Citroën XM (1989-2000)

— 09.04.2003

Viel Auto für wenig Geld

Der XM ist besser als sein Ruf. Wer die Finger von den ersten Baujahren lässt, hat wenig Ärger zu befürchten.



Qualität und Technik

Bekanntlich ist ein jeder Mann der perfekte Fußballtrainer, königliche Liebhaber oder exzellente Kenner in Sachen Auto. Und zum Thema "großer Citroën" fällt natürlich auch jedem etwas ein. Meist das Kurvenlicht der DS, die anfällige Hydraulik und die große Rostgefahr späterer Modelle. Wahr ist, dass die DS tatsächlich wegweisend war und der CX-Bestand nahezu komplett weggerostet ist.

Unwahr dagegen, dass die Hydractiv-Federung des XM anfällig ist. Zumindest seit Baujahr 94 gilt sie als sehr zuverlässig. Und das ist auch gut so, denn hier kommen Reparaturen je nach Defekt unglaublich teuer. Also Finger weg von Fahrzeugen, bei denen der Vorbesitzer zur Komfortverbesserung Federkugeln mit höherem Gasdruck verbaut hat.

Kurios: In einem Internetforum empfiehlt ein Österreicher eine Kürbiskernöl-Befüllung. So was traut sich nicht mal unser Salatöl-Spezialist Blaube. Der XM gilt auch so als komfortabel, darüber gab es nie Diskussionen. Was auch für die Bremsanlage gilt, deren Dosierung zwar gewöhnungsbedürftig ist, dafür halten Klötze und Scheiben eine kleine Ewigkeit. Trotzdem: Ein Blick hinter die Felgen vor dem Kauf kann nie schaden.

Motor und Elektrik

Nicht empfehlen können wir Billig-Angebote, also Fahrzeuge der ersten Baujahre. Vor allem mit der komplexen Bordelektrik und -elektronik waren die Franzosen bis etwa 1992 überfordert. Oft ist der Fehler ganz simpler Natur, etwa korrodierte Steckerverbindungen. Abhilfe folgte 1990 mit neuen, wasserdichten und speziell gesicherten Steckern. Was früher gesteckt war, wurde später geschraubt – so soll es sein. Wenn Fensterheber, Zentralsperre und Sitzheizung heute noch funktionieren, steht einer problemlosen Zukunft wenig im Wege.

Vor dem Kauf will die Motorenfrage richtig beantwortet werden. Nur leidensfähige Zeitgenossen wählen einen V6, der bringt zwar Spaß, säuft aber auch bis zu 15 l/100 km. Der 2.0 gilt als vernünftigster Benziner, der 2.1-Turbo-Diesel bietet ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Vor der Unterschrift im Kaufvertrag gilt es nicht nur, sämtliche mechanischen Leiden zu finden.

Sind sie aufgespürt, sollte der Kostenvoranschlag einer Markenwerkstatt eingeholt werden. Denn die nicht an allen Stellen wartungsfreundliche Konstruktion treibt Reparaturen in die Höhe. Beispiel: Für neue Auspuffkrümmerdichtungen verrechnet Citroën beim 3.0-V6 ganze 6,7 Arbeitsstunden, macht 390 Euro plus Material. Da tröstet selbst der zivile Gebrauchtwagenpreis wenig. Dafür lockt eine Limousine mit Klassiker-Potenzial. Selbst Kollege Karl Auto verspürt für diesen Citroën so etwas wie Sympathie.

Stimmt unser neuer Eindruck? Vor vier Jahren haben wir den großen Franzosen das letztmalig als Gebrauchtwagen getestet. Das damalige Ergebnis lesen sie hier.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/89 Einführung des XM als Benziner mit 89 kW/121 PS, 123 kW/167 PS. Diesel mit 60 kW/82 PS und 80 kW/109 PS 10/90 Topmodell V6 24V Pallas (147 kW/200 PS) für 32.200 Euro 9/91 Einführung des Kombi (Break), Motoren: 89 kW/121 PS, 123 kW/167 PS, Diesel mit 60 kW/82 PS 6/94 Neuer Kühlergrill und andere Rückspiegel, neue Benzinmotoren mit 97 kW/132 PS und 108 kW/147 PS 7/97 neuer 3.0-V6 mit 140 kW/190 PS 12/00 Einstellung des XM

Schwachstellen Die Scheinwerfer liegen auf Stoßfängerhöhe anderer Fahrzeuge und werden oft beschädigt • bei Fahrzeugen der ersten Baujahre neigen Bordelektrik und -elektronik zu Defekten, vor allem der Computer und das Motorsteuergerät sind davon betroffen • die Wasserpumpe der Sechszylinder verursachte schon bei mehreren Lesern einen teuren Motorschaden • Pfützen am Garagenboden sind typisch für den XM, irgendwas leckt am Motor nahezu immer • der Auspuff ist selbst für französische Verhältnisse nicht besonders haltbar, hier ist häufig Ersatz erforderlich • die Hydropneumatik ist besser, als viele meinen. Doch selbst bei kleinen Unregelmäßigkeiten droht ein kostspieliger Besuch beim Mechaniker.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Citroën XM 2.0 Inj., 89 kW/121 PS, Baujahr 1995. Schrauber haben schlechte Karten, selten verlangt ein Auto nach so viel Spezialwerkzeug wie der XM. Und das hat nur der Marken-Mechaniker.

Reparaturkosten Citroën XM 2.0      (89 kW/121 PS Bj. 95)
Kotflügel vorn, lackiert 367 Euro
Scheinwerfer komplett 595 Euro
Bremsscheiben vorn 234 Euro
Bremsklötze vorn (ein Satz) 116 Euro
Getriebe im AT 1989 Euro
Motor ohne Anbauteile 4114 Euro
Lichtmaschine (AT) 213 Euro
Anlasser (AT) 193 Euro
Wasserpumpe (AT) 229 Euro
Auspuff ohne Kat 537 Euro

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Den Rost hat Citroën hier in den Griff bekommen, auch die Radaufhängungen fallen nur selten durch erhöhtes Spiel auf. Probleme bereiten in diesem Punkt jedoch die Lenkgelenke, die ab dem fünften Jahr zu stark überhöhten Beanstandungen führen. Auch Ölverlust wird dann zum Dauerthema. Gute Noten für die Bremsen, bis auf die gelegentlich unwillige Feststellbremse bremst der XM in allen Altersklassen besser als der Durchschnitt." Gunnar Dahm, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Citroën XM 2.0 (97 kW/132 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 122 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werk 10,9 Liter, gemessen 11,9 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (19/500 Euro SB): 834 Euro. Teilkasko (31/300 Euro SB): 249 Euro. Haftpflicht (20): 1049 Euro (Basis: ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 250 bis 350 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 45 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1400 Euro Verlust

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