CLK 63 AMG Black Series gegen 911 GT3 — 15.10.2007
Himmlische Freuden
Mit den "Black Series"-Modellen lässt es Mercedes erstaunlich heftig krachen. Wer so viel Selbstbewusstsein demonstriert, muss sich an den Besten messen lassen. Ist der Porsche 911 GT3 ein würdiger oder eher ein übermächtiger Gegner?
Der Benz paktiert mit der dunklen Seite der Macht
Von außen betrachtet sorgt der Black Series bei den einen für nach unten klappende Unterkiefer. Andere runzeln beim Anblick des in die Breite gegangenen Benz die Stirn: Etwas dick aufgetragen, wo bleibt das Mercedes-Understatement? Gott sei Dank haben die Stuttgarter das mal außen vorgelassen, denn bei einer 507 PS starken Übermöhre, die bei 300 km/h abregelt, wirkt ein zu dezenter Auftritt leicht ein bisschen kleinlaut. Und das ist der Black Series nun mal gar nicht. Schon der dumpf grollende Leerlaufsound zeigt, dass hier ein Mercedes ostentativ den bösen Buben markiert und lieber mit den anderen schnellen Schmuddelkindern im Dreck rumspielt, als mit den Angebertypen aus der Beauty-Liga auf dem Boulevard zu posen. Sein gestählter Body wirkt von vorn durch die verbreiterten Kotflügel, die riesigen Kühlöffnungen der Frontschürze und die seitlichen Bremslüftungsschächte aus Kohlefaser sehr stämmig. Doch vor allem die Heckpartie mit dem mächtigen Kohlefaser-Diffusor, den zwei Doppelendrohren und der ebenfalls aus Carbon gefertigten Abrisskante lässt keinen Zweifel offen: Der CLK 63 AMG Black Series paktiert mit der dunklen Seite der Macht.Im Vergleich übt sich der Porsche in Understatement
Dagegen nimmt sich der GT3 fast dezent aus mit seiner klassischen Elferform, die von einem starren, verstellbaren Heckflügel, einer tief heruntergezogenen Frontspoilerlippe mit gewaltigen Luftkanälen und der Abluftöffnung vor dem Kofferraumdeckel dominiert wird. Der derzeit sportlichste Spross der Porsche-Familie übt sich äußerlich fast in Understatement. Betrachtet man das Innere der beiden Boliden, wird schnell deutlich: Hier geht es um schnelle Rundenzeiten. Die Vollschalensitze des CLK 63 AMG sitzen perfekt, die Fondsitze fehlen und bieten stattdessen zwei Mulden als Ablage. Das 365 Millimeter kleine, unten abgeflachte Lenkrad verspricht viel Lenkgefühl, auch wenn es durch den weit links angebrachten Sitz minimal zu weit rechts steht. Auch der GT3 macht keinen Hehl aus seiner Lieblingsbeschäftigung.Auch hier fehlen die Rücksitze, kommen serienmäßig mit Alcantara bezogene Schalensitze und ein ebenso beledertes Lenkrad zum Einsatz. Beide bieten zudem Stoppuhren (GT3 optional) zur Zeitenermittlung. Während der Porsche ohne Stabilitätskontrolle auskommt und, nur mit einer Traktionskontrolle bestückt, an die Vernunft des Fahrers appelliert, verfügt der Black Series über ESP, das hier allerdings mehr Schlupf an der Hinterachse zulässt als bei der "Basis" CLK 63 AMG und sich abschalten lässt. Geschaltet wird im Porsche über ein perfekt gestuftes Sechsgang-Getriebe; der böse Benz-Bube setzt auf eine Siebengang-Automatik, auch manuell über Paddel am Lenkrad bedienbar. Die Hinterachsübersetzung fällt um rund sechs Prozent kürzer aus als in der Serie, was für eine bessere Beschleunigung sorgt. Auf dem Flugplatz bei Rothenburg ermitteln wir die Beschleunigungs- und Bremswerte.
Trotz des geringfügig besseren Leistungsgewichts (Porsche 3,5 – CLK 3,4 kg/PS) hat der Black Series bei allen Messungen das Nachsehen, schiebt sich aber bei wachsender Geschwindigkeit immer näher an den Porsche heran. Nur noch zwei Zehntel Differenz sind es beim Sprint auf 200 km/h. Trotz mächtiger Bremsscheiben (360x36 vorn, 330x26 hinten) hat der Black Series bei der Bremsenmessung gegen den GT3 das Nachsehen. Dank seiner phantastischen Keramikbremsen steht der Porsche bei der ersten Bremsung nach 33,4, nach der zehnten nach 33,0 Metern. Ein fabelhafter Wert, an den der nur durchschnittlich sehr gut bremsende Black Series mit 37,5 Metern kalt und 35,1 Metern nach der zehnten Bremsung nicht ranreicht. Das Kapitel Performance entscheidet also eindeutig der Porsche für sich.
