Citroën Berlingo (ab 1996)

Gebrauchtwagen Citroën Berlingo Gebrauchtwagen Citroën Berlingo

Citroën Berlingo (ab 1996)

— 11.12.2002

Ein Typ für alle Fälle

Manager, Mutter oder Maurer – der Berlingo spricht alle an. Und ist als Gebrauchter ein äußerst gefragter Typ.

Technik und Motor

Handeln statt große Reden schwingen, dafür schätzen wir die Franzosen. Kein deutscher Hersteller hätte sich vor fünf Jahren an so ein mutiges Auto gewagt wie den Citroën Berlingo. Kompakte Abmessungen, je nach Geschmack als Lieferwagen oder Familienkutsche ausgestattet – einfach ein Auto für jeden Einsatzzweck. Zwischen 624 und 2800 Liter transportiert die Blechkiste bei einer Länge von nur 4,1 Metern.

Wertstabil war ein Citroën noch nie, dank Facelift zum Jahreswechsel werden die Berlingo- Preise etwas stärker nachgeben. Geschenke gibt es dennoch nicht, denn trotz ihrer Schwächen sind diese Autos begehrt. Und Schwächen gibt es mehr als genug, wie auch unser Testwagen beweist. Nach Demontage der Motorabdeckung zeigte sich, dass Motor und Schaltgetriebe an mehreren Stellen teilweise recht stark leckten. Besonders betroffen war die Ölwannendichtung, die auch in unserer Leserpost auffallend oft erwähnt wird.

Da der TÜV die Hauptuntersuchung ohne Zerlegearbeit vornimmt, bleiben die schwarzen Flecken hinter der großen Abdeckung meist über Monate unbemerkt. Ganz im Gegensatz zur anfälligen Zündspule. Wenn die defekt ist, macht sich der Berlingo durch starke Vibrationen, Zündaussetzer, Leistungsabfall und die gelbe Warnlampe im Cockpit bemerkbar.

Karosserie und Verarbeitung

Damit zum Innenraum, dessen größter Vorteil die zahlreichen Ablagen sind. Für jede Kleinigkeit findet sich ein passendes Fach in Reichweite. Die schlechte Verarbeitung fällt dagegen unangenehm auf. Nach etwa 50.000 Kilometern dachte schon mancher Familienvater, dass die Kinder ihre Rasseln im Handschuhfach aufbewahren. Falsch. Wer im Kastenwagen fährt, bekommt die lästigen Scheppergeräusche noch lauter zu hören, da der gesamte Laderaum auch als Resonanzkörper aktiv ist.

Mit dem gewaltigen Innenraum hat auch die Heizung ihre liebe Mühe. Vor allem der alte Saugdiesel, aber auch die jüngeren HDi-Motoren lassen ihre Passagiere lange frieren. Das ist aber auch schon der einzige Nachteil der Selbstzünder, deren Drehmoment dem 1,4- und 1,6-Liter-Benziner jeden Reiz nehmen. Auffällig, dass die HDi-Diesel eine ungewöhnlich lange Einfahrzeit benötigen, volle Leistung und niedrigen Verbrauch gibt es erst ab 10.000 Kilometern.

Ein Problem haben Benziner und Diesel gemeinsam, nämlich unpräzise Tankuhren. Zudem bereitet die Betankung Probleme, bei mehreren Fahrzeugen schnappte die Zapfpistole sehr früh ab, der Fahrer konnte den Berlingo nicht komplett betanken. Grund ist meist eine Schelle, die den Tankeinfüllstutzen hält. Ist sie zu fest angezogen, kann sich die Rückschlagklappe nicht frei bewegen, behindert so den Strahl aus dem Spritschlauch. Dafür sind bei zahlreichen Benzinern die Kraftstoffleitungen locker – zu erschnüffeln am starkem Benzingeruch im Innenraum. Auch hier ist mit einem Handgriff der Fehler beseitigt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/96 Neueinführung des Citroën Berlingo mit 1,4-Liter-Motor und 55 kW/75 PS 1/97 1,9-Liter-Diesel mit 51 kW/70 PS 3/97 Einführung des Berlingo Multispace, wahlweise in Grau oder Weiß erhältliches Faltschiebedach 10/98 Sondermodell Berlingo "Charleston" mit ABS, elektrischem Faltdach und Fensterhebern. Zentralverriegelung 4/99 Multispace jetzt mit Schiebetür rechts 7/99 2,0-Liter-HDi-Motor mit 66 kW/90 PS

Schwachstellen • Rost am Auspuff stellt sich nach etwa drei Jahren ein, ein Austausch ist besser als eine notdürftige Reparatur • Ölverlust an Motor und Getriebe konnten wir bei Benzinern und Diesel sehr häufig entdecken • die schlampige Verarbeitung bringt den Berlingo oft zum Scheppern und Klappern • Immer wieder wird uns von defekten Lichtmaschinen berichtet, ebenso anfällig sind die Zündspule und weite Teile der Bord-Elektrik • die ungenaue Tankuhr ruft den Berlingo-Piloten oft früher an die Tankstelle als notwendig wäre • Bremsklötze sind grundsätzlich sehr haltbar, bei flotter Fahrweise sind sie aber nach ca. 40.000 km verschlissen

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Citroën Berlingo 1.4 X, 55 kW/75 PS, Baujahr 1998. Ersatzteile und Wartung sind für den Benziner viel günstiger als für den HDi – Gebrauchtwagenkäufer sollten auch das vor dem Kauf berücksichtigen.

Fazit und Modellempfehlung

"Der Berlingo-Bestand teilt sich in eine Zweiklassengesellschaft: Gut gepflegte Familienkutschen stehen ausrangierten Firmenwagen gegenüber, der Preisunterschied ist dabei oft erschreckend gering. Die beste Wahl ist der regelmäßig gewartete Berlingo vom Erstbesitzer. Und wer sich in einigen Jahren wieder von seinem Wagen trennen möchte, wählt besser den HDi. Der bringt nicht nur Fahrspaß, er ist auch unglaublich sparsam und trotz der höheren Kosten wesentlich gefragter als die schwachen Benziner." Nikolaus Eickmann, Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur

Modellempfehlung Citroën Berlingo 1.4 X (55 kW/75 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 86 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 7,8 Liter, gemessen 8,7 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (14/500 Euro SB): 560 Euro. Teilkasko (17/150 Euro SB): 88 Euro. Haftpflicht (15): 808 Euro (ONTOS-Jahrestarife, Regionalklasse Berlin, 100 Prozent, 20.000 km) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 175 bis 300 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 42 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 700 Euro Verlust

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