Gallische Gölfe im Testvergleich

Citroën C4 gegen Peugeot 307 und Renault Mégane Citroën C4 gegen Peugeot 307 und Renault Mégane

Citroën C4 – Peugeot 307 – Renault Mégane

— 16.12.2004

Drei kompakte Franzosen

Citroën findet mit dem C4 zurück zu alter Kreativität. Schön, doch reicht das im Wettbewerb mit Peugeot 307 und Renault Mégane? Im Vergleich der gallischen Gölfe müssen die Kompakten beweisen, was wirklich in ihnen steckt.

Wie Yves Saint Laurent auf der Modenschau

Adieu Tristesse, bonjour Avantgarde. Citroën verabschiedet sich immer mehr von Langeweile und Durchschnitt, baut wieder Autos mit einer Prise Extravaganz. Was mit den erfrischenden Modellen C3 und C2 begann, findet jetzt im C4 seine logische Fortsetzung. Citroëns Kompakter bittet seine auch nicht uncharmanten Landsleute Peugeot 307 und Renault Mégane zum Rendezvous. Wer darf am Ende stolz die Trikolore schwenken?

Dieser Dreikampf ist ja zunächst mal ein Duell unter Brüdern – der C4 fährt mit der Technik des 307, Citroën spricht von etwa 60 Prozent Gleichteilen. Zu sehen ist davon erst mal nichts. Gar nichts. Der C4 hat einen Auftritt wie Yves Saint Laurent auf der Modenschau: eigenständig, elegant, aber nicht zu abgefahren. Très chic! Übrigens mehr noch, als es die Fotos verraten. Bullige Front, sanfte Rundungen, stämmiges Heck – das Design kommt an, auf dem Parkplatz, an der Tankstelle und vor dem Supermarkt gab es manch anerkennenden Kommentar – so, als hätten die Leute geradezu gewartet auf einen solchen Citroën.

Die flache Dachlinie hat jedoch den Nachteil, daß besonders im Fond die Kopffreiheit spürbar geringer ist als bei den beiden anderen. Ähnlich sieht es beim Kofferraum aus: Mit 320 Litern paßt in den Citroën ein Rucksack (Renault, 330 Liter) oder eine kleine Reisetasche (Peugeot, 341 Liter) weniger als bei den anderen.

Variabilität und Platzangebot

Bei allen lassen sich Rückbank und -lehne geteilt umlegen. Besonders beim Peugeot ist das eine mühselige Angelegenheit: Hier müssen, mehr noch als als bei den anderen, die Vordersitze weit nach vorn geschoben werden, um Bank und Lehne überhaupt umklappen zu können. Menschenwürdig sitzen kann man vorn dann nicht mehr. Und zurückschieben lassen sich die Sitze nur, wenn die hinteren Sitzkissen ausgebaut wurden. Eine lästige Prozedur. Nichts zu meckern gibt es vorn. Der Van-ähnliche 307 hat dort jede Menge Platz, die geräumigen C4 und Mégane liegen auf gleichem Niveau etwas dahinter. Größer als beim reinen Platzangebot sind die Unterschiede jedoch bei der Einrichtung.

Citroën hat hier zu alter Kreativität zurückgefunden. Es lauern aber weder Lupentacho noch Bedienungssatellit auf ahnungslose Opfer. Sondern es gibt einfach eine Reihe netter Ideen. Die Schönste ist sicherlich die feststehende Nabe des Lenkrads, hier dreht sich nur der Kranz. Klingt komplizierter, als es eigentlich ist, man hat sich nach ein paar Kilometern daran gewöhnt. Und es hat den Vorteil, daß ein speziell geformter Airbag untergebracht werden kann, der den Oberkörper besonders gut schützt.

Dann gibt es noch (beim Fünftürer ab Ausstattung Style) den integrierten Parfümspender, ein zentrales, lichtdurchlässiges Instrument mit digitalen Anzeigen, einen Drehzahlmesser, der komplett zornesrot anläuft, wenn man in den Begrenzer dreht, und manches mehr. Natürlich kann man darüber streiten, ob man all das wirklich braucht – aber es ist eben genau dieses Verspielte, etwas Spleenige, was den C4 von anderen unterscheidet. Und damit sympathisch macht.

Zur Beruhigung sei außerdem gesagt: Citroën hat nicht nur seine Marotten gepflegt, sondern auch völlig humorlos die Hausaufgaben gemacht. Im C4 sitzt man am besten, er hat die bequemsten Sitze, noch vor dem Peugeot. Die im Renault sind einfach zu klein. Zudem war unser C4 ordentlicher verarbeitet als 307 und Mégane, zeigte hochwertigere Materialien. Peugeot und Renault wurden nachlässiger zusammengebaut – da bleibt Raum für Steigerungen.