Nie war eine Mercedes-Lenkung besser
Auf der Rennstrecke sorgt der Benz erst mal für Staunen bei Testfahrer Sebastian Schneider: "Die Lenkung ist die beste, die ich je in einem Mercedes erlebt habe." Dazu ein extrem druckvoller Motor, der in allen Drehzahlbereichen brutal anschiebt. Nach ein paar Aufwärmrunden ist klar: Das könnte eng werden für den Porsche GT3. Wir sind gespannt. Mit seiner feinfühligen und direkten Lenkung erlaubt der Black Series sehr zielgenaues Einlenken, lässt sich bei sehr hohen Kurvengeschwindigkeiten exakt auf Kurs halten und am Kurvenausgang mit exakt dosiertem Gaseinsatz schnell wieder auf Tempo bringen. Zu viel oder zu frühen Gaseinsatz quittiert der mit einer Lamellen-Sperre an der Hinterachse ausgestattete CLK mit leicht kontrollierbaren Heckschwenks. Einziges Manko des einstellbaren Gewindefahrwerks: Beim Anbremsen taucht der Vorderwagen etwas stark ein, fühlt sich dann etwas weich an. Ein Quäntchen mehr Härte in der Druckstufe würde dem Black Series guttun, allerdings auch den so akzeptablen Restkomfort auf unruhigem Geläuf stark einschränken. Mit einer Rundenzeit von 1:45,87 Minuten legt der Benz die Messlatte vor.Zu niedrig, denn der GT3 ist auf der Rennstrecke eine Offenbarung. "Das ganze Auto scheint schon im Voraus zu wissen, was der Fahrer vorhat", schwärmt Kollege Schneider. Das Gefühl für die Vorderachse ist phänomenal, das Gripniveau beinahe erschreckend hoch. Wer es mit dem GT3 übertreibt, sollte wissen, was er tut, und schnell handeln. Die Ruhe, mit der sich der GT3 um den Rundkurs prügeln lässt, dazu das exakte Getriebe, der Sound des verwegen trompetenden Klappenauspuffs, die absolute Präzision der Lenkung und die völlig ermüdungsfreien Bremsen sorgen für einen Fahrgenuss auf himmlischem Niveau. Die Rundenzeit des GT3: 1:43,50 Minuten. Zwar schlägt sich der rundum gelungene Black Series wacker gegen den GT3, doch zeigt sich wieder einmal, dass ein geringes Gewicht viel mehr zu vollendetem Fahrgenuss beitragen kann als ein Maximum an Leistung.
| Technische Daten | Porsche 911 GT3 | Mercedes CLK 63 AMG B.S. |
|---|---|---|
| Motor | B6 | V8 |
| Einbaulage | hinten längs | vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
| Hubraum | 3600 cm3 | 6208 cm3 |
| Bohrung xHub | 100,0 x76,4 mm | 102,2 x94,6 mm |
| Verdichtung | 12,0 :1 | 11,3 :1 |
| kW (PS) bei 1/min | 305 (415)/7600 | 373 (507)/6800 |
| Literleistung | 115 PS/Liter | 82 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 405/5500 | 630/5250 |
| Antriebsart | Hinterrad | Hinterrad |
| Getriebe | 6-Gang manuell | 7-Gang Automatik |
| Bremsen vorn | 380 mm/innenbel./gelocht | 360 mm/innenbel./gelocht |
| Bremsen hinten | 350 mm/innenbel./gelocht | 330 mm/innenbel./gelocht |
| Radgröße vorn/hinten | 8,5 x 19 / 12,0 x19 | 9,0 x 19 / 9,5 x19 |
| Reifen vorn/hinten | 235/35R19 / 305/30 R19 | 265/30R19 / 285/30R19 |
| Reifentyp | Michelin Pilot Sport Cup | Pirelli P Zero Corsa |
| Länge/Breite/Höhe | 4427/1808/1280 mm | 4657/1833/1365 mm |
| Radstand | 2355 mm | 2715 mm |
| Leergewicht | 1460 kg | 1746 kg |
| Leistungsgewicht | 3,5 kg/PS | 3,4 kg/PS |
| Zuladung | 220 kg | 249 kg |
| Tankinhalt | 90 l | 62 l |
| Höchstgeschwindigkeit | 310 km/h | 300 km/h |
| Preise in Euro (inkl. MwSt.) | Porsche 911 GT3 | Mercedes CLK 63 AMG B.S. |
|---|---|---|
| Serienfahrzeug ohne Extras | 112.544 Euro | 141.610 Euro |
| Ausstattung | ||
| Bi-Xenon-Scheinwerfer | 1059 Euro | Serie |
| Sitzheizung | 416 Euro | – |
| Keramikbremse | 8711 Euro | – |
| Tempomat | 440 Euro | Serie |
| Navigationssystem | 2921 Euro | ab 1808 Euro |
| Reifendruckkontrolle | 643 Euro | – |
| Stoppuhr | 571 Euro | Serie |
| Schiebedach | 1297 Euro | – |
| Preis Testwagen | 137.231 Euro | 144.549 Euro |
| Messwerte | Porsche 911 GT3 | Mercedes CLK 63 AMG B.S. |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0– 50 km/h | 1,7 s | 2,2 s |
| 0– 80 km/h | 3,2 s | 3,7 s |
| 0–100 km/h | 4,3 s | 4,7 s |
| 0–130 km/h | 6,6 s | 6,9 s |
| 0–160 km/h | 9,2 s | 9,5 s |
| 0–200 km/h | 14,0 s | 14,2 s |
| Viertelmeile | ||
| 0–402,34m | 12,35 s | 12,73 s |
| Elastizität | ||
| 60–100 km/h im 4. Gang | 5,1 s | 2,0 s (Zwischenspurt) |
| 80–120 km/h im 5. Gang | 6,6 s | 2,2 s (Zwischenspurt) |
| 80–120 km/h im 6. Gang | 7,9 s | 2,2 s (Zwischenspurt) |
| Bremsweg (Verzögerung) | ||
| 100–0 km/h kalt | 33,4 m (–11,7 m/s²) | 37,5 m (–10,3 m/s²) |
| 100–0 km/h warm | 33,0 m (–11,7 m/s²) | 35,1 m (–11,0 m/s²) |
| Testverbrauch | ||
| Ø auf 100 km | 12,9 l Super Plus | 17,1 l Super Plus |
| Reichweite | 700 km | 360 km |
































