Citroën C6 trifft Citroën DS

Citroën C6 trifft "die Göttin" DS Citroën C6 trifft "die Göttin" DS

Citroën C6 trifft Citroën DS

— 05.12.2005

Das schwere Erbe der Göttin

Fahren wie Gott in Frankreich? Mit der DS kein Thema, aber heute ein eher seltener Genuß im Hause Citroën. Abhilfe soll nun der neue C6 schaffen. Genauso göttlich?

Schon seit fünf Jahren spielt Citroën in der Oberklasse nicht mehr mit. Ausgerechnet Citroën. Die Marke mit dem Doppelwinkel, die mit der DS vor 50 Jahren die automobile Oberschicht aufwirbelte wie kaum ein zweiter. Doch das ist lange her. Seit dem XM (1990 bis 2000) überlassen die Pariser Pioniere das Luxus-Feld kampflos den anderen. Oder besser: überließen. Ab Februar 2006 soll alles anders werden. Dann startet der neue C6 in Deutschland. Wir fuhren ihn schon jetzt und stellten ihn seinem großen Vorbild, der Göttin, gegenüber. Ganz ehrlich, die DS 21 gefällt mir auf den ersten Blick deutlich besser. Doch der C6 zeigt erfreulicherweise kein plumpes Retro-Design, sondern moderne und sehr eigenständige Züge. Eine Ansage, auf die echte Citroën-Freunde schon seit längerem gewartet haben. Und die allen anderen zumindest Anerkennung abverlangt. Ich könnte die Designer dafür knutschen, daß sie sich der Einheits-Stufe in dieser Klasse widersetzen. Da stört mich auch kaum, daß der vordere Überhang zu lang wirkt, das Heck zu kurz und das Profil etwas unglücklich.

Modernes, eigenständiges Design – und außergewöhnliche Technik

Die DS gewinnt unsere Herzen, der moderne C6 ganz klar den Fahrvergleich: In weniger als zehn Sekunden ...

Schauen wir lieber unters ungewöhnliche Blechkleid. Wo wirklich innovative technische Lösungen allerdings rar bleiben. Die DS steckte voll davon. Heute beschränkt Citroën sich auf ein Head-up-Display, den Spurhalteassistenten (Infrarotkameras überwachen die Fahrbahnmarkierungen, beim Überfahren ohne Blinken vibriert der Fahrersitz auf der entsprechenden Seite) und die aktive Motorhaube [bei einem Unfall mit Fußgängern wird die Motorhaube blitzschnell um 65 Millimeter angehoben, um Abstand zum Motor zu schaffen]. Alles kluge Konzepte, Avantgarde sieht aber anders aus. Beim Interieur genieße ich dann wahrhaft göttliche Größe und feines Mobiliar. Sowohl vorn als auch hinten kann ich mit 1,97 Metern entspannt reisen, ohne mich verrenken oder falten zu müssen.

Zwischen den Stoßfängern mißt der große Franzose auf Basis des C5 4,91 Meter, zwischen den Achsen bleiben stattliche 2,90 Meter. Nur der Kofferraum bleibt mit 421 Litern und wegen der ungewöhnlich geschnittenen Heckklappe eher unpraktisch. Dafür fallen die Sitze dann allerdings üppig aus, bieten guten Komfort und schonen die Bandscheiben auch auf längeren Etappen. Einen guten Eindruck hinterläßt auch das Interieur. Im Exclusive mit Echtholz und Leder tapeziert, sauber verarbeitet und ohne allzugroße Bedien-Fallen. Die vielen kleinen Knöpfe erfordern allerdings volle Konzentration.

Ein sicherer, sanfter Gleiter

Die Stärke der DS – die hydropneumatische Federung – macht sich auch der neue C6 zu eigen. Zwar schwebt er nicht über die Straße wie einst die Göttin, er bietet aber angenehmen Komfort und schluckt die meisten Straßenschäden klaglos. Zudem wankt und schaukelt er viel weniger als sein Vorbild, vermittelt mit seiner durchaus straffen Grundabstimmung ein sicheres Fahrgefühl. Sicherheit gehört ohnehin zu den Stärken des großen Franzosen. ESP und insgesamt neun Airbags wachen über die Unversehrtheit von Mensch und Maschine, die Bremsen packen spontan und hinterlassen einen souveränen Eindruck. Zum Kurvenräubern taugt der C6 allerdings nur bedingt, dafür sorgt schon die eher komfotabel ausgelegte elektrische Servolenkung. Mit dieser Sänfte jagt man nicht über Alpenpässe, man gleitet und genießt.

... sprintet der große Franzose auf Tempo 100. Zwar schwebt er nicht über die Straße wie einst die Göttin, er bietet aber angenehmen Komfort und schluckt die meisten Straßenschäden klaglos.

Und mit dieser Grundhaltung im Hinterkopf, passen dann auch die Motoren. Oder zumindest der 2,7-Liter-Diesel mit Partikelfilter. Der 3,0-Liter-V6, von dem Citroën nur 20 Prozent Anteil erwartet, enttäuscht eher. Angestrengt, laut und durstig – so der erste Eindruck. Tolles Temperament kommt trotz 211 PS kaum zum Vorschein. Auch der 204 PS starke Biturbo-HDi macht den C6 nicht zum Rennwagen, er beeindruckt aber mit sattem Drehmoment, hoher Laufkultur und spontanem Ansprechverhalten. Die Zusammenarbeit mit der Sechsstufen-Automatik (Serie bei beiden V6) klappt ebenfalls bestens. Die Gänge werden fast ruckfrei nachgelegt, eine Handschaltung wäre hier Fehl am Platz. Schaltbegeisterte müssen etwa ein Jahr warten. Dann folgt ein kleiner Vierzylinder-Diesel mit sechs manuell einzulegenden Gängen.

Bei den Preisen holen die Franzosen das ganze Selbstbewußtsein von 50 Jahren DS aus dem Keller. Der V6-Benziner startet bei 42.500 Euro, für den V6-Diesel müssen 45 500 Euro auf den Tisch. Trotz guter Ausstattung ziemlich unbescheiden, einen Mercedes E 280 (231 PS) gibt es ab 40.194 Euro. Willkommen zurück in der Oberklasse, Citroën!

Autor: Gerald Czajka

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