Classic Racing

Datsun 240 Z GT Competition Klaus Fritzinger

Classic Racing

— 15.11.2007

Rennen statt Rente

Vom Scheunenfund zum erfolgreichen Rallyeauto: Der Datsun 240 Z ist bei Oldtimer-Rennen einer der großen Publikumslieblinge - wie seine Piloten. Zwei Motorsport-Legenden, die es nicht lassen können.

"Man ist so jung, wie man sich fühlt", sagt Klaus. "Wie man sich anfühlt", korrigiert Freddy. Meint er damit den 36 Jahre alten Datsun? Eher sich selbst. Und seinen Kumpel Klaus. Die beiden Großväter sehen sich an, dann schlagen sie sich auf die Schenkel vor Lachen. Wieder mal. Der Oldtimer-GP ist blutiger Ernst. Positionskämpfe, Profi-Piloten, Proteste – da erreichen die Veteranenrennen auf dem Nürburgring fast das Niveau aktueller Serien. Schalk im Nacken statt Messer zwischen den Zähnen: Diese Fahrerspezies stirbt wohl aus. Doch noch gibt es sie, die Gute-Laune-Racer. Das Datsun-Duo etwa. Gäbe es den Pokal für das größte Amüsement auf der Piste – diese Herren würden ihn holen. Der Pott für die ältesten Aktiven wäre ihnen eh sicher: Klaus ist 70, Freddy 75. Ihre Berufsleben waren ernst genug, sagen sie. Und so erfolgreich, dass die beiden Pensionsverweigerer den jungen Gegnern nichts beweisen müssen.

Klaus Fritzinger (70): Vom Profi-Fußballer zum Rennsport-Meister in drei Tagen.

Wer in der Motorsport-Historie der Siebziger blättert, stolpert immer wieder über ihre Namen: Klaus Fritzinger und Freddy Kottulinsky. Vor Jahrzehnten beharkten sie sich auf den Rallyepisten der Welt. Heute, als Freunde, fahren sie in einem Auto. Nicht miteinander, sondern nacheinander. Freddy das Training, Klaus das Rennen. Oder umgekehrt. Eben so, wie es gerade Spaß macht. Dafür, dass es Spaß macht, sorgt vor allem Klaus' Datsun von 1971. Die Japan-Marke, die bei uns in den Achtzigern zu Nissan wurde, entwickelte den 240 Z ab 1968 als Imageträger – mit BMW und Mercedes-Genen. Er avancierte nicht nur zum meistgebauten Sportwagen weltweit. Sondern auch zur Rallye-Legende, maßgeblich auf der extrem harten East African Safari. 2001 fand Klaus, Toyota-Händler ab 1973 und Nissan-Vertreter seit 1992, den 240 Z in einer verfallenen Scheune im Bayerischen Wald. 3500 Mark bezahlte er für das rostarme Restaurierungsobjekt.

Von der Scheune auf die Piste

Freddy Kottulinsky (75): In seinem bewegten Leben gewann er unter anderem auch die Rallye Dakar (1980) mit einem VW Iltis.

Nach ewiger Standzeit genügten neue Zündkerzen, schon schnurrte der 130-PS-Sechsender - um sofort ausgebaut zu werden. Zwei Jahre und unzählige Nachtschichten später war das Auto fertig. Als authentische Replik des Datsun 240 Z GT Competition gemäß der strengen FIA-Statuten (Anhang K), ausgerüstet mit zahlreichen Rennsportteilen aus Japan und den USA. Seitdem ist er einer der Stars bei historischen Rallyes – für diese Wettbewerbe hat Klaus ihn präpariert. Ohne an Rundstreckeneinsätze zu denken: "Oldtimer-GP? Nie gehört." Erst 2004 erfuhr er von der Sause in der Eifel, fuhr hin, traf alte Kollegen wie Walter Röhrl, Armin Schwarz. Und Freddy. Die Entscheidung zum Start war nur noch Formsache. Und die Technik des Datsun? Die bleibt – von einem Terrain zum nächsten – unverändert. Na ja, beim Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft, bei dem Ford Capri RS und Escort Cosworth, BMW 3.0 CSL und M1, Porsche RSR und 935 antreten, ist der 240er nicht der Allerschnellste – es reicht gerade für Achtungserfolge und Respekt. Immerhin. "Aber es gibt Wichtigeres", sagt Freddy: den Spaß. "Die Schnellsten waren wir lange genug", ergänzt Klaus. Und dann schütten sich die beiden Großväter wieder aus vor Lachen.

Zu den Fahrern

Klaus Fritzinger (70) Mit 17 spielt der Profi-Kicker mit Fritz Walter bei Lautern, dann geht er nach Saarbrücken. Und wird Nationalspieler des Saarlandes. 1963 wirft er als Fußballer hin, gibt drei Tage später sein Renndebüt. Und holt auf Mini Cooper Platz drei. Ab 1965 führt Fritzinger Touren- und Sportwagenrennen, Bergrennen und Rallyes. 1971 bestreitet er neben Stuck und Mass die Deutsche Rennsport-Meisterschaft für Ford, wird 1972 Vizemeister. Ab 1974 baut er zusammen mit Ove Andersson das Toyota-Team auf, fährt Rundstrecke und Rallyes. Er gewinnt dreimal die mörderische Tour d'Europe (15.000 Kilometer), bestreitet 20 Mal die Rallye Monte Carlo. 1996 zieht Klaus Fritzinger sich vom Motorsport zurück, heute vertreibt er weltweit seine patentierten Kartbahn-Absperrungen.

Freddy Kottulinsky (75) 1932 als Winfried Philippe Adalbert Karl Graf Kottulinsky Freiherr von Kottulin in München geboren. 1954: Umzug nach Schweden. 1959: erste GT-Rennen. 1961: schwedischer GT-Vizemeister auf Porsche 356 Carrera. Ab 1962: diverse Formel-Klassen (bis 1974 sechs nationale und internationale Titel, auch Rennsiege in der DDR). 1965: Tourenwagenrennen auf BMW 1800 TISA. 1970-1985: BMW-Vertreter in Stockholm. 1975: Entwickler und Pilot des Rallye-Golf für VW Motorsport. 1976/77: Formel 2. 1978: Tourenwagen-Markenweltmeister auf BMW 320 Gr. 5, Rundstrecken-EM für Audi, Initiator und Mitentwickler des Rallyequattro. 1980: Gewinn der Paris-Dakar (Rallye Oasis) auf VW Iltis. 1982: Gründer Audi Fahrsicherheitstraining. 1983: Rallye auf Audi quattro. 1985: Umzug nach Tirol. 1986: DTM auf Audi 200 quattro. 2000-2002: Seriensieger beim Historic Marathon im Lotus Elan. 2006: bei Audi als Fahrertrainer pensioniert. Heute lebt Freddy Kottulinsky in Görkwitz (Thüringen) – und führt mit 75 noch Langstreckenrennen.

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