Crashtest VW Fox

Crashtest VW Fox Crashtest VW Fox

Crashtest VW Fox

— 03.06.2005

Ein echter Knaller

Billig-Autos sind stark im Kommen. Aber was ist mit der Sicherheit? Wird da etwa auch gespart? Das Video vom Crashtest mit dem VW Fox gibt die Antwort.

Ein Frontalcrash wie im Lehrbuch

Die Daumen zeigen nach oben. Von Schweißperlen auf der Stirn keine Spur. Im Gegenteil: Zufriedenheit steht den VW-Ingenieuren deutlich ins Gesicht geschrieben. Und ein bißchen Stolz ist sicher auch dabei. Kein Wunder. Schließlich lief wirklich alles perfekt. Ein Frontalcrash wie im Lehrbuch.

Zersplittertes Glas, gefaltetes Blech, zerrissener Kunststoff. Der Rauch der Airbags entweicht noch durchs offene Fenster. Die Dummys hängen zusammengesackt in ihren Gurten. Vor wenigen Sekunden beendete hier auf der Indoor-Crashanlage der DEKRA in Neumünster ein nagelneuer VW Fox seine kurze Dienstfahrt. Vom Band an die Wand.

Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Dacia Logan (made by Renault) vor wenigen Wochen wollten AUTO BILD und viele Leser wissen: Wird bei allen neuen Billigautos an der Sicherheit gespart? Schließlich kostet auch der kleine Volkswagen aus Brasilien in der Basis nur 8950 Euro.

Fahrgastzelle so gut wie unversehrt

Der Versuchsaufbau für den Crash entspricht den Richtlinien von EuroNCAP. Heißt: deformierbare Aluminium-Barriere, 40 Prozent Überdeckung, Aufpralltempo 64 km/h. Ein Crash, der den typischen Frontalunfall, beispielsweise bei einer Überholsituation, simulieren soll.

Welchen Kräften dabei die Dummys ausgesetzt werden, erfassen Sensoren. Die Verletzungsrisiken werden später auf Schaubildern durch Farben symbolisiert. Bei Überschreitung der zulässigen Grenzwerte erfolgt die Höchststrafe: rot. Ist davon der Kopf betroffen, kann dies tödliche Auswirkungen haben. Bei Grün ist buchstäblich alles im grünen Bereich.

Zentimetergenau fährt der Fox gut 100 Meter auf den Alublock zu, knallt mit exakt 63,9 km/h gegen die Barriere. Die Wucht ist so stark, daß die Hinterräder in der Luft stehen. Bedingt durch den versetzten Einschlag (Fahrerseite), wird der Fox mehrere Meter nach rechts zurückgeworfen. Können Menschen solch einen Aufprall in einem Kleinwagen eigentlich überleben? Sie können, und im Fox sogar weitgehend unverletzt.

Schon der erste Eindruck deutet darauf hin. Die Fahrgastzelle ist so gut wie unversehrt, der linke Vorderwagen hat sich perfekt in Falten gelegt, die Aufprallenergie wurde optimal abgebaut. Die Knautschzone ist damit bis auf den letzten Zentimeter genutzt worden. Das Rad steht noch tiptop gerade im zusammengestauchten Kotflügel. Besser kann eine Deformation nicht ablaufen.

Tür läßt sich ohne Werkzeug öffnen

Gespannt waren wir, ob und wie schwer sich die Fahrertür öffnen ließ. Beim Logan halfen nur rohe Gewalt und Brechstangen, so stark hatte sich die Tür verkeilt. Zwar klemmte auch die Fox-Tür etwas, doch ließ sie sich mit einem festen Ruck ohne Einsatz von Werkzeug öffnen.

Wie sieht es im Cockpit aus? Beide Airbags (Fahrerseite 60, Beifahrerseite 100 Liter) haben gezündet, die Farbmarkierungen auf dem Gewebe zeigen: Volltreffer. Die Köpfe der Dummys sind mittig in die Airbags getaucht. So soll es sein. Erst die Zeitlupenaufnahmen aber zeigen den genauen Ablauf und das Zusammenspiel der Rückhaltesysteme.

Erkenntnis: Trotz des günstigen Preises hat VW an der Sicherheitsausstattung nicht gespart. Der Fox verfügt über Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer. Vor allem der Straffer ist eine enorme Hilfe nach dem Aufprall. Denn noch bevor die Körper durch die abrupte Verzögerung nach vorn fliegen wollen, zieht er bereits das Gurtband stramm. Vorteil: Die Insassen werden somit frühzeitig an der Verzögerung des Fahrzeuges beteiligt, die wesentlich langsamer ist. Würde die Gurtkraft und damit der Druck auf die Oberkörper zu groß werden (über 500 Kilo), setzt der Begrenzer ein, gibt weiteren Weg frei und fängt damit die Insassen relativ "weich" ab.

Fazit und Belastungswerte im Überblick

Wie gut das gesamte System in nur Bruchteilen von einer Sekunde gearbeitet hat, verraten die Belastungsdaten. Für den Kopf des Fahrers wurde ein HIC-Wert von 426 erreicht. Für den des Beifahrers waren es gar nur 296. Der kritische Grenzwert beträgt 1000. Zum Vergleich: Dacia-Logan-Fahrer 943, -Beifahrer 1197.

Den Peitscheneffekt, mit dem die Köpfe nach vorn flogen und wieder abgebremst wurden, zeigt der zweite Wert an. 88 g, das 88fache der Erdbeschleunigung sind der maximal erlaubte Wert. Die Fox-Dummys kamen gerade mal auf 50,89 und 42,88. Belohnung: grüne Farbe im Gesicht.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Michael Specht Mit dem Fox beweist VW eindrucksvoll, daß auch günstige Kleinwagen sicher sein können. Für 8950 Euro bietet der Fox besten Insassenschutz, erreichte beim Frontalcrash sogar annähernd das Niveau seines großen Bruders Golf V. Daß es sich beim Fox um einen Import aus Brasilien handelt, mag auf den ersten Blick überraschen, spricht aber für die VW-Politik, bei keinem der weltweit gefertigten Konzernmodelle an der Sicherheit zu sparen. Genau in diesem Punkt hat Renault mit dem Dacia Logan schwer enttäuscht, ja versagt. Solche Image-Beulen sind schwerer zu reparieren als ein zu hoher Preis.

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