Cobra von Witte

Cobra von Witte

— 15.04.2003

Ich war eine Corvette

Auf Basis einer 92er Chevy Corvette baut Frank Witte die breiteste Cobra der Welt. Gemessen: zwei Meter fnfundzwanzig.

ppige 305er-Walzen an der Hinterachse

Du glaubst es nicht. Vor dir steht eine Cobra wie nie zuvor. Doch was heit hier Cobra! Es ist ein Monstrum: 4,10 Meter lang, nur 1,20 hoch und sagenhafte 2,25 breit. Zwei Meter fnfundzwanzig! Trotzdem wirken die fetten Cobra-Rundungen harmonisch in die Karosserie integriert. Verdammt gut gemacht. ppige 305er-Walzen an der Hinterachse lassen keinen Zweifel aufkommen: Hier kommt der dickste Hammer Deutschlands.

Dafr verantwortlich zeichnet der Berliner Frank Witte (36). Gelernter Mbeltischler und Autonarr. Er gilt als Kitcar-Papst und hat seine Breitversion der Cobra komplett nach eigenen Ideen aufgebaut. Dafr hat er eine Chevrolet Corvette Baujahr 1992 geopfert.

Die Karosserie wird abgetakelt wie ein alter Dampfer. Nun folgt der brutalste Akt: Frank Witte zersgt die Bodengruppe lngs in zwei Teile, verbreitert den Rahmen um 20 Zentimeter und schweit die Hlften wieder zusammen. Klingt abenteuerlich, passiert aber sorgfltig unter den Argusaugen eines DEKRA-Gutachters.

Krnung sind die edlen Innenausstattungen

Danach wchst das Cobra-Kleid rund um die neue Plattform. Die Kunststoffkarosserie macht Witte komplett selbst. Erst wird laminiert (so nennt der Fachmann das Aufbringen von Kunstharz in eine Form), dann nach dem Trocknen folgt die Feinarbeit mit Hobel und Schleifgert.

Erst wenn GFK und Bodengruppe vereint sind, geht's an die Technik. Elektroingenieur Christo Dimitrow (65) entwirft eigens Kabelbume. Frank Witte kmmert sich um die Mechanik. Statt unterdimensionierter Chevy-Khler baut der findige Berliner zwei Riesen-Radiatoren aus dem BMW 750i ein. Die Zahnstangenlenkung stammt vom Jaguar XJ Baujahr 1984. Als Leckerbissen folgen einstellbares Fahrwerk, Aluminium-Tankdeckel mit Schnellverschluss und eine Pioneer-Soundanlage. Die Krnung sind die edlen Innenausstattungen. In unserem Fall rotes Leder, wohin das Auge blickt. Bei Bedarf auch blaues Alcantara. Der Individualisierung sind keine Grenzen gesetzt.

brigens: Auf Wunsch baut Frank Witte seine Mega-Biester auch mit Jaguar-XJ 12- oder Mercedes-Benz-500-SL-Motoren. Fr all diejenigen, die mit ihrer verrckten Schlange zur Inspektion zur Mercedes-Werkstatt um die Ecke fahren mchten. Demnchst soll eine 340 PS starke Version auf Basis des Audi S8 folgen.

Shift-Hebel ziehen, sonst tut sich gar nichts

Jetzt aber her mit dem Zndschlssel. Erster Eindruck nach dem Einsteigen: Die Riesen-Schlange bietet viel mehr Platz als das Original aus den 60er Jahren. Der Grund: Die Spender-Corvette hat ppige 2,35 Meter Radstand. Die roten Lederpolster sitzen perfekt. Eine eigens angelegte Riffelblechstufe im Wagenboden schafft auch fr Sitzriesen ausgezeichnete Beinfreiheit. Mein Blick schweift ber die chromgefassten Rundinstrumente: So edel knnen heute Kitcars sein.

Ich drehe den Zndschlssel nach rechts: Mit leichtem Surren beginnt die Benzinpumpe ihre Arbeit. Sie hat viel zu tun. Alle 100 Kilometer mssen 25 Liter aus dem in Handarbeit gefertigten Aluminiumtank von achtern Richtung Achtzylinder geschaufelt werden. Jetzt schnappt der Zndschlssel eine Skala weiter: "Wroooam!" Mit dumpfem Gebrll erwacht der 5,7-Liter. Jede Zndung erschttert den Leiterrahmen. Jede Kolbenbewegung berhrt das Herz. Ohne Euro 4 drften unsere V8-Amis heute also so klingen.

