Chryslers Concept-Cars

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Chryslers Concept-Cars

— 10.06.2003

Es wird einmal in Amerika

Studien, die begeistern – für Chrysler schon Tradition. Das Beste aber: Bei den Amerikanern werden aus Concept-Cars oft ganz schnell Serienfahrzeuge. Das könnte auch dieses Jahr wieder so sein.

In 2,5 Sekunden von null auf 100 km/h

Dieter Z. ist gerade 50 geworden. Der Chrysler-Chef gehört zu den Topmanagern dieser Welt und wird schon als heißer Nachfolger von Jürgen Schrempp, dem amtierenden Vorstandsvorsitzenden der DaimlerChrysler AG, gehandelt.

Trotzdem soll sich der Zwirbelbartträger mit dem sympathischten Lächeln der Branche beim Anblick der ersten Entwürfe zum Tomahawk aufgeführt haben wie ein halbstarker Twen. Begeistert seien er und sein Daumen in die Höhe geschossen – womit der Bau der Studie beschlossene Sache war.

Wer den Tomahawk sieht, versteht schlagartig, warum selbst ein gestandener Mann diesem Monster nicht widerstehen konnte. Zwischen die Zwillingsräder vorn und hinten pflanzten die Dodge-Designer einfach den 8,3-Liter-V10 aus der Viper. Macht satte 500 PS unterm Hintern, gegen die der Ritt auf einer Kanonenkugel zum Allinclusive-Trip verkommt. Das rund 400 Kilo schwere "Motorrad" soll nach 2,4 Sekunden Tempo 100, maximal 676 km/h schaffen – rein theoretisch, versteht sich.

Moderne Mechanik unter betörendem Blech

Doch es sind nicht allein diese außerirdischen Daten, die Dieter Zetsche so begeistern. Nein, es ist viel mehr der Geist, der sich im Tomahawk offenbart. Er steht für extremes, unkonventionelles, provokantes Denken. Auch wenn dieses Monstrum bestenfalls in Kleinstserie auf die Straße entlassen wird, liefert es die Visionen für morgen.

Und die fehlen den krisengeschüttelten Amerikanern derzeit. Chrysler leidet nicht nur unter schwächelnder Inlandsnachfrage und müdem Dollar, sondern auch unter einer wenig aufregenden Modell- und Designpolitik.

Mit dem Crossfire (gebaut bei Karmann in Osnabrück, ab Herbst im Handel) deuten die US-Jungs aber an, wo die Reise hingehen soll. Moderne Mechanik (z. B. von Mercedes-Benz) unter betörendem Blech – mit dieser Zauberformel will Chrysler sich innerhalb des DC-Konzerns vom Damoklesschwert zur Designermarke wandeln.

Lifestyle-Laster für coole Nonkonformisten

Große Sprüche – und viel dahinter. Das belegen die vier von uns in Florida "gefahrenen" Studien. Den Originalitätspreis gewinnt dabei der Kahuna. Ein Auto, dessen Name so sehr nach Sonne, Sand und Surfen klingt, dass wir die Wellen beim Einsteigen förmlich spüren. Ganz reale good vibrations vermittelt dabei die totale Offenheit des Kahuna. Die rahmenlosen Seitenscheiben verschwinden nahtlos in den Türen, zusätzlich gewährt das riesige Faltdach den sechs auf drei Reihen verteilten Beachboys luftiges Cabrio-Feeling.

Von vorn wirkt der immerhin 4,71 Meter lange Kahuna athletisch wie Surfweltmeister Robby Naish. Die Seitenpaneele in Vogelaugenahorn-Laminat unterstreichen dagegen seine elegante Seite. Ein Thema, das sich im Innenraum nahtlos fortsetzt. Über den holzgetäfelten Fußboden erheben sich Cockpit, Türverkleidungen und Sitze in schwungvoll-eleganter Wellenform – gefühltes Klima wie mitten in der Brandung vor Hawaii.

Dass der Kahuna auch praktisch und funktional sein will, beweist sein Sitzkonzept. Die vorderen Stühle lassen sich um 180 Grad drehen, die hinteren zwei Reihen können komplett flach gelegt werden – wenn zum Beispiel Mountainbikes mitmüssen. Angesichts solcher Flexibilität wundert auch nicht, dass der Kahuna tatsächlich auf einer aktuellen Voyager-Plattform steht – und den variablen, aber auch etwas braven Familien-Van zu dessen Facelift im Jahr 2004/2005 ergänzen soll: als Lifestyle-Laster für coole Nonkonformisten.

Neue Mischung aus Rallye-Coupé und SUV

Einen eigenen Weg reklamiert für sich auch der Dodge Avenger. Wenngleich das sportliche Allrad-Coupé mit vier Türen eigentlich nur das nachholt, was Infiniti (Luxus-Division von Nissan) mit dem FX45 in Amerika schon vorgelegt hat.

Trotzdem sehen die Dodge-Designer in dem Adrenalin-roten Concept-Car die völlig neue Mischung aus europäischem Rallye-Coupé und amerikanischem SUV. Zugegeben, der muskulös modellierte Avenger sieht gut aus – Typ heiße Baywatch-Nixe, nach der Mann sich umdreht (wegen des schicken roten Badeanzugs). Möglich ist neben dem Allradler außerdem ein Basis-Modell mit Frontantrieb, das die Plattform des Mitsubishi Galant nutzt.

Hohe Chancen auf Realisierung besitzt auch der Chrysler California Cruiser, der eine weitere Variante des PT vorführt. Ob das gechoppte, also tiefer gelegte Dach, die extra langen Türen mit nach hinten gerückter B-Säule und das riesige Glasdach den Marsch durch die Institutionen der Kosten-Wächter überleben, ist fraglich. Ebenso, ob die vier zum Bett verwandelbaren Einzelsitze und die versenkbare Heckscheibe es bis in die Serie schaffen. Fest steht dagegen, dass die Optik die Richtung für das nächste PT-Facelift vorgibt.

Der Airflite gibt die Richtung von Chrysler an

Wegweisend für künftige Premium-Produkte aus dem Hause Chrysler zeichnet der Airflite, den wir auf dem Genfer Salon im März 2003 das erste Mal gesehen haben. Das fünftürige Fastback mit der großen Heckklappe beweist unglaubliche Präsenz, lässt für die Zukunft wirklich Großes erwarten – was bei einer Grundfläche von 4,84 mal 1,87 Meter und 1,49 Meter Höhe durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Unter der weit nach hinten gespannten Dachkuppel eröffnet sich so ein luftiger Luxussalon, dessen Einrichtung wir so im nächsten Sebring sehen möchten. Auch wenn der Rotstift unser Anliegen vereiteln dürfte, begeistert die Yacht-Architektur des Luxusliners – bitte bauen.

Diesen Wunsch würden wir beim Tomahawk nie ernsthaft äußern. Dodge arbeitet aber schon am zweiten Modell, das vorn mit nur einem Rad auskommt und dadurch statt 20 rund 35 Grad Lenkwinkel schafft. So soll sich das Ungetüm leichter zähmen lassen. Dieter Z. wird das gerne hören.

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