Citroën C3 1.4 gegen Nissan Micra 1.2

Citroën C3 1.4 gegen Nissan Micra 1.2 Citroën C3 1.4 gegen Nissan Micra 1.2

Citroën C3 1.4 gegen Nissan Micra 1.2

— 06.02.2003

So schön kann klein sein

Mit seinem Augenaufschlag erobert der neue Micra die Herzen im Sauseschritt. Der Citroën C3 setzt mehr auf innere Werte. Reicht das zum Sieg?

C3 und Micra – Frauenlieblinge unter sich

Wie war das noch mit den Frauen? Nicht immer nur aufs Äußere achten, auch die inneren Werte zählen. Jaja – machen wir Männer doch grundsätzlich, oder? Genau wie bei den Autos. Aber gerade hier sind es doch stets die Frauen, die sich rein von der Optik einwickeln lassen.

Einmal mehr trifft dies auf die beiden sympathischen Kleinwagen Nissan Micra und Citroën C3 zu. Während der Franzose mit seinem bogenförmigen Dachverlauf Altstudenten an die legendäre Ente erinnern soll (was ich beim besten Willen nicht erkennen kann), setzt der kleine England-Japaner (er wird in Sunderland gebaut) emotional noch eins obendrauf.

Dafür sorgen besonders seine Glupschaugen mit den frechen Nippeln fürs Standlicht, die auch als Peilhilfen gedacht sind. Der Micra schaut putzig aus der Wäsche. Und das macht an. Wie zum Beispiel meine Kollegin Margret Hucko: "Ach, der ist ja oberniedlich!" Sie würde ihn nachts am liebsten mit ins Wohnzimmer nehmen.

Der C3 trumpft mit 13 Zentimetern mehr auf

Der Citroën kann diese Mutterinstinkte nicht ganz so intensiv wecken. Vielleicht liegt das an seiner Größe. Er ist mit 3,85 Metern 13 Zentimeter länger als der Micra. Steigt man jedoch hinten ein, scheinen sie irgendwo zwischen den Achsen verloren gegangen zu sein. Die Knie stecken ziemlich tief in den Vordersitzlehnen.

Umso überraschender, dass Fondgäste im Micra deutlich bequemer einsteigen und zumindest für die Beine mehr Platz bekommen. Manko hier: Der Kopf stößt hinten nicht gegen den Himmel, sondern gegen das Blech der Heckklappe.

In beiden Autos lassen sich die Rücksitzlehnen geteilt umlegen, die Sitzflächen hingegen gar nicht. So entsteht keine ebene Ladefläche. Ankreiden muss man Nissan die eigenwillige Platzierung der Umleghebel. Wir haben uns über Jahre an die Hebel oben auf den Lehnen gewöhnt, nun liegen sie tief unten über dem Boden. So lassen sich die Lehnen nur vom Heck aus umlegen – so ein Quatsch. Dafür ist jedoch die Sitzbank um 20 Zentimeter längs verschiebbar, was das Gepäckvolumen von 237 auf 371 Liter erhöht.

Nissans Micra glänzt mit "Maybach-Details"

Hinterm Lenkrad bietet der C3 das bessere Raum-, nicht aber das schönere Lebensgefühl. Was doch eigentlich eine Domäne der Franzosen ist. Das Design mit dem digitalen Tacho in orangefarbener Illumination wirkt nicht sonderlich wohnlich. Auch mit dem hellen Gänsehaut-Hartplastik im unteren Armaturenbereich sowie an den Türen haben sich die Designer keine Lorbeeren verdient.

Gemütlicher präsentiert sich der Nissan mit konventionellen Instrumenten und einer aufgeräumten Mittelkonsole, auf der besonders die schönen Schalter für Heizung und Lüftung gefallen. Die würden selbst in einem Maybach nicht deplatziert aussehen.

Im Micra ist deutlich zu erkennen, dass sich die Entwickler ausgiebig mit den nützlichen Dingen des Autoalltags befasst haben. Egal ob es das Zwölf-Liter-Staufach im Beifahrersitz ist, der kleine Taschenhaken an der Konsole, der ausklappbare Cupholder vor dem Schalthebel oder die große Handschuhbox mit den praktischen Unterfächern. So pfiffig ist der C3 vorn nicht, dafür punktet er hinten. Sein doppelter Ladeboden ist eine gute Erfindung. Unten bleiben die Sachen, die ständig mitfahren, oben ist immer noch genug Platz für den Einkauf, der bandscheibenschonend ein- und ausgeladen werden kann.

Technische Daten im Überblick

Mehr Hubraum, aber weniger Leistung: Nach diesem Motto hat Citroën seinen Motor konstruiert. Aus 1,4 Liter Hubraum holen die Franzosen 73 PS. Nissan hingegen quetscht 80 PS aus nur 1,2 Litern. Dennoch schenken sich beide in den Disziplinen Beschleunigung und Elastizität nichts. Erst in der Endgeschwindigkeit zeigt der Micra dem C3 das Heck. Der Testwagen schaffte locker 180 km/h, während sich der Citroën etwas mühsam den 170 km/h näherte. In der Stadt fehlt es dem Franzosen ein wenig an Handlichkeit. Sein Wendekreis beträgt 10,5 Meter (Micra 10,0 m). Schaltung, Lenkung und Fahrwerk geben dagegen keinen Anlass zur Kritik. Im Nissan mag den einen oder anderen die etwas zu straffe Federung stören.

Kosten und Ausstattungen

Beim Thema Sicherheit liegt der C3 leicht vorn, bietet sechs Airbags; ESP ist nicht erhältlich. Für den Micra gibt es die Antischleuderhilfe ab Herbst 2003; Kopfairbags kosten im Nissan 200 Euro extra. Bringt das die Entscheidung pro oder contra Citroën? Mag sein. Doch an der Verkaufsfront zählen ja bekanntlich ganz andere Argumente. Zum Beispiel so banale Dinge wie die Optik. Nicht wahr, meine Damen?

Fazit und Wertung

Fazit Die äußere Erscheinung und die inneren Werte – hier klafft beim Micra eine Lücke. Denn subjektiv ist der Kleine enorm sympathisch. Die Bauchentscheidung würde wohl eindeutig zugunsten des Nissan gehen. Doch dafür können wir leider keine Extra-Punkte vergeben. Wichtige Punkte kosten den Micra vor allem sein geringeres Platzangebot vorn, der kleinere Kofferraum und der lautere Motor. Auch die niedrige Anhängelast, obwohl für die meisten Fahrer nicht relevant, bringt Abzug. Insgesamt zu viel, um mit dem Gefühlskapitel trotz neun Punkten Vorsprung den Ausgleich zu schaffen. Auch bei den Kosten gerät der Micra ins Hintertreffen, verliert allein sieben Zähler aufgrund seiner hohen Versicherungseinstufung.

Autor: Michael Specht

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