Citroën Pluriel

Citroën Pluriel Citroën Pluriel

Citroën Pluriel

— 12.09.2002

So macht Citroën wieder Spaß

Citroën & Kreativität – lange passé, jetzt wieder da. Mit einem Knaller in vier Variationen. AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz ist verzückt.

"Citroën macht neuerdings auf schlicht", meckerte ich noch vor knapp zwei Monaten in, als es um die herrlich fahrspaßigen Sport-Asse RC Karo und Pik von PSA-Konzernmutter Peugeot ging. Pardon! Ich habe mich geirrt. Ich nehme alles zurück. Denn ich habe den fertigen Citroën Pluriel gesehen ...Nie hätte ich geglaubt, dass die vor drei Jahren in Frankfurt vorgestellte Studie wirklich mal fast unverändert in Serie gehen würde. Ergo sackte mir bei der Präsentation die staunende Kinnlade immer weiter Richtung Gasfuß.

Verwandlung auf Knopfdruck

Das 4-in-1-Wunder: Pluriel geschlossen als zweitürige, viersitzige Limousine ...

Als geschlossene zweitürige Limousine mit Faltschiebedach rollt Pluriel (zu Deutsch: Plural, Mehrzahl) auf die Bühne. Die hübsche Hostess am Steuer drückt Knöpfchen, die Seitenscheiben verschwinden, und das Dach faltet sich elegant bis zur Heckscheibe. Dann stöckelt Mademoiselle nach hinten und versenkt – eins, zwei, drei – das Dach mitsamt Heckfenster komplett im Kofferraum. Die Seitenholme bleiben stehen, alte Fahrensleute erinnern sich: Cabriolet-Limousine nannte man diese Karosserieform, die sich bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts (Opel Olympia) hielt.

Hier und da zwickt und zwackt es

Nun erhält die Pluriel-Stripperin männliche Verstärkung – mit einigen gekonnten Handgriffen verschwinden die seitlichen Holme, stolz wie Großwild-Trophäen tragen die Jungs die stoßzahnähnlichen Gebilde von der Bühne. Fertig ist das viersitzige Cabriolet. Doch damit immer noch nicht genug: Ein Griff zur unten mit Scharnieren befestigten Kofferklappe, und vor mir steht plötzlich ein schicker Pick-up.

Applaus, Citroën, ihr seid wieder da, ihr schreibt gerade Autogeschichte. Buh, Wolfsburg, ihr hattet drei Jahre Zeit zum Abgucken, aber habt noch nicht einmal ein Golf-4-Cabriolet zustande gebracht. Und der offene VW New Beetle lässt auch schon länger als nötig auf sich warten.

Natürlich muss Citroën bei solch einem modisch "Crossover" genannten Produkt ein paar Kompromisse eingehen. Wer vier verschiedene Karosserie-Variationen so gekonnt auf einer Plattform zusammenkomponiert, der muss hinnehmen, dass es hier mal etwas zwickt und dort mal ein wenig zwackt.

Echter Viersitzer statt schmalsüchtiger 2+2

So ragen die beiden Fensterholme weit Richtung Insassen, etwas Cabriogefühl mag dabei verloren gehen, auch steht die Scheibe sehr flach. Ein B-Holm fehlt, und man muss hoffen, dass die Passung zwischen vorderer und hinterer Seitenscheibe sehr präzise und haltbar ist.

Wer den Pluriel dann zur Cabrio-Limousine aufklappt, muss natürlich am Kofferraum knapsen. Und wer die Seitenholme in Garage, Keller oder Wohnung ablegt, wird sich bei Regenschauern unter einer Autobahnbrücke notgedrungen mit den Motorradfahrern verbrüdern. Denn ein Faltdach gibt es nicht.

Logische Folge: Die meisten Pluriel werden sicher mit eingeklinkten Stoßzähnen herumfahren, sie erst bei dauerhaften Azorenhochs entfernen. Doch dafür bleibt noch Zeit, erst März/April 2003 soll der Verkauf in Deutschland beginnen. Kompromissbereit müssen dann auch vier mögliche Insassen sein. Auf den (noch nicht sehr gut ausgeformten) Sitzen geht es natürlich etwas knapp zu. Aber im Vergleich zum Konzernbruder 206+ CC ist der Pluriel ein Großraum-Viersitzer und kein schmalsüchtiger 2+2.

