Coast-to-Coast-Marathon (4. Teil)

Coast-to-Coast-Marathon (4. Teil)

— 02.08.2005

Von Chicago nach Lincoln

Mais, Mais, Mais berall Mais. Kaum ist man aus Chicago raus, dominiert gelbes Gemse die Landschaft. Es geht durch Amerikas Kornkammer.

Chicago ist eine quirlige Metropole

Illinois, Iowa, Nebraska ein Blick in den Rand-McNally-Roadatlas stimmt uns beim Frhstck auf die heutige Strecke ein. Es geht quer durch Amerikas Kornkammer. Hier tragen die Farmer Schirmmtzen mit Caterpillar-Aufschrift und spucken permanent vom Kautabak geschwrzten Speichel in dafr zweckentfremdete Kaffeebecher aus Plastik.

John-Deere-Country heit diese Region im Volksmund. Je weiter wir nach Westen kommen, desto seltener werden Coups und Importwagen. Stattdessen dominieren Pick-ups und groe Sedans die Straen. In Chicago sah das noch anders aus. Ein Volkswagen New Beetle, Porsche Cayenne und Mazda RX-8 gelten als chic. Buick, Oldsmobile und Lincoln sind dagegen als "Alte-Leute-Autos" verschrien und total out.

Chicago ist eine quirlige Metropole, die Straen sind voll, der Verkehr rollt zh. Ideal also fr einen Verbrauchsvergleich unter Grostadtbedingungen. Nach einer Stunde kreuz und quer durch Downtown ermittelt der Bordrechner eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h. Ampel folgt auf Ampel. Oft mssen wir zwei Phasen warten. Abbiegen, anhalten, anfahren, bremsen derartige Bedingungen sollten eigentlich ideal sein fr den Hybrid-Lexus. Nach einer Stunde ermitteln wir den Verbrauch und sind erstaunt. Der RX 400h schafft mit 13,2 Liter keinen sonderlichen guten Wert und liegt nur knapp vor den beiden ML (13,9 und 13,5 Liter). Eine kleine Enttuschung, die sich ein stckweit dadurch erklrt, da der RX 400h in seiner Warmlaufphase den Katalysator vorheizen mu und vor allem auf den ersten Kilometern der V6 stndig mitluft. Darum kann der Lexus whrend der Wartezeiten nicht von der Motorabschaltung profitieren und verbraucht zunchst relativ viel Sprit.

Maisfelder dominieren die Landschaft

Eine Entschuldigung aber kann das nicht sein. Schlielich hatten auch die beiden Diesel ihre Warmlaufphasen. Auf dem Freeway ist das Tempo heute langsamer als gestern. Auerdem mssen wir oft an Mautstationen stoppen, zahlen und wieder anfahren. Dazu kommen kleinere Staus.

Beim nchsten Tankstopp sind die vernderten Straenbedingungen auch prompt zu erkennen: Der Mercedes-Verbrauch steigt mit 9,9 Liter strker an als der vom Lexus (10,0 Liter durchschnittlich) hier liefern sich die beiden Techniken also ein Kopf-an-Kopf-Duell. Der Verbrauchsvergleich auf unseres Coast-to-Coast-Marathons quer durchs Bush-Land wird so gesehen immer spannender.

Um die Mittagszeit berqueren wir den Mississippi und erreichen Iowa. Was, bitteschn, fllt einem zu Iowa ein? Nichts. berhaupt nichts. berhaupt gar nichts. So denken viele Amerikaner, und auch fr die meisten auslndische Touristen bleibt der Bundesstaat in der Mitte der USA ein groes Fragezeichen. Zu Unrecht. Auf den ersten Blick dominieren endlose Maisfelder die flache Landschaft rechts und links vom I 80. Auch auf den zweiten und dritten: Mais, Mais, Mais. Mais links, Mais rechts. berall Mais.

Neben der Verwendung als Futter- und Smais wandert das Getreide seit einiger Zeit verstrkt in die Biodieselproduktion. Prsident Bush mchte das Land unabhngiger vom Erdl machen. In seinem Regierungsprogramm wurden erst krzlich grere Mengen Biodieselbeimischung zum Normaldiesel beschlossen. Auerdem versuchen Energiepolitiker gerade eine Ethanolkampagne ins Leben zu rufen. Der Alkoholkraftstoff ist CO2 neutral und wird ebenfalls aus Pflanzen gewonnen.

Der grte Truckstop der Welt

Es ist tatschlich zu spren: Seit die Benzinpreise auch in den USA Rapide klettern, wchst die Bereitschaft, sich mit Alternativen zu befassen. Unserem Fotografen Volker ist das alles zuviel: "Ich kann keinen Mais mehr sehen", jammert er. "Wo soll ich denn heute noch gute Bilder kriegen?" Und als ob sein Flehen erhrt wird, taucht bei Walcott rechts eine riesige Werbetafel auf: "Iowa 80 Truckstop the world largest truck stop!"

Natrlich ist das fr Volker ein gefundenes Fressen, und er holt sich die Kapitne der Landstrae vor die Kamera. Die Fakten sind schnell recherchiert: 800 Lkw-Stellpltze, mehr als 2000 Trucks pro Tag und rund 4000 Kunden. Das Ding gibt es seit 41 Jahren, bald soll es grenmig verdoppelt werden. Platz genug gibt es ja. Die paar Maisfelder, die dem Ausbau zum Opfer fallen, sind nicht der Rede wert.

Schnurgerade zieht sich die I 80 gen Westen. Auf Des Moines folgt Omaha. Das liegt schon in Nebraska und ist eine groe Versicherungsmetropole. Wir setzen den Tempomat auf umgerechnet 75 Meilen die Stunde (hem, zehn mehr als erlaubt) und nhern uns zgig unserem Tagesziel Lincoln. Morgen wollen wir wieder ein Stck ber Nebenstraen fahren, und Nebenstraen bedeutet hier Schotterwege. Dort soll der ML dann seine Offroad-Qualitten beweisen.

Autor: Jrg Maltzan

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