Aktionärstreffen bei Continental 2009

Continental-Hauptversammlung 2009

— 24.04.2009

Ein Konzept muss her!

Draußen demonstrierte die Belegschaft, drinnen ging es nicht minder lebendig zu: Auf der Jahreshauptversammlung des in Not geratenen Autozuliefers Continental bestimmten dramatische Aufrufe die Szenerie.

(dpa/cj) In einem dramatischen Appell an Großaktionär Schaeffler hat Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann die rasche Vorlage eines zukunftsfähigen Konzepts für die beiden angeschlagenen Konzerne gefordert. Ein weiteres Zuwarten in der extrem schwierigen wirtschaftlichen Lage berge das Risiko einer "unkontrollierten Entwicklung", sagte Neumann am Donnerstag (23. April 2009) am Rande der Hauptversammlung in Hannover. Neumann kündigte an, innerhalb von maximal 100 Tagen selbst ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen zu wollen.

Neumann fürchtet "starke Lähmungserscheinungen"

Conti-Vorstandsvorsitzender Karl-Thomas Neumann mahnte dringend den Entwurf eines zukunftsfähigen Konzepts an.

Continental alleine könne die benötigten Antworten auf die grundlegende Fragen aber nicht liefern, sagte Neumann mit Blick auf Schaeffler. Er warnte vor Egoismus und forderte den "guten Willen" aller Beteiligten. Ohne grundlegende Weichenstellungen sei der Handlungsspielraum von Conti sehr eingeschränkt, bis hin zu "starken Lähmungserscheinungen". Frank-Holger Lange von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, Schaeffler versuche, eigene Interessen auf dem Rücken von Conti durchzusetzen. Das Vorgehen sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos". Heiko Barkemeyer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger forderte, Schaeffler dürfe nicht versuchen, Schulden auf Conti zu übertragen. Er sprach von einer "katastrophalen Entwicklung" bei Conti.

25.000 Kurzarbeiter, 6000 Jobs weltweit abgebaut

Der Automoilzulieferer und Reifenhersteller Continental und sein Hauptaktionär aus Herzogenaurach hatten zwar vereinbart, über eine Zusammenlegung der Automobilsparten zu sprechen und die Conti-Reifensparte auszugliedern – ein Konzept und ein Zeitplan aber liegen bislang nicht vor. Schaeffler hatte sich bei der auf Pump finanzierten Übernahme des drei Mal größeren Continental-Konzerns im Zuge der Finanz- und Autokrise überhoben. Die hoch verschuldete Gruppe bittet um Staatshilfen und arbeitet seit Monaten an einem Zukunftskonzept. Auch Conti hat einen riesigen Schuldenberg, wegen der Milliarden-Übernahme von Siemens VDO. Ende des Monats sind nach Firmenangaben in Deutschland rund 25.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, bis Ende März wurden rund 6000 Jobs weltweit abgebaut. Bereits im vergangenen Jahr hatte Conti rund 8000 Stellen gestrichen.

Demonstration verläuft friedlich

Neumann bezeichnete die umstrittene Schließung von Reifenwerken am Stammsitz Hannover sowie im nordfranzösischen Clairoix angesichts des dramatischen Markteinbruchs erneut als wirtschaftlich alternativlos. Von den Schließungen sind insgesamt rund 1900 Beschäftigte betroffen. Vor dem Tagungssaal protestierten rund 2000 Beschäftigte gegen die Pläne, darunter rund 1200 Conti-Arbeiter aus Frankreich. Die Demonstration blieb friedlich. Im Vorfeld war Randale französischer Conti-Kollegen befürchtet worden.

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