Daihatsu Cuore — Fiat Panda — Kia Picanto

Daihatsu Cuore – Fiat Panda – Kia Picanto

— 06.05.2004

Die neue Mini-Mode

Moderne Stadtmenschen tragen heute Kurzware: 3,50 Meter, vier Türen, um die 10.000 Euro. Wer schneidert das überzeugendste Modell?

Parklücken wachsen zu Fußballfeldern

Kleinwagenfahren hat einen tollen Nebeneffekt: Es macht glücklich. Plötzlich wachsen Lücken zu Fußballfeldern. Und die Sorge, keinen Parkplatz zu finden, schrumpft mit einem Kia Picanto, Fiat Panda oder Daihatsu Cuore. Auf dieser Welt sollen nach einer Kundenzufriedenheitsstudie glückliche Menschen Daihatsu Cuore fahren.

Das weiß auch das Auto und begrüßt seinen Fahrer im Cockpit mit dem fröhlichen Spruch "Hello Happy" auf der Digitalanzeige. Die Türen entriegeln alle auf Knopfdruck und schwingen so weit auf wie ein Kleiderschrank. Weil die Achsen ganz am Ende der Karosserie sitzen, hat der 3,41 Meter kurze Japaner einen Radstand von 2,38 Metern – acht Zentimeter mehr als beim längeren Panda. Für die Reisenden auf der Rückbank des Cuore bedeutet das viel Beinfreiheit und ein luftiges Raumgefühl, das sie vergessen lässt, im kleinsten Viertürer auf dem deutschen Markt zu sitzen. Ab 8325 Euro (3-türig 7995) ist er auch einer der billigsten.

Leider lässt uns der Mini den Preis spüren – auch in der getesteten Top-Ausstattung (ab 9725 Euro). Mit den dünnen Türen und dem schwarzen Armaturen-Plastik haben wir den Rotstift förmlich in der Hand. Die Knöpfe für die elektrischen Fensterheber sitzen links neben dem Lenkrad – eine Billig-Lösung, bestimmt keine praktische.

Enttäuschende Daihatsu-Bremsen

Das scheint die zufriedensten aller Kleinwagenfahrer nicht zu stören, ebenso wenig wie der Bremsweg von 42,2 Metern. Immerhin verhindert ABS, dass die Räder blockieren. 42,2 Meter – das ist eine Wagenlänge zu viel. Kia dagegen beweist, dass auch Kleine wie Kompakte aus der Golf-Klasse stoppen können. Spätestens nach 39,9 Metern steht der Koreaner – dank Scheibenbremsen rundum, wo Panda und Cuore hinten noch auf Trommeln setzen.

Beim Anfahren versöhnt uns der Cuore wieder: Aus dem Stand beschleunigt der 58-PS-Dreizylinder in 12,7 Sekunden auf 100 km/h, ist am liebsten hochtourig unterwegs und bereitet mit seinem geringen Verbrauch von 5,7 Liter Normalbenzin große Freude. Ganz sensibel reagiert der Vierventiler auf Gasbefehle und wendet mit 9,4 Metern auf einer Straßenbreite. Mit seiner schlanken Erscheinung von 1,48 Metern Breite wuselt der Cuore souverän durch den Stadtverkehr und findet auch dort noch eine Lücke, wo sogar ein Smart fortwo mit 1,52 Meter Breite stecken bleibt.

Die Gangschaltung allerdings gehört eher in die Küche. Mit dem dünnen Schaltstock rührt man im Getriebe, der Rückwärtsgang rastet erst nach mehreren Versuchen ein. Dagegen funktionieren die Schaltknüppel im Kia Picanto und Fiat Panda wie Präzisionswerkzeuge.

Fiat bietet ESP gegen Aufpreis an

Im Panda sitzt die Gangschaltung in einem großen Kunststoffblock neben dem Lenkrad. Das hat den Vorteil, dass die Hand schnell vom Schaltknauf zum Lenkrad greifen kann, engt aber den Knieraum ein. Sonst ist der Innenraum im Panda überraschend groß. Das hat er in erster Linie seiner Höhe zu verdanken, denn in der Breite fehlt ihm etwas Ellenbogenfreiheit. Er baut mit 1,54 Metern höher als die Konkurrenz, was ihm das Aussehen einer Zigarettenschachtel schenkt und den Passagieren viel Kopffreiheit, eine höhere Sitzposition und einen bequemen Einstieg.

