Cerberus nicht leicht gefallen sei. Zetsche hatte im Jahr 2000 mit der Sanierung des angeschlagenen US-Autobauers begonnen und zunächst mehrere Standorte geschlossen und insgesamt 26.000 Jobs abgebaut.

Laut Zetsche waren die Synergien zwischen Mercedes und Chrysler ausgeschöpft. "Darüber hinausgehende Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sind angesichts der unterschiedlichen Segmente begrenzt", erklärte der Konzernchef. Für Daimler war demnach der US-Markt zu schwierig: "Nicht zuletzt bedeuten die starke Volatilität und der Preisdruck im nordamerikanischen Kernmarkt von Chrysler für DaimlerChrysler insgesamt zunehmend einen Abschlag bei Profitabilität und Aktienkursentwicklung."

Tausende Chrysler-Jobs fallen weg

DaimlerChrysler hatte Anfang 2007 bereits die Weichen für eine weitere Sanierung gestellt. Dabei sollen weitere 13.000 Stellen eingespart werden. Das konsolidierte Unternehmen will der neue Eigentümer Cerberus wieder an die Spitze der nordamerikanischen Auto-Hersteller führen. "Chrysler soll in den USA an erster Stelle stehen", sagte der Chef des Finanzkonzerns, John Snow.

Der frühere US-Finanzminister sagte, er unterstütze die Pläne von Chrysler-Chef Tom LaSorda, wonach der Hersteller umgebaut werden soll. "Es gibt eine Chance für mehr Wachstum", betonte der Cerberus-Chef. DaimlerChrysler hatte mitgeteilt, dass es den größten Teil seiner US-Sparte neun Jahre nach der Fusion wieder abstoßen will. Demnach übernimmt Cerberus 80,1 Prozent der Anteile an Chrysler, Daimler behält 19,9 Prozent.

Cerberus erhält 80,1 Prozent von Chrysler, Daimler bleiben 19,9 Prozent.

Cerberus zahlt für die Mehrheit an Chrysler 5,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig rechnet der bisherige Mutterkonzern DaimlerChrysler mit einer Belastung von drei bis vier Milliarden Euro für das Nettoergebnis in diesem Jahr, wie aus einer Ad-hoc-Mitteilung hervorgeht. Die Transaktion ist kompliziert. Von den 5,5 Milliarden fließen 3,7 Milliarden in das Chrysler-Industriegeschäft und 800 Millionen in das Finanzdienstleistungsgeschäft, um die Eigenkapitalbasis der beiden Unternehmensteile zu stärken.

Unterm Strich belastet der Verkauf Daimler

Eine Cerberus-Milliarde geht an den bisherigen Mutterkonzern, der dem Chrysler-Industriegeschäft wiederum ein 300-Millionen-Euro-Darlehen gewährt. Da das Industriegeschäft der Chrysler Group laut Vertrag komplett schuldenfrei übergeben werden soll, entstehen für DaimlerChrysler Kosten von 1,2 Milliarden Euro. Damit bleibt unterm Strich eine Cash-Belastung von 500 Millionen Euro. Zusätzlich legen die Stuttgarter 650 Millionen Euro für langfristige Chrysler-Schulden hin.

Einen weiteren personellen Kahlschlag bei Chrysler als bereits geplant erwartet der Daimler-Chef hingegen nicht. "Es kann höchstens zu kleineren Anpassungen kommen", sagte Zetsche. Grundsätzlich habe das Management aber seine Hausaufgaben gemacht. Der Vorstandsvorsitzende in Stuttgart: "Der Autobauer ist gut aufgestellt." Daimler will als Anteilseigner der Minderheit an Chrysler künftig weiter in den Bereichen Einkauf, der Entwicklung von konventionellen und alternativen Antrieben und auch im Vertrieb weiter zusammenarbeiten.

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Ist es das Ende der "Welt AG"?

Zumindest von der "Welt AG" die sich der Ex-Vorstandschef Jürgen Schrempp erträumt hatte. Dieser hatte die Fusion im Mai 1998 zwischen Daimler-Benz und der Chrysler Corp. auf den Weg gebracht. Schrempp ging davon aus, dass ein Autohersteller langfristig eine gewisse Größe – gemessen an der Zahl verkaufter Autos – haben müsse, um unabhängig überleben zu können. Während die "Welt AG" auf der Pkw-Seite fehlgeschlagen ist, gelang sie bei den Nutzfahrzeugen: Mit Mercedes-Benz Lkw, Mitsubishi Fuso in Japan und Freightliner in den USA ist Daimler weltweit vertreten.

Warum scheiterte die Fusion?

Versuch gescheitert: Chrysler kam nicht in die Erfolgsspur.

Die Suche nach Synergien wurde nur zögerlich angegangen. Gemeinsame Fahrzeug-Plattformen von Mercedes-Benz und Chrysler wurden ausgeschlossen; es sollte nur gemeinsame Teile in Bereichen geben, die vom Käufer nicht bemerkt werden. Ebenfalls kritisiert wurde, dass Chrysler der falsche Partner für Daimler war. Regional passten die beiden Hersteller zwar zusammen, doch die US-Marke gilt schon seit Jahrzehnten als äußerst anfällig für Konjunkturschwankungen und hat in der Vergangenheit schon mehrere schwere Krisen durchlebt. Außerdem fehlte dem Konzern am Ende die Managementkapazität, um die gleichzeitig auftretenden Probleme bewältigen zu können.