Jetzt soll es aber endlich vorwrts gehen. Ich wrge an dem zangenartigen Automatikgriff, nichts passiert. Die Witte-Cobra parkt weiterhin brabbelnd, brodelnd und wummernd auf dem Parkplatz. Ihr Schpfer kommt herbeigeeilt: "Mensch, Manneken, das ist ein Automatik-Renngetriebe. Du musst den Shift-Hebel ziehen, sonst tut sich gar nichts." Aha. Und wozu soll das gut sein? Witte klrt mich auf: "Ein spezieller Drehmomentwandler ermglicht das Anfahren mit erhhter Drehzahl. Fr noch mehr Beschleunigung. So 5,5 Sekunden auf 100 sind mglich." Das hrt sich gut an.

Bei 200 km/h gibt der Fahrer freiwillig auf

Also, noch mal die Prozedur: Shift-Hebel ziehen und Whlhebel ganz nach hinten reien. Mit einem metallischen "Klack, rums!" rastet Fahrstufe D ein. Und es geht los. Erst langsam die sieben Liter l warm fahren. Dann immer beherzter. Die megabreite Cobra schiebt derart brutal an, dass dir der Schdel nach hinten gerissen wird. Also: Das ESP im rechten Fu einschalten und lieber piano weiter.

Auf den holprigen Kopfsteinpflasterstraen rund um Ludwigsfelde bei Berlin ist das ohnehin besser. Der Leiterrahmen zappelt und zittert wie Espenlaub. Logisch: Die Replica kann kaum besser sein als der verwendete Rahmen von General Motors. Die betagte Jaguar-XJ-Hinterache funktioniert mehr aber auch nicht. Bei 200 gibt der Fahrer freiwillig auf. Theoretisch sollen mit kurzer Achse immerhin bis 210 km/h mglich sein.

Bisweilen knarrt und chzt es im Kunststoffgeblk. "Ganz normal", betont Frank Witte. "Wer perfekt passende Tren und klapperfreie Fenster erwartet, ist bei einem Kitcar an der falschen Adresse. Es sind Unikate und deshalb auf dem Qualittsstand eines Prototyps." Das heit: von der Serienqualitt Meilen entfernt.

Von null auf Superstar fr 65.000 Euro

Es beginnt zu regnen. Die Wischer sehen labil aus, arbeiten aber zuverlssig. Lediglich der Wischermotor knnte leichtes Tuning gebrauchen. Mit den drei rmchen aus dem Morris Minor hat er reichlich zu tun. Selbst in der schnellsten Stufe schafft es der Wischermotor nur mhsam, die drei Gummilippen fix ber die Frontscheibe zu ziehen. Wie gerne wrde ich ihm helfen.

Aber das geht nicht. Denn bei Regen heit es besonders aufpassen. Die riesigen Hinterrder drehen beim Ampelstart sofort durch, die Cobra ringelt sich ein. Tja, bei der kurzen Achsbersetzung von 3,31:1 kann auch die 40-prozentige Differenzialsperre an der Hinterachse nicht viel helfen.

Das Auto ist ein gigantischer Hingucker. berall, wo du auftauchst, bist du prominent. Von null auf Superstar in 5,5 Sekunden. Das Ganze hat auch noch einen netten Nebeneffekt: Die Cobra, egal ob als Original oder Replica, hat einen unglaublichen Sympathiefaktor. Bleibt unterm Strich nur die Frage nach dem Preis: Ab 65.000 Euro gibt es die breiteste Cobra der Welt. Das ist der Preis fr ein BMW M3 Cabrio. Das ist die eine Rechnung. Die andere sieht so aus: Eine echte Cobra 427 von 1967 wird mit 300.000 Euro und mehr gehandelt. Wittes Wildwagen ist schon fr ein Fnftel zu haben.

Technische Daten im berblick

Und er ist wohl auch deutlich alltagstauglicher. Frank Witte jedenfalls behauptet: "Ich fahre meine Cobra fast jeden Tag. Ich bin nicht der groe Putzer und Wienerer. Ein Auto muss gut aussehen, das ist klar. Aber vor allem muss es funktionieren. Immer. Und genau so baue ich auch meine Autos: Sie mssen robust sein. Und sie mssen jeden Tag klaglos laufen. Nur so macht es Spa." Das mit dem Spa glauben wir nach unserer Ausfahrt gerne. Ganz ehrlich.

Technische Daten Chevrolet-V8 eine zentrale Nockenwelle zwei Ventile pro Zylinder Hubraum 5700 cm3 225 kW (306 PS) bei 5200/min maximales Drehmoment ca. 480 Nm bei 3750/min Hinterradantrieb Dreistufenautomatik 40-%-Differenzialsperre vorn doppelte Dreieckquerlenker, hinten Querlenker, mittragende Halbachsen rundum Scheibenbremsen Rder 265/50 R 15 vorn, 305/50 R 15 hinten Lnge/Breite/Hhe 4100/2250/1200 mm Radstand 2350 mm Tankinhalt 100 l Leergewicht 1200 kg 0100 km/h in 5,5 s Spitze 210 km/h Preis ab 65.000 Euro

Autor: Oliver Lauter

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung