Dacia gegen Skoda: Markenvergleich

Skoda Felicia Dacia Mini

Dacia gegen Skoda: Markenvergleich

— 07.05.2010

Dacia fordert Skoda heraus

Die rumänische Billigmarke Dacia wächst immer weiter – mit einem Sparmobil und einer Limousine kommt sie Skoda ins Gehege. Die VW-Tochter antwortet mit einer Wende zu Preisbrechern.

Fragen wir mal ketzerisch: Zählt Deutschland schon zu den Schwellenländern? Moment, in Deutschland wurde das Auto erfunden, die deutschen Kicker waren dreimal Fußball-Weltmeister, und WIR sind immer noch Papst! Dass seit dem letzten Winter riesige Löcher unsere Straßen verschandeln, macht diese Republik noch lange nicht zum Schwellenland. Für Schwellenländer, also aufstrebende Nationen wie Marokko, Brasilien oder Indien, hat Dacia seit 2005 seine Einfachst-Autos entwickelt. Doch die größten Erfolge erzielt die rumänische Marke weitab vom eigentlichen Zielgebiet – bei uns. Deutschland war 2009 überraschend der wichtigste Exportmarkt für die Marke, die zum Renault-Konzern gehört. Mit fast 85.000 Neuzulassungen überholte Dacia 2009 sogar Konkurrenten wie Kia, Mazda und Seat.

Überblick: Alle News und Tests zu Dacia

Angriff in der kleinen Klasse: Dacia plant einen Mini für rund 5000 Euro.

Der Discounter hat sich auch weltweit vom Aschenputtel zur anerkannten Größe entwickelt, was den nächsten Coup ermöglicht: das 5000-Euro-Auto. Ein Begriff, den auch Dacia vor Jahren strapaziert hat. Denn mit diesem Preisziel startete 2004 der Logan, das Urmodell der Rumänen. Bis die kantige, eher hölzern gestaltete Stufenheck-Limousine ein Jahr später auf dem deutschen Markt ankam, war der Preis allerdings auf 7200 Euro gestiegen. Dacias zweiter Anlauf soll sich optisch deutlich unterscheiden, denn diesmal zielen die Franzosen auf ein künftiges Boom-Segment: die Stadtautos unterhalb des Polo. "Wir denken an ein Mo dell mit etwa 3,50 bis 3,60 Meter Länge", sagt Dacias Marketing-Direktor Vincent Carré. Der Mini-Dacia soll vier Plätze und vier Türen haben und wird voraussichtlich die bekannte Technik der Marke nutzen, die seit dem Logan alle Modelle antreibt: Frontantrieb mit McPherson-Vorderachse sowie Verbundlenkerachse hinten – eine Plattform, die ursprünglich aus der zweiten Generation des Renault Clio stammt und in Rumänien ihre Zweitverwertung erlebt.

Überblick: Alle News und Tests zu Skoda

Neuauflage: Die nächste Generation des Logan zeigt sich optisch aufgewertet.

Beim Design erlaubt schon das Preislimit keine großen Sprünge. Das Gesicht dürfte dem des Sandero ähneln; die Rumänen sind wahre Meister in der Kunst, schon vorhandene Blechteile bei neuen Modellen weiterzuverwenden. Auch beim neuen SUV Duster wurden 57 Prozent aller Teile – sogar die vorderen Türen – 1:1 vom Logan Kombi übernommen. "Dacia ist nicht nur eine Marke, sondern auch eine Philosophie", erklärt Carré. "Sie hat das Ziel, auf jeder Stufe möglichst wenig Kosten zu verursachen." Deshalb sind auch unter der Motorhaube keine technischen Revolutionen zu erwarten, die leckeren kleinen Turbomotoren aus dem Renault Twingo – für Dacia tabu. So werden auch im 5000-Euro-Auto abgelegte 1,2-Liter-Benziner und eventuell ein Diesel aus dem Regal des Mutterhauses kommen. "Der Erfolg in Deutschland hat gezeigt, dass unser Marktpotenzial viel größer ist, als wir anfangs gedacht haben", so der Marketing- Direktor. Mit anderen Worten: Nach oben ist Luft im Modellprogramm.

