Daihatsu Cuore gegen Fiat Panda

Daihatsu Cuore gegen Fiat Panda Daihatsu Cuore gegen Fiat Panda

Daihatsu Cuore gegen Fiat Panda

— 09.01.2004

Die Volkswagen des Jahres?

Kompakt, knuffig, kostengünstig – die Anforderungen an echte Volkswagen sind hoch. Panda und Cuore stellen sich der Wahl.

Knuffiger Panda trifft strengen Cuore

Seit vier Jahrzehnten gibt es das "Auto des Jahres". Und statistisch gesehen trug es jedes fünfte Jahr das Fiat-Emblem auf der Nase. Nach Punto 1995 und Bravo/Brava 1996 sorgt dieses Jahr der Panda dafür, dass die Statistik auch weiterhin stimmt.

Im richtigen Leben kämpfen die Italiener dennoch gegen fallende Kurse und sinkende Nachfrage – Auto des Jahres hin oder her. Also suchen wir lieber nach einem echten automobilen Helden. Sein Name: "Volkswagen des Jahres". Ein Titel, um den sich Fiat Panda 1.1 8V Active und Daihatsu Cuore 1.0 Top streiten.

Über dem Treffen könnte auch stehen: "Italienische Lässigkeit trifft japanische Strenge." Knuffig und kultig der Panda, klar und kerzengerade der Cuore. Dessen dünne Türchen fühlen sich federleicht an und flößen wenig Vertrauen ein, entriegeln aber alle auf einen Knopfdruck und öffnen bis auf 90 Grad. So finden selbst Oma und Opa bequemen Zugang. In dieser Disziplin muss der Panda passen. Bei ihm erreichen die Türen früher den Anschlag, arbeitet die zentrale Schließstelle nur über das Schloss in der Fahrertür (ab Active).

Platzangebot und Kofferraum

Mit vernünftigen Platzverhältnissen locken beide Minis. Beide opfern eine Längsverstellung fürs Lenkrad (nur höhenverstellbar) und einen Sessellift (für Fahrer optional) aber dem Rotstift. Von wegen geiler Geiz! Im Cuore hockt man zudem auf dünnen Polstern ohne rechten Halt, muss jedoch kaum blaue Flecken fürchten. Kein Trick, sondern schlaue Raumausnutzung. Weil die Achsen ganz ans Ende der Karosserie gerückt wurden, verfügt der 3,41 Meter kurze Cuore (welcher Viertürer ist kürzer?) über 2,38 Meter Radstand. Beim 13 Zentimeter längeren Panda bleiben zwischen den Achsen acht Zentimeter weniger Luft, im Fond herrscht eher Kuschel-Klima.

Dafür sitzt man im Panda zumindest vorn besser. Die Kopffreiheit fällt größer aus, die Polster bieten mehr Komfort. Hinten erreichen die Sitze dagegen nur Mini-Format. Deswegen insgesamt nur ein Pünktchen mehr als beim Cuore. Vorn wie hinten spendiert der Panda dafür mehr Schulterbreite. Im spürbar schmaleren Cuore – wie der Panda ein Viersitzer – herrscht dagegen Schulterschluss. Was nicht weiter wundert, macht sich der Bonsai auf der Straße doch nur 1,48 Meter breit. Der Panda beansprucht zehn Zentimeter mehr.

Kleinigkeiten, die in der Diskussion um das notwendige Urlaubsgepäck plötzlich enorme Bedeutung erlangen. Obwohl Daihatsu und Fiat einmütig auf die totale Variabilität verzichten und nur die Fondlehnen klappen (beim Cuore geteilt), machen beim Kofferpacken beide keine schlechte Figur. Bis zu 775 Liter verschwinden hinter der Hecktür des Panda, der Cuore meldet erst nach 930 Litern volle Belegung. Soll es zu viert auf Tour gehen, bleiben im Daihatsu allerdings nur 157 Liter oder Platz für vier kleinere Taschen. Im Panda feiern Familien 49 Liter mehr wie ein Geschenk des Himmels.

Motor und Fahrleistungen

Der Antrieb des Panda löst dagegen zwiespältige Gefühle aus. Im Vergleich zum kernig knurrenden Vierventiler des Daihatsu überzeugt der brave 1,1-Liter zwar mit guter Laufkultur und feinen Manieren, kommt jedoch eher schwerfällig in Fahrt. Was in der Stadt noch völlig ausreicht und dank exakter Joystick-Schaltung richtig Spaß bereitet, wird über Land zur Geduldsprobe.