Die künftige Daimler AG hält 19,9 Prozent der Anteile an Chrysler. Mercedes-Benz soll nach den Vorstellungen von Dieter Zetsche auch künftig davon profitieren, dass die Stuttgarter gemeinsam mit Chrysler verschiedene Teile einkaufen, im Vertrieb und bei Finanzdienstleistungen kooperieren sowie konventionelle und alternative Antriebe gemeinsam entwickeln sowie Motoren an Chrysler liefern. Ob Chrysler und Mercedes-Benz auch künftig Vorteile aus der gemeinsamen Verwertung technischer Neuerungen ziehen können, die zuerst Mercedes-Benz und später Chrysler zugutekommen, ist offen.

Ist der Verkauf ein gutes Geschäft für Daimler?

Der Verkauf von Chrysler gleicht für Daimler einem Nullsummenspiel, da man zwar Geld bekommt, sich damit aber gleichzeitig aus den Verpflichtungen bei Chrysler herauskauft. Der US-Finanzinvestor Cerberus zahlt 5,5 Milliarden Euro für 80,1 Prozent der Chrysler Group. Von den 5,5 Milliarden Euro, die Cerberus bezahlt, fließen 4,5 Milliarden Euro zurück an Chrysler, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Daimler wiederum gewährt ein Darlehen und übernimmt Vorfälligkeitsentschädigungen, was in der Summe noch einmal knapp eine Milliarde Euro ausmacht. Für Daimler bleibt unter dem Strich ein Verlust von 500 Millionen Euro, weil der Konzern Beratungs- und sonstige Kosten tragen muss. Mit dem Verkauf entledigt sich Daimler aber der Verpflichtungen für Pensionen und Gesundheitsfürsorge in Höhe von knapp 14 Milliarden Euro.

Wer ist Cerberus?

Lange wurde spekuliert, dass Chrysler an einen strategischen Partner geht, etwa an den Autozulieferer Magna. Dass jetzt Cerberus den Zuschlag erhält, ist überraschend. Aber offensichtlich hat letztlich der Preis den Ausschlag gegeben. Cerberus, benannt nach dem Höllenhund in der griechischen Sage, ist eine US-amerikanische Private-Equity-Gesellschaft. 1992 von Stephen Feinberg gegründet, gehört das Unternehmen zu den Top fünf der weltweiten Private-Equity-Branche. Bis heute wurden 25 Milliarden Dollar in mehr als 300 Unternehmen investiert. Aktuell verwaltet die Gesellschaft knapp 13 Milliarden Dollar an Vermögen, vor allem von Pensionsstiftungen und wohlhabenden Privatpersonen. In Deutschland investiert Cerberus vorwiegend in Immobilien.

Warum ist der Verkauf an Magna gescheitert?

Noch Ende vergangener Woche deutete alles darauf hin, dass der kanadische Autozulieferer Magna den Zuschlag für Chrysler erhalten würde. Nach den Worten von Konzernchef Dieter Zetsche war das Angebot von Cerberus jedoch bei den fünf wesentlichen Punkten – nachhaltiger Zukunftserfolg von Chrysler, Reduzierung von Risiken für Daimler in der Zukunft, Sicherheit der Transaktion, Geschwindigkeit der Umsetzung sowie Wert der Transaktion – besser als das von Magna.

Was geschieht mit Konzernchef Dieter Zetsche?

Klares Ziel vor Augen: Daimler setzt ab jetzt voll auf Mercedes und Maybach.

Dieter Zetsche war der Retter von Chrysler und hat eine emotionale Bindung zu der US-Marke. In seiner Zeit zwischen den Jahren 2000 und 2005 schloss er bei der amerikanischen Industrie-Ikone mehrere Fabriken, baute Zehntausende Stellen ab, brachte aber auch zahlreiche neue Modelle auf den Weg. Trotz des Stellenabbaus genoss er das Vertrauen der Chrysler-Beschäftigten. Dass die US-Marke erneut in die Krise geraten ist, wurde dem seit 1. Januar 2006 amtierenden DaimlerChrysler-Vorstandschef als Makel angeheftet. Nach der Trennung von Chrysler muss sich Zetsche nun beweisen. "Jetzt muss er zeigen, dass er ein Unternehmen nicht nur durch Personalabbau sanieren, sondern auch nachhaltig etwas bewirken kann", heißt es aus Unternehmenskreisen.

Was wird aus der künftigen Daimler AG?

Durch den Verkauf von Chrysler ist Daimler nun wieder auf einen Hersteller luxuriöser Automobile reduziert. Die Mercedes Car Group mit den Marken Mercedes-Benz und Maybach verkaufte im vergangenen Jahr 1,25 Millionen Autos. Die Größenvorteile beim Einkauf oder der Forschung und Entwicklung, die man zunächst durch die Fusion mit Chrysler erzielen wollte, lassen sich künftig auch durch weitere Kooperationen mit anderen Herstellern erreichen. Weiteres Volumenwachstum kann die Marke Mercedes-Benz durch die Abrundung der Modellpalette nach unten erreichen. Auch bei der Luxusmarke Maybach ist ein Einstiegsfahrzeug denkbar. Daimler soll laut Zetsche nachhaltig aus eigener Kraft wachsen, Weltmarktführer für Premium-Fahrzeuge in jedem Marktsegment sein, in dem das Unternehmen tätig ist.

Welche Chancen hat Chrysler?

Der drittgrößte Autobauer der USA geht schwierigen Zeiten entgegen. Der US-Finanzinvestor Cerberus, der einen weiteren Stellenabbau ausschließt, wird voraussichtlich versuchen, Chrysler internationaler aufzustellen und den Konzern unabhängiger vom US-Markt zu machen. Gleichzeitig wird Cerberus sich wohl darum bemühen, weitere Partner für Chrysler zu finden. Nach eigenem Bekunden will sich Cerberus langfristig bei Chrysler engagieren.

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