Mercedes Freightliner Inspiration Truck

Daimler Inspiration Truck: Fahrbericht

— 06.05.2015

So fährt der Robo-Truck von Mercedes

Die Daimler-Tochter Freightliner hat einen autonom fahrenden Lkw in Las Vegas vorgestellt. AUTO BILD nahm Platz im Inspiration Truck. Fahrbericht.

Video: Daimler Inspiration Truck (2015)

So fährt der Robo-Truck von Mercedes

Sechs Zylinder, 14,8-Liter Hubraum, 505 PS, 2250 Nm, vor den Augen eine endlos lange Motorhaube und unter dem Hintern einen luftgefederten Ledersessel zwei Meter über dem Boden: Wer im Freightliner Cascadia über den Highway 15 auf die Skyline von Las Vegas zufährt, fühlt sich tatsächlich wie der King Of The Road. Doch heute kann der König der Landstraße vorübergehend abdanken. Denn wir sitzen nicht in irgendeinem "Cascadia"-Truck, mit denen es die Daimler-Tochter in Amerika zum unangefochtenen Marktführer gebracht hat. Wir sind an Bord des "Inspiration Truck", mit dem die Schwaben den Asphalt-Cowboys jetzt das autonome Fahren schmackhaft machen wollen. Als weltweit erster Lkw-Hersteller haben sie den Segen des Staates Nevada bekommen und dürfen mit ihren beiden windschnittigen und insgesamt ziemlich futuristischen Prototypen auf öffentlichen Straßen demonstrieren, wie es sich anfühlt, wenn Kollege Computer die Kontrolle über so ein Gebirge aus Stahl übernimmt.

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Präsentation und Testfahrt auf dem US-Highway 15 sind nur der Anfang.

Für die Entwickler gipfelt damit die Arbeit von vielen Jahren. Aber für Martin Zeilinger ist es nur ein Knopfdruck. Denn mehr braucht der Chef der Lkw-Vorausentwicklung bei Daimler nicht zu tun, um den Highway-Piloten zu aktivieren. Vom Parkplatz muss der den Truck dann noch selbst rangieren, zwei Ampelkreuzungen nehmen und den dicken Diesel die kleine Rampe hochtreiben, die ihn noch von der Interstate trennt. Dann fädelt er sich in den fließenden Verkehr ein. Und sobald die Auffahrt in den digitalen Rückspiegeln kleiner wird, meldet das wie ein Tablet gestalte Cockpit die Einsatzbereitschaft. Schnell mit der Lenkradtaste bestätigen und der Truck macht sich buchstäblich selbstständig.

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Im öffentlichen Straßenverkehr ist autonomes Fahren rechtlich noch unvorstellbar – zumindest in Deutschland.

Draußen wechselt die Beleuchtung im windschnittigen Kühlergrill von weiß auf blau, um den autonomen Modus anzuzeigen. Drinnen weicht auf dem zweiten Touchscreen im Cockpit die Anzeige des Bordcomputers einem Bildschirm wie im Büro, und Zeilinger nimmt ganz selbstbewusst die Hände vom Lenkrad und die Füße von den Pedalen. Während der Radarsensor des intelligenten Tempomaten den Abstand zum Vordermann hält und sich die Stereokamera mit 250 Metern Weitblick an den Fahrbahnmarkierungen entlang hangelt, klickt der Entwickler den Bildschirm aus dem Armaturenbrett, legt sich das Tablett auf den Schoß und schaut, was ihm die virtuelle Zentrale für neue Aufträge geschickt hat: Der Truck lenkt die Fahrt, und der Fahrer organisiert sie unterdessen, fasst die Schwaben ihren Entwicklungsansatz zuzusammen. Denn es geht ihnen nicht darum, den Mensch durch eine Maschine zu ersetzen, betonen sie immer wieder. Sie wollen Effizienz und Sicherheit verbessern und dafür sorgen, dass Trucker entspannter ans Ziel kommen.

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Entwickler Martin Zeilinger klickt den Bildschirm aus dem Armaturenbrett und schaut, was ihm die virtuelle Zentrale für neue Aufträge geschickt hat.

Die Sache mit der Entspannung klappt selbst bei der Jungfernfahrt in Nevada schon ganz gut. Nicht nur, weil die Highways hier einsam und schnurgerade sind. Sondern vor allem, wie die Elektronik den gut 30 Tonnen schweren Lindwurm mit einem solchen Feingefühl auf Linie hält, dass mit jeder Meile das Vertrauen wächst. Die wenigen Kurven nimmt der Autopilot samt und seidig, wenn der Highway einspurig wird, fädelt er sauber ein. Und selbst die scharfen Windböen von der Seite gleicht er mit ganz leichten Korrekturen am Lenker aus.

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High-Tech-Ausstattung wie Radarsensoren und Stereokameras sowie Assistenzsysteme wie Abstandsregler sollen für Sicherheit sorgen.

Kein Wunder. Die Technik an Bord ist ja auch nicht ganz neu. Schließlich hat Mercedes den Autopiloten schon vor gut einem halben Jahr in Magdeburg auf der A14 im Future Truck 2025 präsentiert. Und die Kollegen aus der Pkw-Abteilung sind mit ihrer autonomen S-Klasse schon ein paar hunderttausend Kilometer gefahren. Neu ist allerdings, dass die Elektronik jetzt auch in einem Freightliner funktioniert, dass sie die amerikanischen Verkehrsregeln kennt und vor allem, dass sie eine Zulassung hat. Denn der ganze stolz der Entwickler ist das rote Kennzeichen AV 010, das ihnen der Gouverneur von Nevada an den Truck geschraubt hat. Denn damit ist der Inspiration-Truck der erste autonome Laster, der auf öffentlichen Straßen bewegt werden darf.

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"Das ist ein riesiger Schritt in die Zukunft", freut sich Daimlers Truck-Vorstand Wolfgang Bernhard und lässt diese vermeintliche Sensation mächtig feiern. So mächtig, dass die Schwaben sogar den legendären Hoover Dam bei Las Vegas als Premieren-Bühne gewählt und dort eine Lightshow für das Guinnessbuch inszeniert haben. Zwar ist der Truck auch dort autonom über die Dammkrone gefahren und dreht tags drauf zuverlässig seine pilotierten Runden um Las Vegas. Doch so gut der Cascadia seine Sache auch macht und so verlockend die weiße Lederlandschaft in der riesigen Kabine hinter dem Cockpit auch sein mag – noch ist der Fahrer an seinen Stuhl gefesselt. Einfach aufstehen und sich auf die Pritsche werfen ist nicht, ist noch nicht drin, sagt Daimler-Forscher Zeilinger. Schon den Highway-Piloten sehen die Schwaben frühestens in zehn Jahren. Aber bis der King Of The Road das Zepter gar vollends aus der Hand gibt, wird es noch viel, viel länger dauern.





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