Pick-up-Künste auf Privatgrund beschränkt

Bleibt noch die letzte Verwandlungsstufe des universellen Citroën: der Pick-up. Die Ladefläche ist nicht sehr eben, das größte Problem dürften aber unsere uniformierten Freunde haben, denn das Nummernschild klappt mitsamt dem Kofferdeckel ins Unsichtbare. Bis Citroën sich der doppelten Schildchen eines ID Break vor 44 Jahren erinnert oder der Gesetzgeber ein zweites Kennzeichen zulässt, wie es manche Fahrradträger haben, muss Pluriel seine Pick-up-Künste auf Privatgrund beschränken.

Citroën von morgen: Bremse und Lenkung werden elektronisch "by wire" bedient. Die Studie gilt als Formengeber des kommenden C6.

Ach ja, bei aller Begeisterung, unter der Vorderhaube schlägt ja auch noch ein eisernes Herz. Vorerst benzinern darin der 1,4-Liter mit 54 kW/75 PS und der 1,6-Liter mit 80 kW/110 PS. Der stärkere Motor arbeitet leider mit der nicht so ausgereiften Halbautomatik SensoDrive zuammen. Dieselaggregate werden noch nicht offeriert, aber im nächsten Jahr auch ins Proramm aufgenommen. Bleibt noch der Blick auf den Preis: Bei knapp unter 15.000 Euro soll die Liste beginnen – sehr formidabel für ein viersitziges Cabrio. Erinnern wir uns: Der letzte offene 75-PS-Golf begann anno 2000 mit 19.276 Euro.

Technische Daten 1.4i Hubraum 1360 cm3 • Leistung 54 kW (75 PS) bei 5400/min • maximales Drehmoment 118 Nm bei 3300/min • Fünfgang manuell • Verbrauch (EU-Mix) 6,8 l/100 km (Super) • Spitze 164 km/h • 1.6i 16V Hubraum 1587 cm3 • Leistung 80 kW (110 PS) bei 5750/min • maximales Drehmoment 147 Nm bei 4000/min • SensoDrive • Verbrauch (EU-Mix) 6,7 l/100 km (Super) • Spitze 188 km/h (Werksangabe) • Preis ab 15.000 Euro

Studie C-Airdream – Sonnenstich inklusive

C-Airdream heißt diese atemberaubende Studie. Noch jedenfalls. Wetten, dass sie ab etwa 2004 bis zur B-Säule schlicht C6 heißen wird und es damit wieder einen großen, natürlich viertürigen Citroën geben wird? Noch jubeln die Formgestalter über den perfekten "Ausdruck des Stilwillens von Citroën", schwärmen von sinnlich erlebtem Reisen in diesem Coupé. Bremse und Lenkung werden elektronisch "by wire" bedient.

Das Lenkrad hat eine starre Nabe, die alle Bedienelemente enthalten soll. Bei dem Glasdach ist eher ein Sonnenstich angesagt. Klar ist, dass sich jede Menge Design-Elemente im C6 wiederfinden werden.

Pariser Salon in Kürze Öffnungszeiten: Publikumstage sind vom 28. September bis 13. Oktober, die Messe ist täglich von 10.00 bis 22.00 Uhr geöffnet. Eintrittspreise: Der normale Tarif liegt bei neun Euro, Abendtickets ab 18.00 Uhr kosten sechs Euro. Kinder unter sieben Jahren bekommen freien Eintritt. Internet-Adresse: www.mondialauto.tm.fr Anreise: Wer mit dem Flugzeug anreist, kann Pendelbusse von Orly Sud und Orly Ouest benutzen.

Ansonsten verkehren zur Messe die Metrolinien 12 (Porte de Versaille) und 8 (Place Balard). Außerdem gelangt man mit den Buslinien 39 und 80 zum Messegelände. Für weitere Informationen: Ausstellungspark Paris Nord Telefon: 00 33-1-48 63 30 48, Fax: 00 33-1-48 63 32, E-Mail: travelexpo@expoparisnord.com, Internet: www.expoparisnord.com

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