Bis Tempo 130 verliert der Panda auf den Daihatsu fast neun Sekunden, selbst bei der Elastizität behält der Cuore mit der hakeligen Schaltung und dem langen fünften Gang die Nase vorn. Während die 54 Italo-PS sich also angestrengt der Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h nähern, treiben die 58 Japan-Pferdchen die Tachonadel munter auf sagenhafte 180 zu.

Zu solcher Spritzigkeit reicht dem Japaner ein Liter Hubraum aus drei Zylindern – und ein besseres Leistungsgewicht: Der wie ein Rasenmäher röhrende Fernost-Floh muss nämlich nur 810 Kilo bewegen, der kleine Italiener immerhin 105 Kilo mehr.

Komfort und Sicherheit

Eine Diät, die doppelt lohnt. Denn an der Tankstelle lässt der schnellere Cuore den Panda höflich vor: Mit jedem Liter Normal kommt der Daihatsu 1,4 Kilometer weiter als der Panda mit einem Liter Super – Kompliment. Das wir beiden auch für den manierlichen Federungskomfort machen. Der Cuore kommt straffer und damit hoppeliger als der Panda daher, beide bieten angesichts des kurzen Radstands aber ausreichende Reserven selbst für längere Strecken.

Plötzlich aus dem Unterholz hervorbrechende Elche oder ähnliche Überraschungen verdauen die beiden Zwerge weniger entspannt. Ausweichmanöver nimmt der Japaner zwar noch gelassen, untersteuert am Limit aber deutlich. ESP ist dabei reines Wunschdenken. Bei Fiat bleibt die elektronische Lebensversicherung den besseren Kreisen vorbehalten, steht erst ab Dynamic für 500 Euro parat. Schade, denn das Heck des kleinen Panda erweist sich beim Ausweichtest als wahrer Zappelphilipp.

Immerhin verfügten beide Testwagen über ABS – Serie ist der unverzichtbare Stotter-Stopper aber bislang bei keinem (Cuore ab Produktion 12/03 Serie). Geiz der gefährlichen Art, zumal die Bremsen selbst mit ABS nicht überzeugen. Fading beim Cuore, zu wenig Biss beim Panda – bitte nachbessern.

Kosten und Ausstattungen

Nur die Preise dürfen so bleiben, wie sie sind: volksnah. Für 8850 Euro schnürt Fiat ein attraktives Angebot. Inklusive zwei Airbags, Zentralverriegelung, E-Fensterhebern vorn, elektrischer Servolenkung und vier Türen. Daihatsu spendiert für 9425 Euro zusätzlich auch noch E-Außenspiegel, verwöhnt mit drei (Fiat zwei) Jahren Garantie. Nur ihre unsinnige Paket-Politik sollten beide Hersteller überdenken. Klimaautomatik beim Panda Dynamic nur zusammen mit E-Außenspiegeln, Seitenairbags beim Cuore Top nur mit Höhenverstellung für den Fahrersitz – für uns eindeutig der Unsinn des Jahres.

Technische Daten und Testwerte

Gut bremst keiner der beiden Minis. Das Hitzefading des Cuore und über 42 Meter bis zum Stillstand beim Panda überzeugen nicht.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka In diesem Doppel-Vergleich gibt es keinen Verlierer, dafür aber einen dritten Gewinner: den Kunden. Sowohl Daihatsu Cuore als auch Fiat Panda beweisen, dass vernünftige Kleinwagen nicht unbezahlbar sein müssen. Der Japaner setzt sich dabei vor allem wegen seines spritzigen, sparsamen, Spaß bringenden Dreizylinders am besten in Szene. Das eher bescheidene Ladevolumen und die zum Teil angestaubt wirkende Technik (Lenkung, Schaltung) erfordern allerdings Kompromisse. Der Panda kommt erwachsener und moderner daher, leidet aber unter dem recht müden Motor sowie den beengten Platzverhältnissen im Fond. Mein Herz gewinnt der kleine Italiener dennoch. Was bei dem Namen nicht wundert.

Cuore oder Panda – Ihr Urteil

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Daihatsu Cuore und Fiat Panda. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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