Citroën C3 Pluriel

Citroën C3 Pluriel Citroën C3 Pluriel

Citroën C3 Pluriel

— 15.05.2003

Genial einfach – einfach genial

Der Pluriel ist zugleich Limousine, Cabrio, Spider, Pick-up – und wird für 15.850 Euro garantiert ein Hit. Denn wer hat schon vier Autos in einem?

Kleines Handbuch fürs große Erlebnis

Der Pluriel wird vermutlich das erste Auto, das seine Käufer zu Hause erst einmal zerlegen müssen. Weil die Nachbarn unbedingt wissen wollen, ob alles stimmt, was Citroën seit Herbst 2002 versprochen hat: Legt diese rollende Wundertüte wirklich Stück für Stück das Blech ab, bis sich die Limousine als Pick-up entpuppt?

Wir haben’s ausprobiert: Es klappt. Das wichtigste Papier beim Pluriel ist nicht der Fahrzeugschein, sondern ein kleines Faltblatt, das den Striptease Schritt für Schritt erklärt. Selbst ein Handbuch-Muffel wie ich beherrscht den Akt auf Anhieb – zugegeben, beim ersten Mal in 15 Minuten. Aber die Handgriffe werden sich einspielen, wenn die Sonne scheint. Oder die Nachbarn öfter fragen ...

Der Anfang funktioniert so einfach wie Licht anschalten. Man dreht den Knopf überm Innenspiegel, und das Faltdach fährt auf. Schrittweise, in acht Positionen. Zum Schluss hat die Luke etwa das Format eines Penthouse. Sind dann noch die Seitenscheiben versenkt (keine B-Säule, hurra!!), stürmt es drinnen schon mit Windstärke sechs. Genug für echtes Cabrio-Gefühl. Pascal Soland, Chef von Citroën Deutschland, glaubt: "So werden 99 Prozent aller Kunden fahren." Schade, sie verpassen den größten Clou des Charmeurs. Ein, zwei Handgriffe, und die feste Heckscheibe verschwindet mit einem halben Salto rückwärts unten im Kofferraum – spätestens jetzt machen die Nachbarn "ohhh". Auch der Abbau der seitlichen Dachholme funktioniert reibungslos – jetzt lockt der Franzose so makellos offen wie ein BMW Cabrio.

Voilà - vier Autos in einem

Im Pluriel stecken mehr gute Erfindungen als in einer ganzen Computer-Generation. Warum hat eigentlich niemand früher gewagt, solche Ideen in Serie zu bauen? Dieser Meilenstein ist nicht irgendein Auto, sondern zwei, drei, vier – ganz viele Autos, die dich morgens fragen: "Wie viel Frühling hättest du heute gerne?"

Okay, wo lauern bei diesem fahrenden Metallbaukasten die Haken? Es gibt nur Häkchen. Hinten ist der Knieraum knapp, weil die Rücksitze näher an der ersten Reihe stehen als im C3. Immerhin können Lange im Fond für 20 Kilometer mitfahren. Bei einem Test-Pluriel tröpfelte der spanische Landregen durch beide oberen Fensterdichtungen – diese Kinderkrankheit musste Peugeot im 206+ CC auch kurieren. Und wie fest ist der Citroën? Na klar, er zittert auf schlechten Straßen trotz seiner 130 Kilo Blechversteifung. Aber er zittert nicht mehr als ein 206 CC – für so viel Offenheit und die schlanken 1136 Kilo Leergewicht schon erstaunlich.

Soll es doch die düpierte Konkurrenz von VW bis Renault solider machen, wenn sie den Pluriel in fünf Jahren kopiert (was sie garantiert tun). Dann hätten wir gleich noch drei Verbesserungs-Vorschläge: einen zentralen Schalter für alle Fensterheber, eine umlegbare Beifahrersitzlehne für langen Kram aus dem Baumarkt und eine Easy-Entry- Funktion an den Frontsitzen, damit man bequemer in den Fond gelangt. Alles Peanuts, die unsere Freude am Pluriel nicht trüben.

Technische Daten

Ach ja, wie fährt sich der Pluriel? Unspektakulär. Sagen wir mal so: Zerlegen ist spannender. Schon der C3 ist bekanntlich kein Sportler, auch im Pluriel wirkt die elektrische Servolenkung so fest wie ein Kopfkissen. Wie der Citroën um Kurven kippelt, das erinnert an die alte Ente. Auf nassen Straßen scharren die Vorderräder schon mit den 73 PS der kleinen Maschine.

Dieser 1,4-Liter für 15.850 Euro reicht eigentlich aus, aber vor lauter Begeisterung über dieses 4-in-1-Auto werden Käufer gerne tiefer in die Tasche greifen. Zumal der erwachsenere 1,6-Liter (109 PS) nur schlanke 1500 Euro mehr kostet; dafür fahren Alufelgen, die Sensotronic-Automatik mit den Schaltpaddeln und ESP (warum nur hier?) serienmäßig an Bord mit.

17.350 Euro klingen so verlockend, dass viele erst zum Citroën-Händler rennen, dann zur Bank. Schon jetzt sind mehr Interessenten registriert, als Pluriel bis Jahresende verkauft werden (5770 Stück). Was jetzt folgt, ist klar wie Kloßbrühe: Wartezeiten, Aufpreise, Fanclubs und ein Kultstatus wie Käfer, Twingo und MX-5. Citroën sollte die Produktion (75.000 pro Jahr) schnell hochfahren. Denn der Pluriel ist luftiger als ein Micra, günstiger als ein Polo, geräumiger als ein 206 CC, charmanter als ein Fiesta und vielseitiger als alle zusammen. Glückwunsch, Citroën. Und: danke.



Serienmäßig im Pluriel: Front- und Seitenairbags, E-Fensterheber, E-Rolldach, höhenverstellbare Vordersitze, ESP (nur 1.6).

Extras: Aluräder (515 Euro), Metalliclack (370 Euro), Klimaanlage ( unter anderem inklusive heizbarer Außenspiegel, Regensensor) 1450 Euro, CD-Radio 500 Euro.

Autor: Joachim Staat

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