Coupé Alfa Brera

Coupé Alfa Brera Coupé Alfa Brera

Coupé Alfa Brera

— 24.06.2002

Italiens Angriff auf den Porsche 911

Mit dem Konzeptfahrzeug Brera will Alfa Romeo gegen deutsche Paradesportler antreten. Die Zeitung WELT am SONNTAG konnte das Auto exklusiv Probe fahren.

Italienischer Leckerbissen

Kann es tatsächlich eine Konkurrenz für die den Porsche 911 und den Mercedes SL 500 durch einen Alfa Romeo aus Italien geben? Mit Blick auf das Konzeptfahrzeug Brera beginnen die Köpfe kräftig zu nicken. In Gedanken an die desolate wirtschaftliche Situation des Mutterkonzerns Fiat Auto aber legen sie sich zweifelnd zur Seite. Wenn es so weitergeht, wird Fiat 2002 einen Verlust von über einer Milliarde Euro einfahren. Bei dieser Zahl ist die Zukunft nur schwer berechenbar. Für keine andere Konzernmarke klafft derzeit die Schere zwischen Marktpotenzial und konzerninternen Zwängen so weit auseinander wie für Alfa Romeo.

Noch jung ist die Wiederbelebung sportlicher Markenwerte durch den kreativen Mix aus historisch gewachsenem und innovativem Design einerseits sowie neuen fahrdynamischen Qualitäten seiner neuen Produkte andererseits. Sie begann Ende der 80er-Jahre und trug Alfa innerhalb kurzer Zeit in luftige Höhen. Doch die dramatische Schieflage des Fiat-Konzerns heute könnte Alfa rasch in Atemnot treiben. Deshalb schmieden Strategen an Szenarien, die Alfa Romeo Sicherheit bringt. Dabei kann ein großes Alfa-Coupé wie der Brera maßgebliche Verantwortung übernehmen.

Auf einer 439 cm langen und 189 cm breiten Verkehrsfläche rollt der nach dem Mailänder Kunstmuseum Brera benannte Alfa Romeo aus der Prototypenwerkstatt von Italdesign nahe Turin. Gründer-Chef Giorgetto Giugiaro soll persönlich Hand angelegt haben, um den Sportler zu gestalten, der vor wenigen Monaten als Star des Genfer Automobilsalons gefeiert wurde. Mit knappen Überhängen, tief über den Asphalt gelegt, nimmt seine bildschöne Karosserie die Ausdrucksstärke italienischer Nachkriegsschönheiten auf und trägt sie in die Gegenwart. Ein Design-Leckerbissen von historischer Bedeutung könnte der Brera werden. Mit langer Motorhaube und kraftvoll gerundetem Heck folgt er den Proportionen klassischer Hecktriebler und schreibt die mutige Designsprache Alfas für die Zukunft fort: gepfeilte Motorhaube mit den markanten Lufteinlässen, geschlitzten Scheinwerfer-Höhlen, hohe Schulter, eingezogene Flanken, Heckleuchten und das fünfeckige Heckfenster.

Trompetenhaftes Geschmetter

Am eindrucksvollsten von innen zu erleben ist die transparente Dachpartie. Zusammen mit der großen Windschutzscheibe und den Seitenfenstern sorgt sie für eine lichtdurchflutete Atmosphäre im Interieur, die nur von einem offenen Cabriolet zu überbieten ist. Zur Straße stützt sich der Brera über ein Chassis des Maserati Coupé ab, dessen Radstand allerdings um 6,5 auf 259,5 cm verkleinert wurde. Die Verwendung der Maserati-Plattform scheint es allein aus technischer Hinsicht nahe zu legen, auch das von Ferrari für den Maserati gebaute 4,2-l-V8-Triebwerk unters Kunststoffkleid des Alfa Romeo Brera zu implantieren. Doch die Kombination birgt mehr. Füllt sie doch auch strategische Überlegungen zur Zukunft von Alfa Romeo mit greifbaren Lösungen.

Denn durch eine künftige Markenbindung von Alfa an Ferrari und Maserati sehen einige Strategen des Fiat-Konzerns ein überlebensfähiges Sportwagen-Kleeblatt geschnürt. Dabei könnte Alfa nicht nur von rassiger Sportwagentechnik seiner neuen Geschwister aus Maranello und Modena profitieren, sondern diese auch vom weit verzweigten Händlernetz Alfas. Als wichtiges Ziel dabei gilt, Alfa vor den Folgen einer möglichen Zerschlagung und Übernahme Fiats durch General Motors ab 2004 zu schützen. Bekanntlich hält GM heute schon 20 Prozent Fiat-Anteile und würde seine Option auf die restlichen 80 Prozent ab 2004 lieber heute als morgen einlösen. Wogegen sich der 82-jährige Fiat-Patriarch Giovanni Agnelli bisher erfolgreich wehrt.

Die für 2005 avisierte Rückkehr Alfa Romeos im nordamerikanischen Markt wird heutigen Plänen zufolge mit einem großen Alfa-Coupé erfolgen, in dem als Sahnestück italienischer Motorenbau-Kunst aus Maranello ein Motor arbeitet, der bereits im heutigen Konzeptfahrzeug Brera lebt. Er entwickelt ohne Zwangsbeatmung durch Turbo oder Kompressor eine Leistung von 400 PS bei 7000 U/min, die von der Formel-1-Schaltung Cambiocorsa portioniert wird. Er ist reines Opium für fahrbesessene Enthusiasten, untermalt von einem trompetenhaften Geschmetter unter Volllast. "Der Brera könnte so wie er dasteht in Produktion gehen", versichert Giugiaro. Einzige Einschränkung: Die nach oben schwingenden Schmetterlingstüren seien in Großserien schwer darzustellen. Ob Porsche und Mercedes ab 2005 mit dem Brera rechnen müssen, werden Fiat-Strategen zu entscheiden haben. Bevor GM entscheidet.

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