EU verhandelt Verbrauchsgrenzwerte

CO2-Ausstoß in Europa

— 25.06.2013

Zoff ums CO2

Europa hat entschieden: Autos sollen von 2020 an im Schnitt nur 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Der Beschluss ist umstritten.

(dpa) Europa will die Autobauer zu mehr Anstrengungen beim Klimaschutz zwingen. In der Nacht zum 25. Juni 2013 einigten sich Vertreter der EU-Staaten, des Europaparlaments und der EU-Kommission in Brüssel auf die Fahrtrichtung nach dem Jahr 2020: Weiterhin soll es Obergrenzen für den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) geben. Dank Extra-Anreizen für Elektroautos und andere schadstoffarme Wagen, sollen die Autobauer die CO2-Ziele aber leichter erreichen können. Umweltschützer verdammen diese Boni für schadstoffarme Wagen in der Fahrzeugflotte ("Supercredits") allerdings als Rechentricks.

Zoff um CO2: Greenpeace greift Umweltminister Altmaier an

Die Einigung steht noch unter Vorbehalt: Als verlässlich kann der Beschluss erst gelten, wenn die Botschafter der 27 EU-Staaten ihn bei einer Sitzung am Donnerstag durchwinken. Denn die CO2-Vorgaben sind heiß umstritten. Auch das Europaparlament und die EU-Minister müssen noch grünes Licht geben. Die Verhandlungspartner einigten sich in der Nacht, dass Europa sich für das Jahr 2025 ein neues CO2-Sparziel für Pkw setzen soll – das müsste aber erst noch ausgehandelt werden. Derzeit gilt ein Zielwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer. Bis zum Jahr 2020 soll der durchschnittliche Ausstoß europäischer Neuwagen bei 95 Gramm CO2 pro Kilometer liegen.

Leichter erreichbar werden diese Ziele durch die sogenannten Supercredits. Für jedes Auto, das weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt, können sich die Hersteller gleich mehrere klimafreundliche Wagen gutschreiben lassen. Supercredits helfen also den Firmen, ihre CO2-Ziele zu schaffen, zum Beispiel, indem sie mehr Elektroautos herstellen. Nach der bisherigen Regel gibt es bis 2015 Supercredits, danach laufen sie aus. Doch 2020 sollen sie laut Verhandlungsergebnis wieder eingeführt werden, 2023 liefe die Regelung dann erneut aus.

Die Regelung soll einen Ansporn für die Entwicklung neuer Technologien bieten. Umweltschützer verdammen die Supercredits allerdings als Schlupflöcher. Greenpeace sprach von einer "Subventionierung deutscher Spritschlucker". Die Supercredits seien nichts anderes als Verschmutzungsrechte. Auch die Chefin der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, beklagte: "Merkel und Co sehen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit noch immer fälschlicherweise als Widerspruch. Sie folgen damit der Lobbyarbeit der Automobil-Hersteller." Sie zeigte sich aber froh, dass es auch für die Zeit nach 2020 CO2-Ziele geben soll.

Die Umweltorganisation Transport and Environment begrüßte das Ergebnis. Nach Schätzungen der Organisation könnte sich der durchschnittliche Spritverbrauch von derzeit sechs Liter je hundert Kilometer bis zum Jahr 2025 halbieren. Die Umweltschützer klagten jedoch, auf Druck gerade der deutschen Autobranche mit ihren schweren Oberklasse-Wagen, seien die Pläne abgeschwächt worden.

Der Vorsitzende des Umweltausschusses im Europaparlament Matthias Groote (SPD) kommentierte: "Es ist kein großer Wurf, aber die Richtung stimmt. Mit der Entscheidung zementieren wir unsere Richtung hin zu emissionsärmeren Motoren. Das schont den Geldbeutel der Autofahrer, verbessert die Luft und hilft dem Klima."

Der CDU-Europaparlamentarier Thomas Ulmer, der im Parlament für das Thema federführend zuständig ist, beschrieb das Ergebnis hingegen als ehrgeizig. "Die künftigen Grenzwerte sind eine enorme Herausforderung für die europäischen Hersteller. Sie können aber die technologische Führerschaft der Europäer bei effizienten und innovativen Fahrzeugen sichern helfen", sagte Ulmer.
Auch über die Testverfahren zur Bestimmung des Spritverbrauchs gab es in der Nacht zum Dienstag eine Einigung: Sie sollen überholt werden, damit sie genauer den wirklichen Verbrauch der Fahrzeuge widerspiegeln.

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