Coast-to-Coast-Marathon (8./letzter Teil)

Coast-to-Coast-Marathon (8./letzter Teil)

— 08.08.2005

Von Reno nach San Francisco

Der Coast-to-Coast-Marathon geht mit einer kurzen Etappe in die letzte Runde. In San Francisco ist es Zeit fr ein Fazit.

Oldtimerfreunde erobern Reno

Es geht ins Ziel. Die heutige Tagesetappe ist nur 230 Meilen lang ein Klacks im Vergleich zu den Marathon-Strecken der letzten Tage. Unser Abschlufoto machen wir unter der Oakland-San Francisco Bay Bridge. Von dort sind es nur noch ein paar Meilen zum Golden Gate, unserem Endpunkt am pazifischen Ozean. Dort wird abgerechnet und das Endergebnis der Verbrauchsfahrt von Kste zu Kste ermittelt.

Am Morgen starten wir in Reno und staunen noch mal ber die vielen Straenkreuzer-Oldies, die die Stadt bevlkern. Reno scheint dieser Tage die Haupstadt der Klassikerfreunde zu sein. Kein Motelparkplatz, auf dem nicht ein Thunderbird, GTO, Super Bee, Impala oder Charger parkt. Alle Unterknfte sind ausgebucht. Die Stadt ist voll. "Hot August Nights" heit die Veranstaltung, die vor allem Oldiefahrer aus Kalifornien, Nevada und Arizona magisch anzieht. Und das stimmt aufs Wort. Nicht nur in Bezug auf die PS-starken Amischlitten, sondern auch wegen der hohen Temperaturen.

Gestern nacht khlte es kaum unter 30 Grad ab. Entsprechend hei beginnt der neue Tag. Neben bollernden Musclecars sind es auch aberwitzig getunte Volkswagen, die sich in Reno ein Stelldichein geben. Besonders verrckt ist der Kfer, dem vorn ein Kompressor-V8 aus dem Bug wchst, whrend gleichzeitig im Heck ein Dreiliter-Porscheboxer sgt. Die Liebesaffre der Amis mit Autos kann schon merkwrdige Zge annehmen.

In Sachen Verkehr mu was passieren

Von Reno ber Truckee verluft die Interstate 80 durch den Tahoe National Forest und ist ein landschaftlicher Traum. Kein Wunder, da Kalifornien auch der Golden State genannt wird. Die Namensgebung stammt zwar von den Goldsuchern, die 1849 hier ihr Glck versuchten, aber der Staat wirkt noch immer goldrichtig. Ruckzuck erreichen wir Sacramento. Hier hat Arnie das Wort.

Der sterreicher Schwarzenegger ist der berhmteste Einwanderer Kaliforniens und seit zwei Jahren Landesvater. Mit vielen Vorschulorbeeren ist der Muskelmann mit Tellerwscherkarriere gestartet. In Sachen Umwelt ist er Befrworter von alternativen Kraftstoffen wie Wasserstoff. Publikumswirksam hat sich der Republikaner Schwarzenegger einen seiner Hummer von GM mit Hydrogenantrieb umbauen lassen; allerdings angetrieben mit Verbrennungsmotor und nicht mit der fortschrittlichen Brennstoffzelle. Was Arnie ber Diesel denkt, ist leider nicht berliefert.

Da hier was in Sachen Verkehr und Umwelt passieren mu, ist bei der Fahrt durch die kalifornische Haupstadt offensichtlich. Lange, lange Blechlawinen rollen in alle Richtungen. Auch der I 80 ist Richtung Westen auf fnf Spuren an der Kapazittsgrenze. Je nher wir nach San Francisco kommen, desto voller wird es. Dabei fllt auf, da um uns herum immer mehr Japaner, aber auch deutsche Autos rollen. Kurz vor der berhmten Universittsstadt Berkeley berholt uns ein schwarzer Lexus RX 400h der erste auf der gesamten Tour, den wir zu Gesicht bekommen. Toyota will angeblich schon die gesamte Jahresproduktion des Lexus-Hybriden in den USA verkauft haben.

Freie Fahrt fr den Hybridantrieb?

Ganz links hat der Freeway hier eine sogenannte "Carpool Lane" eine Sonderspur fr Fahrgemeinschaften. Sie ist an einer weien Raute auf der Fahrbahn zu erkennen und darf nur von Wagen benutzt werden, in denen mindestens drei Personen sitzen. Bei Miachtung hakelt es ein saftiges Bugeld von 271 Dollar. Die berwachung erfolgt mit Kameras.

Bald soll die "Carpool-Lane" auch fr Hybridfahrzeuge, in denen Alleinfahrer sitzen, geffnet werden. Arnie scheint tatschlich etwas zu bewegen. Kommt die freie Fahrt fr Prius, Lexus und Co, wre das ein groer Vorteil fr Hybridautos. Derartige Anreize sind in den USA entscheidend, um einem Antriebskonzept zum Erfolg zu verhelfen.

Wie allgegenwrtig das Thema Hybrid an der Westkste ist, zeigt sich schlielich auch noch beim Check-In am Flughafen. Liang ist asiatischer Abstammung, arbeitet am Schalter und erzhlt, da sie begeisterte Prius-Fahrerin ist und bald einen Brief von den Behrden erwartet, in dem die freie Fahrt auf Carpool-Spuren genehmigt wird. Nur vom Verbrauch ist sie etwas enttuscht. Obwohl Toyota damit wirbt, da der Prius fast 60 Meilen auf die Gallone schafft, sind es bei Liang meistens nur knapp ber 40. Trotzdem liebt sie das Auto, weil es beim Tanken viel Geld spart.

Gesamtverbrauch und Fazit

Die Bilanz: 5229 Kilometer betrgt die gefahrene Gesamtstrecke fr den Mercedes, 5126 Kilometer fr den Lexus. Der Hybrid bentigte dafr 139,3 US-Gallonen Kraftstoff, der Mercedes hat durch ein paar Zusatzschlenker und Umwege 103 Meilen mehr absolviert, aber nur 127,4 Gallonen getankt. Umgerechnet ergibt das einen Durchschnittsverbrauch von 9,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer beim ML 320 CDI und 10,2 Liter beim RX 400h. Beiden Konzepte trennt also exakt ein Liter.

Folglich geht der Mercedes als Sieger aus dem Sprit-Marathon hervor. Die moderne CDI-Dieseltechnik kann beim Verbrauch nicht nur mit dem Japan-Hybrid mithalten, sondern sie ist sparsamer. Nachteil allerdings bleiben trotz Partikelfilter seine zehnfach schlechtere Stickoxid-Werte (NOx). Die schlechtere Fahrdynamik des Mercedes beschrnkt sich ausschlielich auf eine trgere Geradeaus-Elastizitt. Geht es zgig ums Eck oder ins Gelnde, ist er auch hier der Gewinner. Herzlichen Glckwunsch!

Autor: Jrg Maltzan

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