Der leise laufende 60-PS-Vierzylinder beschleunigt langsamer als der Dreizylinder des Cuore, muss mit 980 Kilo aber auch mehr Gewicht bewegen. Sicherheit wiegt eben schwer im Panda: Während sich der Daihatsu-Fahrer serienmäßig nur auf Fahrer- und Beifahrerairbags verlassen kann, fahren in Panda und Picanto noch Seitenairbags mit.

Gegen 500 Euro Aufpreis rüstet Fiat seinen Kleinen mit elektronischem Stabilitätsprogramm aus. ESP fängt den Panda wieder ein, wenn er auszubrechen droht. Das von uns gefahrene Modell hatte die elektronische Hilfe nicht an Bord. Und prompt ließ der Panda bei schnellen Ausweichmanövern keck sein Heck heraushängen und sich nur mit Mühe wieder einfangen. Unser Tipp: Lieber auf ein teures CD-Radio verzichten und in die Straßenwacht ESP investieren.

Freude am Fahren – Kia Picanto

In Korea scheint man von dieser Art der Zügelung nicht viel zu halten. Für den Picanto gibt es den Schleuderschutz nicht einmal als Extra. Er braucht den elektronischen Beistand auch nicht unbedingt, weil sich sein Fahrwerk in Extremsituationen deutlich gutmütiger verhält. Der 65-PS-Motor hat mit den 940 Kilo Leergewicht gut zu tun, behält seine Mühen aber für sich. Erst jenseits Tempo 100 klingt der Vierzylinder etwas angestrengt, was der Fahrer aber auch nur deshalb hört, weil der Kia sonst sehr leise unterwegs ist.

So wirkt er wie ein Auto aus der nächsthöheren Klasse – und kostet doch nur 8700 Euro (Basis). Wer noch mal 1650 Euro drauflegt, bekommt sogar ein großzügig ausgestattetes Auto (wie bei unserem Testwagen). Höhenverstellbares Lederlenkrad, Zentralverriegelung, Klima, Aluräder, Nebelleuchten, elektrische Fensterheber, Servolenkung – fehlt nur noch ein größerer Kofferraum. Der fasst 105 Liter (868 Liter bei umgeklappten Lehnen) und ist damit nicht viel größer als ein Reisekoffer. Wenn die Fondpassagiere die Rückenlehnen neigen, schrumpft das Gepäckabteil sogar auf die Größe einer Einkaufstasche.

Alles andere macht Freude: die simple Bedienung, der feinporige Kunststoff im Cockpit, die gut geformten Sitze und das Brillenetui im Dachhimmel. Und auch die Servolenkung funktioniert so präzise, dass wir jede Kurve gern auch zweimal nehmen. Alles in allem dürften die glücklichsten Kunden zukünftig in einem Kia Picanto sitzen – und auf Zufriedenheitsstudien pfeifen.

Technische Daten und Testwerte

Kia hat die besten Bremsen. 39,0 und 39,9 Meter zeigen, dass auch Kleinwagen zu kurzen Bremswegen fähig sind. Fiat und Daihatsu enttäuschen. Der Japaner hat aber schmale 13-Zoll-Räder.

Kosten und Ausstattungen

Nur Fiat bietet ESP an. Das elektronische Stabilitätsprogramm kostet allerdings 500 Euro Aufpreis.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Magret Hucko Kleinwagen fahren heißt nicht mehr automatisch verzichten. Zum Beispiel auf vier Türen, Seitenairbags, Scheibenbremsen, Komfort oder gar auf zwei Sitze wie im Smart. Der Kia Picanto ist Koreas neuester Preisbrecher und gleichzeitig bester Beweis dafür, dass man ab 8700 Euro nicht nur halbe Autos bekommt. Im teureren Picanto EX (10.350 Euro) fährt dann alles mit, was wir wirklich brauchen. Und das gute Gefühl, in einem ausgewachsenen Auto zu sitzen. Genau das hat er seinen beiden Rivalen voraus.

Welcher Kleinwagen gefällt Ihnen besser?

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Kia Picanto, Fiat Panda und Daihatsu Cuore. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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