Zum Beispiel für einen kompakten Van, der etwa Anfang 2011 fertig sein wird. Der Fünfsitzer sieht nicht nur aus wie ein aufgepumpter Logan Kombi mit Schiebetüren, er verwendet auch dessen Technik: Benziner von 75 bis 105 PS und – für den harten Lastesel – Diesel mit 86 und 110 PS. Am besten dürfte dem Familienkonto jedoch die Preisliste gefallen, die voraussichtlich unter 10.000 Euro starten wird. Während Dacia bislang die Distanz zur Renault-Palette strikt beachtet hat, dürfte der dritte Neuling aus Rumänien der Konzernmutter ab 2012 deutlich mehr ins Gehege kommen. Die geplante Limousine mit Stufenheck erinnert im Design stark an den Mégane, wird aber deutlich größer ausfallen. Denkbar sind zwei Technikspender: entweder der Samsung 3 der koreanischen Renault-Tochter oder doch der kompakte Mégane. Der Grande Dacia wird also ein Vorzeige- Stück, die repräsentative Limousine, die der Marke Dacia überall auf der Welt einen Schuss zusätzliches Prestige einbringen soll.

Ein Skoda von heute ist das VW-Schnäppchen zum kleineren Preis

Rückkehrer: Den Felicia könnte Skoda gegen den Logan ins Rennen schicken.

In Europa heißt sein wichtigster Konkurrent Skoda Octavia – spätestens bei diesem Duell zeichnet sich ab, wer künftig in der Preisbrecher-Liga aufeinandertreffen wird: Dacia und Skoda. Schon jetzt knabbert der Erfolg der Rumänen am Kuchenstück von Skoda. Der Duster raubt dem Yeti den Glanz als Spar-SUV, der Sandero hat dem Fabia Kunden abgejagt. Jetzt rächt sich, dass sich die tschechische Marke unter VW-Führung zu gut entwickelt hat. Als die Wolfsburger 1991 in Tschechien das Ruder übernahmen, sollten die Autos aus Mladá Boleslav als günstige Bollwerke gegen Billigimporte aus Fernost antreten. Doch auf Forman und Felicia, altbackene Relikte des Kommunismus, folgten ab 1997 Octavia und Fabia – moderne Neukonstruktionen, die fast zeitgleich aktuelle VW-Technik bekamen und schon bald der Mutter das Leben schwer machten: Ein Skoda von heute ist das VW-Schnäppchen zu leicht günstigeren Kursen – doch vom angepeilten Billigsegment haben sich die Tschechen weit entfernt.

Eine Einfach-Version des VW up! soll gegen den Dacia Mini antreten

Basiert auf dem VW up!: der Kleinstwagen von Skoda soll günstig werden.

Eine Lücke, die Dacia nun besetzt, mit absehbar ähnlichen Entwicklungsproblemen. Der weltweite Erfolg ermutigte die Belegschaft im rumänischen Pitesti, für bessere Löhne zu streiken. Seitdem verdienen Bandarbeiter im Schnitt 500 Euro monatlich, noch immer deutlich weniger als ihre Kollegen in Tschechien (1180 Euro). Skoda antwortet mit einer Kehrtwende zurück zu günstigeren Modellen. Eine Einfach-Version des künftigen VW up soll als Kleinwagen gegen den 5000-Euro-Dacia antreten. Auch die nächste Generation des Kasten-Vans Roomster muss auf ausgefallene Designelemente verzichten und wird deutlich simpler aussehen; mit ihr nehmen die Tschechen den Dacia Van ins Visier. Und schließlich entwickeln die Produktplaner des VW-Konzerns eine Stufenhecklimousine unterhalb des Octavia, die in Technik und Anspruch auf preisbewusste Kunden zielt. In Schwellenländern könnte Skoda dann direkt auf das Symbol von Dacias Aufschwung treffen – den Logan mit Stufenheck. Der wurde bei uns übrigens gerade vom Markt genommen. Auch ein Zeichen.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Der rasante Erfolg macht Dacia mutig. Der rumänische Billiganbieter wächst zum Vollsortimenter, vom 5000-Euro-Auto bis zur stattlichen Limousine –und fährt frontal gegen Skoda. Die VW-Tochter antwortet mit einer neuen Reihe von günstigen Autos. Gewinner ist der Kunde.

Autoren: Martin G. Puthz, Joachim Staat

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.