CO2-Offensive der EU-Kommission

CO2-Offensive der EU-Kommission

— 20.12.2007

Gute Autos, schlechte Autos

Ökologischer Meilenstein oder "Vernichtungsfeldzug" gegen die deutschen Autohersteller? Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den CO2-Forderungen der EU-Kommission.

Trotz massiver Lobby-Arbeit der Autoindustrie hat die EU-Kommission strenge Klimaschutz-Auflagen für Neufahrzeuge vorgeschlagen. Vor allem die Premium-Hersteller BMW und Daimler müssten danach ihren CO2-Ausstoß bis 2012 deutlich reduzieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die deutsche Autoindustrie lehnten die Vorschläge vehement ab, Umweltverbänden dagegen gehen sie nicht weit genug. Nach Berechnungen der Kommission würden die Auflagen den Preis eines Autos um durchschnittlich 1300 Euro steigern, die Spritkosten aber deutlich senken.

Die Kommission will den CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen ab 2012 auf durchschnittlich 120 Gramm pro Kilometer limitieren. Die Grenzwerte für die einzelnen Hersteller berücksichtigen das durchschnittliche Gewicht ihrer Fahrzeuge. Für BMW und Daimler liegen sie also etwas höher als für Fiat. Dennoch müssen sich die Premium-Hersteller besonders anstrengen, sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas: "Alle Hersteller werden ihre Emissionen verringern müssen, aber Hersteller großer Fahrzueuge müssen mehr tun." Autobauer, die den Durchschnittswert für ihre Fahrzeugflotte verfehlen, müssen dem Vorschlag zufolge Strafen zahlen: Im Jahr 2012 sind für jedes Gramm oberhalb des jeweiligen Grenzwertes 20 Euro zu entrichten, multipliziert mit der Zahl der insgesamt von dem jeweiligen Hersteller verkauften Fahrzeuge. Im Jahr 2013 soll die Strafe auf 35 Euro steigen, 2014 auf 60 Euro und 2015 auf 95 Euro. Derzeit liegt der CO2-Ausstoß bei Neuwagen in der EU im Durchschnitt bei 160 Gramm. Daimler und BMW beispielsweise müssten den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeuge bis 2012 um 25 Prozent senken, um Strafen zu entgehen, Peugeot dagegen nur um elf Prozent.
Das kommt auf die Hersteller zu
Hersteller Emissionen 2006 in Gramm CO2/km Grenzwert 2012 in Gramm CO2/km Veränderung in Prozent
Porsche 282 144 -49
Daimler 184 138 -25
BMW 182 137 -25
Volkswagen 165 134 -19
Renault 147 127 -14
Fiat 144 122 -15
Peugeot 142 126 -11
Ford 162 132 -19
GM 157 129 -18
Toyota 152 127 -16
Nissan 164 126 -23
Mitsubishi 169 128 -24
Honda 153 128 -16
Mazda 173 130 -25
Suzuki 164 123 -25
Subaru 216 135 -38
Hyundai 165 133 -19
Quelle: EU-Kommission


Bundeskanzlerin Merkel lehnt die Grenzwerte strikt ab. "Ich glaube, dass hier Industriepolitik gemacht wird zu Lasten deutscher Autohersteller", sagte sie. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sprach sogar von einem "Vernichtungsfeldzug" gegen die deutsche Autoindustrie. "Die drastischen Strafzahlungen, die jetzt schon absehbar sind, gefährden am Ende tausende von Arbeitsplätzen in Deutschland. Das müssen wir verhindern, sagte Glos der BILD. Der Vorschlag der EU-Kommission enthalte eine extrem überproportionale Belastung größerer Autos, die vornehmlich in Deutschland gebaut würden. "Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes wird hier massive Interessenpolitik betrieben."

Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte die geplanten grenzwerte "nicht fair". Autohersteller dürften für technologisch gute Entwicklungen nicht bestraft werden. Zwar müssten große Fahrzeuge durchaus stärker zur Emissionsminderung beitragen als kleinere und mittlere. Es gehe aber nicht, dass an 50 Prozent der französischen Fahrzeuge überhaupt nichts gemacht werden müsse, während in Deutschland 98 Prozent betroffen seien, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Es entstehe der Eindruck, Brüssel wolle weniger dem Klima, sondern den Konzernen in Frankreich und Italien helfen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) meinte, mit den Vorgaben "wird weder dem Klimaschutz noch der wirtschaftlichen Vernunft gedient". Der ADAC dagegen begrüßte die Kommissionsvorschäge. Er erwarte "ein wahres Innovationsfeuerwerk" der Autoindustrie, um den drohenden Strafzahlungen zu entgehen, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) dagegen nannte die umstrittenen EU-Vorschläge "ein Trauerspiel". Ein Sprecher der Organisation kristisierte, dass schwere Autos weiterhin mehr CO2 ausstoßen dürften. Die Umweltorganisation Greenpeace verlangt schon jetzt die Festsetzung eines Grenzwertes von 80 Gramm Kohlendioxid ab dem Jahr 2020.

Die wichtigsten Fragen

Warum gibt es überhaupt das Gesetz? Die europäischen Autohersteller hatten sich 1996 dazu verpflichtet, bis 2008 den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) freiwillig auf 140 Gramm pro Kilometer zu senken. Von 1995 bis 2004 gingen die Emissionen in der EU von 186 auf 163 Gramm zurück. Trotzdem erhöhte sich der CO2-Ausstoß des stetig wachsenden Straßenverkehrs um 26 Prozent. Die EU will mit den neuen Vorschriften dazu beitragen, die Klimaschutzziele des Kyoto-Protokolls zu erreichen.

Für welche Fahrzeuge gilt das? Die Vorschriften sollen ab 2012 für alle in der EU zugelassenen neuen Pkw gelten, also auch für Importe.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang Fahrzeugflotte? Ab 2012 dürfen die Neuwagen eines Herstellers im Durchschnitt der gesamten Flotte nicht mehr als 120 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Allein mit der Motorentechnik sollen 130 Gramm erreicht werden. Weitere zehn Gramm sollen durch sparsame Klimaanlagen, bessere Reifen oder den Einsatz von alternativen Kraftstoffen eingespart werden. Maßgeblich für die Berechnung der Grenzwerte ist das Gewicht der Autos. Hersteller schwerer Wagen bekommen noch einige Gramm "gutgeschrieben", deshalb hat jeder Hersteller einen anderen Wert (siehe Tabelle). Trotzdem: Bei schweren Autos muss der Ausstoß verhältnismäßig stärker sinken als bei Kleinwagen.

Welche Strafen drohen? Um die Autoindustrie zu Investitionen in umweltfreundlichere Technologien zu bewegen, soll ein Überschreiten des Grenzwertes geahndet werden. Die Strafen beginnen 2012 mit 20 Euro je zusätzlichem Gramm CO2, steigen dann bis 2013 auf 35 Euro, dann 60 Euro (2014) und schließlich 95 Euro ab 2015.

Welcher Hersteller muss besonders hart arbeiten? Porsche liegt mit einem Emissionswert von 282 Gramm CO2 am weitesten über dem Zielwert. BMW und Daimler haben mit gut 180 Gramm auch noch einen weiten Weg vor sich.

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