Daimler-Chef Dieter Zetsche im Interview

Daimler-Chef Dieter Zetsche im Interview

— 03.12.2014

Deutsche Hersteller "hochwillkommen"

Daimler-Chef Dieter Zetsche möchte mehr Wettbewerb in der Formel 1 und fordert andere deutsche Marken auf, einzusteigen. Das Interview!

Rupert Stadler (Audi, links) und Dieter Zetsche (Daimler) beim Goldenen Lenkrad. Zetsche würde sich über deutsche F1-Konkurrenz freuen.

Im Rahmen der Mercedes-Jahresabschlussfeier "Stars & Cars" in Stuttgart forderte Daimler-Chef Dieter Zetsche Audi und BMW auf, ebenfalls in die Formel 1 einzusteigen. "Wir teilen uns – wenn ich vom Premiumgeschäft spreche – weltweit mit den drei Marken Audi, BMW und Mercedes etwa 80 Prozent der Marktanteile", sagte Zetsche zu AUTO BILD. "Das ist so, weil wir uns jeden Tag als Nachbarn auf den Füßen stehen. Insofern ist Wettbewerb etwas unheimlich Gutes. Natürlich fordern uns Red Bull, Ferrari und die anderen Teams massiv. Trotzdem wären uns die deutschen, aber auch andere Herstellerteams hochwillkommen."

Stars & Cars in Stuttgart: Die Galerie

Der Vorstandsvorsitzende lud ausgewählte Journalisten, unter anderem AUTO BILD, zur halbstündigen Saisonbilanz. Dabei verriet er auch: "Ich war von Anfang an überzeugt, dass das Werksteam für unsere Marke eine große Chance bietet, dass es mit unserer Marke aber auch nicht vereinbar ist, dauerhaft hinterher zu orgeln. Insofern ist dies der Moment, auf den wir fünf Jahre lang hingearbeitet haben." Mercedes hat 2014 sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteurs-WM in der Formel 1 gewonnen und feierte das in Stuttgart mit 50.000 Fans. Zetsche gibt allerdings auch zu: "Wir haben uns nicht vorgestellt, dass es so schwer ist und so lange dauert."

Formel 1 ist interessanter als Le Mans

Zetsche (links) mit Matthias Müller (Porsche). Die Sportwagen-Domäne interessiert den Daimler-Chef aber nicht so sehr wie die Königklasse.

Gleichzeitig bekennt sich Mercedes zur Formel 1. Zetsche: "Wenn wir etwas machen, dann richtig und nachhaltig. Deshalb haben wir uns zu keinem Zeitpunkt – auch nicht als wir uns in unserer Performance rückwärts statt vorwärts bewegt haben – die Grundsatzfrage gestellt. Genauso wenig haben wir jetzt Pläne etwas an diesem Engagement zu ändern." Zetsche räumt zwar ein: "Natürlich ist die Formel E eine zusätzliche Erwägung wert. Aber der Motorsport wird gekrönt durch die Formel 1 und da gehören wir mit unserer Historie hin." Sportwagen-Prototypen dagegen seien keine Alternative. Zetsche: "Ein Jahr lang zu arbeiten für einmal 24 Stunden, die nicht im Fernsehen verkaufbar sind, halten wir für ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis, denn der Aufwand ist genauso groß. Es gibt keinen anderen Sport, der herausfordernder wäre als die Formel 1. Le Mans ist das sicher nicht."

Kein Verständnis für Langeweile-Kritik

Der Daimler-Chef weist die Kritik an der aktuellen Formel 1 denn auch weit von sich: "Es ist absurd davon zu sprechen, dass die Formel 1 tot ist", so Zetsche. "Ich kann mich schwer an eine spannendere Saison erinnern. Die Kritik wurde zum großen Teil von jenen angeführt, die dieses Jahr nicht erfolgreich waren." Für den Stern-Boss steht dagegen fest: "Das sind superschnelle Rennwagen, die auch super schwierig zu fahren sind. Manche Rennfahrer haben das in diesem Jahr nicht so gut hingekriegt, was das belegt." Eine Spitze in Richtung Ex-Weltmeister Vettel? Ein deutscher Mercedes-Weltmeister ist für Zetsche indes kein Muss. "Ich war nie ein Anhänger von der deutschen Nationalmannschaft im Motorsport", betont er. "Wir verkaufen unsere Autos in 200 Märkten auf der ganzen Welt. Für mich war mir wichtig, dass einer der beiden auf der obersten Stufe steht, in der Hoffnung, dass der andere direkt dahinter steht. Wie rum das ausgeht, haben wir uns komplett neutral verhalten. Alles andere wäre ein Spaßkiller gewesen."

Kommunikation und Vermarktung der F1 ist verbesserungswürdig

Außerdem kritisierte Zetsche die Kommunikationsstrategie von Chefvermarkter Bernie Ecclestone: "Ganz sicherlich nutzen wir das Potential der Formel 1 nicht ausreichend aus, weil wir die Kanäle, die sie zur Kommunikation mit ihren Fans braucht, nicht in professioneller Art und Weise nutzen." Der Daimler-Vorstand kündigt deshalb an: "Wir werden uns da noch stärker engagieren, um einen Beitrag zu leisten, den Sport in dieser Hinsicht zu professionalisieren. Jüngere Fans stärker zu engagieren ist eine zentrale Frage, die auch nicht kostenlos zu adressieren ist." Auch die Agenda der kleineren Teams will Mercedes offenbar unterstützen. "Natürlich haben wir ein Interesse daran, dass wir – innerhalb gewisser Grenzen – ein möglichst breites Teilnehmerfeld haben", sagte Zetsche. "Die Einnahmen in der Formel 1 werden zwischen CVC und den Teams aufgeteilt. Von den großen Teams haben wir dabei das kleinste Stück vom Kuchen abbekommen. Das größte Stück ist beim Shareholder (CVC; d. Red.). Insofern sind wir an konstruktiven Gesprächen beteiligt, sehen uns aber nicht in der vordersten Front stehend."

Autor: Bianca Garloff

Stichworte:

Daimler

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