Motorleistung und Verbrauch

Kaum noch etwas zu verbessern gibt es am 1,6-Liter-HDi mit 109 PS in C4 und 307. Dieser Common-Rail-Diesel knausert nicht nur vorbildlich mit Sprit. Nein, er macht auch noch richtig Spaß. Schon im Drehzahlkeller gibt es ordentlich was auf die Kurbelwelle, gleichmäßig dreht der Vierzylinder hoch, läuft geschmeidig und leise. Subjektiv übrigens im Citroën noch etwas leiser als im Peugeot – selbst wenn sich das in den Meßwerten bei höherem Tempo nicht widerspiegelt.

Für sich genommen, macht auch der 1,5-Liter-dCi im Renault eine gute Figur. Er läuft frisch und lebendig, mit hoher Laufkultur. Im direkten Vergleich kann er jedoch nicht ganz mithalten. Er dreht gehemmter, wirkt mit seinen 100 PS und dem niedrigeren Drehmoment (200 Nm bei 1900 Touren statt 240 Nm bei 1750 Touren) schlapper und müder als der 1,6-Liter mit 109 PS in Citroën und Peugeot. Deutlich wird das auch bei der Spitze: Mit 179 km/h fährt der Renault den beiden anderen (Peugeot 188 km/h, Citroën 192 km/h) doch deutlich hinterher.

Dafür liegt er dann – das ist jetzt keine Überraschung – beim Verbrauch vorn: Seine 6,1 Liter sind ein anständiger Wert, der 307 mit 6,4 Litern und der C4 mit 6,6 Litern liegen knapp dahinter. Der Citroën überraschte uns dann noch mit einer leichtgängigen, exakten Schaltung. Der Peugeot schaltet sich eine Spur hakeliger, die Wege sind zudem länger. Beim Renault störte die teigige, wenig exakte Führung.

Fahrverhalten, Komfort und Testwerte

Gemeinsam haben alle drei dann wieder ein sicheres und unaufgeregtes Fahrverhalten. Der elektronische Schleuderschutz ESP ist sowieso an Bord. Die Tage schaukelnder französischer Sänften sind ganz offensichtlich gezählt. Auch der Citroën liegt ziemlich straff – nimmt aber vor allem längere Bodenwellen sehr souverän. Nicht ganz so locker filtert er die kleineren, kürzeren Stöße. Seine Lenkung spricht präzise und direkt an, wirkt aber ziemlich künstlich. Dem bauchigen, rundlichen Peugeot glaubt man seine handliche Abstimmung und exakte Lenkung erst gar nicht. Um dann um so überraschter zu sein vom souveränen Kompromiß zwischen agilem Fahrverhalten und angenehmem Komfort. Den guten Eindruck stören nur die heftig polternden Achsen.

Kosten und Ausstattungen

Der Renault liegt ähnlich gelassen und entspannt wie der Peugeot, die Federung spricht jedoch weicher an. Am Mégane stört vor allem die wie entkoppelt wirkende, ungenaue Lenkung. Den Renault Mégane mit dem 100-PS-Diesel gibt es schon ab 17.100 Euro (Authentique) – damit ist er mit Abstand der Preiswerteste hier und liegt überraschend deutlich vor dem C4 HDi 110, der bei 18.590 Euro (Style) startet, und dem 307 HDi 110 für 18.740 Euro (Grand Filou Cool).

Der Preisunterschied zum Renault erklärt sich auch daraus, daß der Citroën mit 109 Diesel-PS nicht in der Basis-Ausstattung Advance startet, sondern erst mit der nächsthöheren – Style. Was dann auch eine komplette Komfortausstattung bedeutet. Wer allerdings auf weitere Citroën-Feinheiten hofft wie etwa den Afil-Spurassistenten, der muß zu höheren Ausstattungen greifen. Afil gibt es erst ab Exclusive (Limousine mit HDi 110 ab 21.990 Euro). Aber auch ohne Afil hat der C4 ja genügend Besonderheiten an Bord, vor allem aber jede Menge Witz und Charme. Adieu Tristesse.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke Bienvenue Citroën, willkommen im Klub der Testsieger. Da seid ihr ja wieder. Und damit hier keine Mißverständnisse aufkommen: Der C4 gewinnt nicht wegen seines Parfümspenders, sondern wegen seiner ausgewogenen Qualitäten: toller Diesel, agiles Fahrwerk, hoher Komfort, komplette Ausstattung. Damit liegt er sogar noch vor seinem technischen Bruder Peugeot 307, der mit dem gleichen Motor und vor allem viel Platz auf den zweiten Platz fährt. Beim Vergleich der Benziner lag der Renault noch vor dem Peugeot – hier knapp dahinter: Sein kleinerer Diesel kann nicht ganz mithalten, dafür überzeugt der Mégane aber besonders mit seinem günstigen Preis.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.