Corvette ZR1 gegen Mercedes SL 65 AMG im Vergleich — 09.07.2009
Hier kocht der Asphalt
Die Luft brennt, wenn diese zwei Supersportler antreten: Die Corvette ZR1 mit 647 PS trifft auf das V12-Monster von Mercedes, den 612 PS starken SL 65 AMG. Zwei ebenbürtige Gegner - welcher hat die Nase vorn?
Flirrende Hitze liegt über der Piste, längst hat das Marinefliegergeschwader 2 hier den Flugbetrieb eingestellt, irgendwo brummt ein Traktor. Doch was ist das? Im Tiefflug jagen zwei Geschosse über die Runway, eine Schleppe von Donner, Schall und Rauch hinter sich herziehend. Kommen die Tornados zurück? Nein, keine Sorge, es handelt sich um
Sportwagen der Extraklasse, und beide sind in friedlicher Mission unterwegs. Auf der einen Seite die
Corvette ZR1. Keine Vette wie jede andere, sondern in Handarbeit aus erlesenen Komponenten gefertigt: Alu-Chassis, jede Menge Kohlefaser, Bremsscheiben aus Carbon-Keramik und so weiter. Und dann erst der Motor! Ein 6,2-Liter-V8, voll aus Alu, Trockensumpfschmierung, per
Kompressor aufgeladen auf 647
PS. Und wehe, jetzt lästert jemand voreilig über die zentrale
Nockenwelle und die Stößelstangen.
Drehmoment wie eine Güterlok
Ein Monster, ganz klar. Aber mit einem ebenbürtigen Gegner. Denn der Mercedes SL 65
AMG wird von einem nicht weniger monströsen V12-Biturbo befeuert, mit 612 PS und sagenhaften 1000 Nm
Drehmoment. So was reichte früher für eine Güterlok. Doch gegen die Corvette hat er keine Chance. Die wiegt eine halbe Tonne weniger und ist, anders als der
SL, ein scharfes Sportgerät. Hart, aber dank der verstellbaren Dämpfer gar nicht mal schmerzhaft. Man kann durchaus gemütlich durch die Stadt cruisen und vor dem Café gelenkig aussteigen – sofern die Bandscheiben vorher noch intakt waren.
Der V8 peitscht die Vette ohne Atemholen in irrwitzige Tempo-Bereiche
Lass qualmen, Baby: Für gepflegte Drifts ist die Corvette ZR1 immer zu haben - aber bitte nur auf abgesperrter Strecke.
Doch ihren wahren Charakter zeigt die Vette auf der Rennstrecke. Ein respekteinflößender Extremsportler seltener Güte. Hellwach sollte man schon sein – das Heck liegt ständig auf der Lauer, dort werden schließlich 819 Nm auf die 325er-Walzen losgelassen. Und übertrieben präzise arbeitet die Lenkung wirklich nicht. Doch das
ESP ist erstklassig abgestimmt, und die riesigen Bremsen verzögern mit einer Gewalt, als würde man bei voller Fahrt den Anker werfen. Da tritt einem fast das Weiße aus den Augen. Der V8 beschleunigt das Auto mit elementarer, schier unfassbarer Gewalt. Vom Fleck weg, knapp über Leerlauf, hat er Kraft bis zum Begrenzer bei über 6500 Touren. Welcher Gang? Egal. Er peitscht die ZR1 ohne Atemholen, ohne jede Pause in irrwitzige Geschwindigkeitsbereiche – die Spitze von 330 km/h ist keine Utopie. Dabei röhrt und bläst und brüllt er ab 3000 Touren zum Steineerweichen. Volles Orchester.
Der SL ist kein harter Sportler
Verglichen damit klingt der Mercedes wie ein Flöten-Quintett. Der SL ist ein anderes Auto. Klar, ein Traumwagen, gediegen, superluxuriös, komfortabel. Und im Bedarfsfall ein
Cabrio. Aber ein harter Sportler ist er wirklich nicht, trotz der hohen
Leistung. Er fährt sich unspektakulärer, weniger aufregend als die Corvette. Auf der Autobahn zum Beispiel auch bei hohem Tempo sehr entspannt. Vom titanenhaften V12 hört man nur ein leises Rauschen, wenn er den Zwei-Tonnen-SL mühelos wie einen Kart beschleunigt. Natürlich ist er sauschnell, aber erstens überall mindestens ein paar Zehntel langsamer als die
ZR1. Und zweitens nur solange es geradeaus geht. Das aktive Fahrwerk bietet zwar auf der Straße hohen Komfort, auf der Rennpiste fehlt dem schwergewichtigen Brummer aber die wilde Entschlossenheit der
Corvette. Die ZR1 kostet 135.990 Euro. Wenn man eine kriegt, denn nur 50 ZR1 kommen in diesem Jahr nach Europa. Die Stückzahlen dürften beim SL 65 AMG nicht das Problem sein, eher schon die 224.672 Euro. 88.682 Euro mehr als die ZR1. Alle Fragen sind beantwortet.
