Chrysler Viper GTS

Chrysler Viper GTS Chrysler Viper GTS

Chrysler Viper GTS

— 12.02.2002

Geiles Gift

Eine der giftigsten Sportwagen-Arten überhaupt: der Chrysler Viper GTS. Gegenmittel: keine. Folgen: chronische Gasfuß-Lähmung und akute Finanznot.

Suchtgefahr inklusive

Vorschlag: Wir geben den Moralaposteln frei, schicken unseren persönlichen Waigel in den Urlaub und die Schwiegermutter zur Kur. Um dann Spaß zu haben, und zwar in der Anstaltspackung. Mit der Freundin, an der Theke - oder am Steuer eines Viper GTS. Die ihre Fangzähne irgendwo zwischen automobilem Un- und Wahnsinn direkt in unser Lustzentrum bohrt, uns mit ihrem geilen Gift zu willenlosen Speed-Junkies macht. Denn der Viper ist nicht irgendein Auto, sondern eine in Kunststoff gepreßte Anzüglichkeit, ein Aphrodisiakum auf Rädern.

Allein diese Schnauze. Supergiftig und eben genau das, was jeder denkt und keiner sagt. Eine 1,57 Meter lange Verherrlichung männlicher Potenz. Und in dieser Farbe fällt das Ganze locker unters Jugendschutzgesetz. Galt bisher Blau mit zwei dicken weißen Längsstreifen als einzig wahre GTS-Kriegsbemalung, versprüht Chrysler jetzt dieses unverschämt satte und aufreizende Rot. Ferrari läßt grüßen.

Unter der fast drei Quadratmeter großen Haube grüßt ein Lkw-Motor. Mit acht Liter Hubraum und zehn Zylindern. Und natürlich etwas aufgehübscht: ganz in Alu, mit feuerrotem Kopf und armdicken Beatmungsschläuchen. Die verhelfen dem Big Block zu EU-konformen 411 PS (US-Version: 455 PS) und gigantischen 630 Nm. Bei gemütlichen 3600 Touren. Damit läßt sich das Viper-Revier mit dicken schwarzen Strichen markieren, werden Eindringlinge einfach schwindlig gefahren. Denn praktisch ab Leerlaufdrehzahl liefert der Big Block nur noch eines: unverschämt bullige Kraft.

285 km/h Spitze, 630 Nm Drehmoment

Gestandene Männer werden unter seinem mechanischen Brüllen zu kleinen Kindern, die nicht mehr aussteigen wollen. Und wer den Viper richtig reizt, erntet neben einem böse züngelnden Heck eindeutige Rauchzeichen und eine 5,1 bis Tempo 100. Wer sich weiter traut, erlebt den Zeitraffer bis zur Spitze von 285 km/h. Was aber nur bedingt Spaß macht. Die knüppelharte Federung läßt den GTS nervös über Bodenwellen tänzeln, beim Ausdrehen klingt er wie eine Klapperschlange in Blech.

Dafür gehört die Show auch im Stand allein des Viper - selbst wenn nebenan das SLK-Dach auf- und zuschnappt. Nach dem Abstellen lauschen nicht nur Autofreaks andächtig dem Knistern des Big Blocks, der dabei doch kaum weniger Abwärme nach draußen pustet als ein moderner Fünf-Kilo-Wäschetrockner. Nur Verliebte können sich für den Viper nicht recht erwärmen.

Zwischen den ordentlichen Sportsitzen thront der thekenbreite Kardantunnel. Mit 28 Zentimetern verhindert er leider jeden intimen Kontakt. Doch Viper-Fahrer sollten sich ohnehin stärker auf den eng skalierten 360-km/h-Tacho und ihren natürlichen Feind, die Blitzfalle, konzentrieren. Auch sie kriegen in Flensburg keinen Mengenrabatt. Mit dem Tankwart lohnt bei 18,2 Liter Testverbrauch das Verhandeln. Chryslers Werksdrohung von 33,5 Litern innerorts lassen wir unkommentiert. Nur soviel: Der natürliche Lebensraum dieser Giftschlange ist nicht die City.

Power ohne Ende für 165.000 Mark

Die Gattung der Asphalt-Vipern bevorzugt außerdem warmes, trockenes Klima. Regen mögen sie gar nicht, Schnee ist ihnen unbekannt. Und sollte es auch bleiben. Derartig widrige Bedingungen bringen die 335/35er-Walzen hinten sofort aus dem Takt, lassen den Viper unkontrolliert über den Asphalt schwänzeln. Und elektronische Hilfsmittelchen wie ASR (Antriebsschlupfregelung) kennen solche Macho-Boliden natürlich nur vom Hörensagen.

Gute Bremsen leider auch. Mit 41,5 Metern aus Tempo 100 und tatsächlich ohne ABS erfordert der Viper erfahrene Schlangenbändiger. Bei artgerechter Haltung garantiert sie ihnen aber rauschartige Glückszustände. Die auch nötig sind. Nur so lassen sich der Stückpreis von 165.000 Mark, offene Versicherungsklassen (d. h. handeln wie auf dem Basar) und 1285/1610 Mark pro Reifen halbwegs ertragen.

Technische Daten und Ausstattung

Technik Zehnzylinder-V-Motor, vorn längs eingebaut • eine zentral liegende Nockenwelle • Kat • Hubraum 7990 cm3 • Bohrung x Hub 101,6 x 98,6 mm • Verdichtung 9,6:1, Leistung 302 kW (411 PS) bei 5100/min • max. Dreh-moment 630 Nm bei 3600/min • elektronische Benzineinspritzung • Sechsganggetriebe • Heckantrieb, Einzelradaufhängung • Doppelquerlenker • Federbeine • innenbelüftete Scheibenbremsen • Reifen vorn 275/40 • hinten 335/35 ZR 17 • Kofferraum 261 l • Tank 72 l • L/B/H 4488/ 1935/1288 mm

Serienausstattung Fahrer-/Beifahrer-Airbag • Leichtmetallräder • höhenverstellbare Lenksäule • elektrische Fensterheber • CD-Radio • Klimaanlage • Nebelscheinwerfer • Zentralverriegelung mit Fernbedienung und Alarmanlage • Sportsitze mit Teilleder • längs einstellbare Pedale • Lederlenkrad

Testwerte 0 - 130 km/h in 7,9 s • 0 - 200 km/h in 17,9 s

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