Coast-to-Coast-Marathon (5. Teil)

Coast-to-Coast-Marathon; Lincoln – Cheyenne Coast-to-Coast-Marathon; Lincoln – Cheyenne

Coast-to-Coast-Marathon (5. Teil)

— 03.08.2005

Von Lincoln nach Cheyenne

Bei Rekordtemperaturen geht es weiter gen Westen. Zur Halbzeit der M-Klasse-Tour durch die Vereinigten Staaten erreichen wir das Archway-Monument, eine riesige Brücke.

Lincoln glänzt mit einer kleinen Altstadt

Heiß, heiß, heiß – heute erleben wir Rekordtemperaturen. Die Sonne brutzelt das amerikanische Heartland, so heißt das geographische Herz der USA, mit aller Macht. Davon später mehr. Zunächst besichtigen wir Lincoln, das mit einer kleinen, aber feinen Altstadt glänzt. Die Gegend um den Bahnhof ist sehr schmuck herausgeputzt; eine alte Dampflok dient als Blickfang. Ansonsten macht die Kapitale des Mais-Staates ihrem Ruf als Inbegriff amerikanischer Provinzstädte alle Ehre: ein simples Schachbrettmuster aus Einbahnstraßen, Hochhäusern und Wohngebieten.

Die Orientierung ist kinderleicht, verfahren unmöglich, die Beschilderung perfekt. Nach der Fahrerei durch die Stadt ermittelt Mercedes-Ingenieur Holger Enzmann, der heute übrigens seinen 34 Geburtstag feiert und keinem davon etwas erzählt hat, den reinen Stadtverbrauch der Testkandidaten. Und erneut liegen sie erstaunlich dicht beieinander. Der ML verbraucht in Lincoln 15,6 Liter, für den Lexus errechnet sich exakt einen Liter weniger. Wieder ein Ergebnis, daß dem RX 400h nicht sonderlich schmeichelt.

Denn bei Fahrversuchen in Deutschland mit dem Hybrid-Lexus hat mein Kollege Dirk Branke einen innerstädtischen Testverbrauch von klar unter zehn Litern ermittelt. Warum er hier mehr braucht, mag mit den speziellen Fahrbedingungen in amerikanischen Provinzstädten zusammenhängen. Wir sind gespannt, wie er sich an der Westküste, den Hauptabsatzmarkt für Autos mit Hybridantrieb, schlagen wird. Also weiter, gen Westen. Die Interstate 80 hat uns blitzschnell wieder und schon rollen wir mit Tempomat Richtung Pazifik.

Im Gelände schlägt der ML den Lexus klar

Es wird immer wärmer. Gespannt beobachten wir das Bordthermometer und erreichen in allen drei Autos maximal 43,5 Grad Celsius. Zum Glück haben wir alle eine Klimaanlage im Auto. Jedes Mal wenn wir aussteigen ist es wie ein Saunagang – extrem heiß. Gnadenlos grillt die Sonne die Region, besonders den Osten von Nebraska. Eine Gegend, die nicht mit geographischen oder kulturellen Höhepunkten glänzt, so daß wir ein paar Meilen parallel der I 80 über Schotterwege fahren – das liebt der ML 320 CDI.

Schließlich ist er mit permanentem Allradantrieb bestückt (Kraftverteilung 50 zu 50 Prozent mittels Verteilergetriebe) und damit ideal für losen Untergrund gerüstet. Erwartungsgemäß macht der Mercedes seine Sache sehr gut; besser jedenfalls als der Lexus, der eigentlich ein Fronttriebler ist und durch einen E-Motor an der Hinterachse zum 4x4-SUV wird. Damit ist er zwar einzigartig, aber längs nicht so geländegängig wie der ML. Der Japaner ist eher ein Salonlöwe, dessen Karosseriedesign auch deutlich weichere Züge trägt als die maskuline Erscheinung des Mercedes.

Ebenso sind Lenkungs- und Bremsgefühl im ML deutlich verbindlicher abgestimmt. Dabei haben unsere Testwagen noch nicht einmal das optionale Offroadpaket an Bord. Das gibt es nur in Verbindung mit Luftfederung (1900 Euro) und kostet 1100 Euro extra, zusammen also 3000 Euro. Unter reinen Fahrspaßaspekten liegt der ML klar vorn. Aber uns geht es ja primär um den Verbrauch, und da liegen beide sehr nah beieinander.

Kurze Rast am Friedhof der Oldtimer

Um die Mittagszeit erreichen wir das Archway-Monument in der Nähe der Stadt Kearney. Das ist eine riesige Brücke, die ein tolles Museum beherbergt, und genau die Mitte zwischen Ost- und Westküste markiert: 1733 Meilen nach links, 1733 Meilen nach rechts. An beiden Enden wartet das große Wasser. Wir sind genau in der Mitte, feiern Bergfest, Halbzeit sozusagen.

Etwas weiter westlich tauschen wir die I 80 mit dem Highway 30. Er verläuft nördlich zum Interstate und ist der umbenannte Lincoln Highway – die erste durchgehende Coast-to-Coast-Straße, die ab 1914 Stück für Stück befestigt wurde. 1924 fuhr der zehnmillionste Ford Model T die Strecke. Ein Trip von New York nach San Francisco dauerte gut zehn Tage.

In den 50ern ersetzte die I 80 die alte Straße und die Reisezeit schrumpfte auf nur 48 Stunden – das nennt man Fortschritt. Von dem will der kauzige Typ, der im Kaff Brady (350 Einwohner) eine Werkstatt an einer ausrangierten Tankstelle betreibt, nichts wissen. Er nennt sich "Commander Milchner" und erzählt wirres Zeug über Vietnam, Afghanistan, alte Autos und Dieselmotoren. Zähne hat er kaum noch, dafür eine ölverschmierte Hose und jede Menge Lebensweisheiten.

Unsere Fragen mag er so wenig wie Präsident Bush und statt Antworten hagelt es Gegenfragen: "Was bringen alternative Kraftstoffe?", "Welche Ausbildung hast Du?". Hinter seiner Werkstatt stehen jede Menge Straßenkreuzer aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren. Sogar ein zweimotoriges Oldtimer-Flugzeug findet sich auf seiner Schrottplatz-Idylle. Hier könnten wir den ganzen Tag verbringen und die Oldies bestaunen. Doch die Straße ruft. Zunehmend öffnet sich die Landschaft. "Cattle" statt "Corn" heißt hier das Motto: Rinder statt Mais. Willkommen im Buffalo-Country. Die Cowboys haben das Wort, und unser Tagesziel Cheyenne ist ihre Hauptstadt. Morgen ruft der Wilde Westen.

Autor: Jörg Maltzan

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