| FAHRZEUGDATEN |
Corvette ZR1 |
SL 65 AMG |
| Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage |
V8, Kompressor, vorn längs |
V12, Biturbo, vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen |
2 pro Zylinder/1 |
3 pro Zylinder/2 |
| Hubraum |
6162 cm³ |
5980 cm³ |
| kW (PS) bei U/min |
476 (647)/6500 |
450 (612)/4800 |
| Nm bei U/min |
819/3800 |
1000/2000 |
| Höchstgeschwindigkeit |
330 km/h |
250 km/h |
| Getriebe |
Sechsgang manuell |
Fünfstufenautomatik |
| Antrieb |
Hinterrad |
Hinterrad |
| Bremsen vorn/hinten |
Scheiben/Scheiben |
Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung |
v. 285/30 ZR 19, h. 325/25 ZR 20 |
v. 255/35 ZR 19 Y, h. 285/30 ZR 19 Y |
| Radgröße |
v. 10,0 x19“– h. 12,0 x20“ |
8,5 – 9,5 x 19“ |
| Abgas CO2 |
355 g/km |
333 g/km |
| Verbrauch* |
21,5/11,1/15,0 l |
21,5/9,6/14,0 l |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
68 l/Super Plus |
80 l/Super Plus |
| Vorbeifahrgeräusch |
75 dB (A) |
74 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. |
– |
– |
| Kofferraumvolumen |
634 l |
235-339 l |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km |
|
|
| MESSWERTE |
CORVETTE ZR 1 |
SL 65 AMG |
| Beschleunigung 0–100 km/h |
4,0 s |
4,6 s |
| 0–160 km/h |
7,5 s |
8,9 s |
| 0–200 km/h |
10,9 s |
13,0 s |
| Zwischenspurt 60–100 km/h |
1,8 s |
1,8 s |
| 80–120 km/h |
1,9 s |
2,1 s |
| Leergewicht/Zuladung |
1534/221 kg |
2026/359 kg |
| Gewichtsverteilung v./h |
52/48 % |
53/47 % |
| Wendekreis links/rechts |
13,3/12,5 m |
11,1/11,0 m |
| Bremsweg aus 100 km/h kalt |
34,0 m |
37,5 m |
| aus 100 km/h warm |
32,2 m |
36,0 m |
| Innengeräusch bei 50 km/h |
65 dB (A) |
58 dB (A) |
| bei 100 km/h |
72 dB (A) |
64 dB (A) |
| bei 130 km/h |
75 dB (A) |
68 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 |
19,0 l SP – 450 g/km |
19,1 l SP – 453 g/km |
| Reichweite |
350 km |
410 km |
| PREISE/AUSSTATTUNG |
CORVETTE ZR1 |
SL 65 AMG |
| Automatikgetriebe |
N |
S |
| Airbags Fahrer/Beif./Seiten vorn |
S/S/S |
S/S/S |
| Navigationssystem |
S |
S |
| Klimaautomatik |
S |
S |
| CD-Radio/CD-Wechsler |
S/S |
S/S |
| Metalliclack |
ab 850 Euro |
S |
| Grundpreis |
135.990 Euro |
224.672 Euro |
Dirk Branke
Fazit
1259 PS – da kocht der Asphalt. Und wir schmelzen dahin. Corvette ZR1 und Mercedes SL 65 AMG sind faszinierende Autos, extrem leistungsstark, exklusiv und mit überraschenden Fahrleistungen. Schön für die, die hier die Wahl haben. Meine ist eindeutig, ich bin der sportlicheren Corvette verfallen.
Kommentare zum Artikel (27)
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Die 0-100 Werte der corvette sind für mich nicht nachvollziehbar, selbst Auto Bild hat die ZR 1 schon in 3,01 Sekunden getestet.... Muss ein schlechter testet gewesen sein der hier 4 sec braucht. Dann hat die zr1 eine nordschleifen zeit von knapp 7:30 hingelegt und zwar mit Serien Reifen und dann ist sie noch 80000 günstiger als der Luden SL und steht beim Bremsen 3,5 Meter früher..... Hallo?
Ihr habt doch alle keinen Plan von nix und schreibt dummes Zeug. NS 7.57min m3 gt rcn 280 ps prüfstand manthey danke und tschüss
schönes auto, benz sieht man zuhauf, porsche auch - vette ist auf deutschen straßen echt was für individualisten. im übrigen, wer was gegen die qualitätsanmutung sagt, saß wohl das letzte mal vor 20 jahren in einer corvette. Ich fahre audi a6 und empfand das vette cockpit kein bisschen minderwertiger. und für den aufpreis deutscher markennamen bekommt man auch das letzte plastikteil mit alcantara besattelt ;-)
die corvette erreicht 100kmh nicht im ersten gang, daher die untershiedlichen werte von AB und hersteller. in den usa wird 0-60 mph gemessen, dafür ist der erste gang ausgelegt, das sind ca 96kmh - und dann wirds auch was mit unter 4sek.
das problem :
es werden immer falsche vergleiche geführt, sind deshalb keine .
gleiche ps , unterschiedliche masse = andere fahrleistungen
unterschiedliche ps, gleiche masse = andere fahrleistungen
man kann daher nur datenspezifisch gleichwertige fahrzeuge vergleichen
oder einzelne mit ihren daten neutral darstellen.